Fenster auf dem Weg zu Weihnachten
05. Dezember 2025
Wenn ich daran denke, wie in den Geschäften schon seit anfangs November, kurz nach Halloween, alles auf Weihnachten hinweist, war ich am Mittwoch vor dem ersten Advent reichlich spät damit zugange, die Fenster des christkatholischen Pfarrhauses und den Adelbändli-Saal weihnachtlich zu dekorieren. Wenn ich aber daran denke, dass Weihnachten ja erst in einem knappen Monat gefeiert wird und dass genaugenommen zuerst einmal die Adventszeit kommt, bevor Weihnachten am 25. Dezember dann die Weihnachtszeit eröffnet, bin ich eigentlich noch zu früh.
Alle Jahre wieder beginne ich darüber nachzudenken, ob der Markt die ganzen Feste für den Umsatz instrumentalisiert oder ob es einfach zur Kultur gehört und vielleicht sogar Ausdruck des christlichen Weihnachtsfestes ist, dem Fest der Liebe, wie man so schön sagt. Wer weiss, wer weiss schon, ob der bittere Anschein von bodenständiger Realität die Hoffnung, die bekannterweise zuletzt stirbt, doch längst gebodigt hat oder nicht? Ich glaube, dass der Weihnachtskommerz für viele Menschen bedenkenlos zum christlichen Weihnachtsfest dazugehört: So wie Gott die Welt mit seinem Sohn beschenkt hat, aus Liebe und um sie zu erlösen, so beschenken wir Menschen einander, um uns unsere gegenseitige Zuwendung und Liebe zu zeigen. Aber mir ist auch bewusst, dass für viele andere Weihnachten eben doch nur ein Geschäft ist und fette Gewinne bedeutet. – Jesus Christus ein fetter Gewinn? Im Glauben betrachtet, definitiv ja, sogar der fetteste Gewinn, halt nur nicht so einseitig und monetär oder aus Plastik. Wer weiss, wer weiss.
Der Rebell und das glückliche Kind in mir freuen sich jedenfalls, während ich die Fenster des Pfarrhauses mit Krippenfiguren schmücke. Der Rebell, weil die Krippenfiguren einen Kontrast und auch einen Protest gegen den Mainstream der Weihnachtsdekorationen darstellt, eine Besinnung nämlich auf die Weihnachtsgeschichte, eine Geburtsgeschichte, in einem Stall, weit weg vom Komfort unserer heutigen Weihnachtsvorstellungen. Und das glückliche Kind freut sich daran, mit den Figuren Szenen zu setzen, die ich mir ausgedacht habe, sie mit ihrem drahtigen Skelett und den bleischweren Füssen so zu stellen, dass sie etwas zum Ausdruck bringen.
Die Heilgen drei Könige aus dem Osten zum Beispiel, man spricht auch von Weisen, Magiern oder Priestern, sie eigenen sich besonders gut dafür, zu zeigen, dass wir noch unterwegs sind zu Weihnachten, dem Fest der Ankunft des himmlischen Erlösers. Manche schätzen, dass sie über 1000 Kilometer weit gereist sein müssen. Das wären ungefähr 333 Stunden zu Fuss. Wenn wenn sie zehn Stunden pro Tag gegangen wären, wären sie gerade etwa 33.3 Tage unterwegs gewesen – dann bin ich gar nicht so weit daneben, wenn ich sie am 26. November losgehen lasse, 29 Tage, ok, ich bin mir sicher, sie haben sich beeilt. Mit einer Karawane, womit sie wahrscheinlich eher gereist sind, dürften die Drei etwas schneller gewesen sein. Wer weiss, wer weiss.
Auch die schwangere Maria und Josef sind unterwegs, hinauf zu Betlehem. Ich habe Maria auf einen Esel gesetzt. Ich meine, sie war hochschwanger. Die Figur im Damensitz auf den Esel zu setzen, war eine kleine Herausforderung. Aber es passt. Das Paar ist unterwegs nach Bethlehem, wo Maria den Sohn Gottes gebären wird. Es ist unterwegs zu dieser Geburt. Der Christus ist noch nicht da. Wir sind im Advent. Bis Weihnachten dauert es noch einige Tage und die Geburtswehen stehen noch bevor.
Und dann gibt es noch Johannes den Täufer, der dem Herrn voranging, um ihm den Weg zu bereiten. Er weist auf den Christus hin und betont, dass er selbst es nicht ist. Auch hier ist Weihnachten noch nicht ganz hier, Weihnachten kommt erst nach Johannes dem Täufer mit Jesus von Nazareth.
Wann gehen wir los nach Bethlehem, um das Kind zu begrüssen und zu beschenken? Wo bringen wir das Licht Gottes zur Welt, machen ernst mit Werten wie der Nächstenliebe und werden zu Schwestern und Brüdern? Wo sprechen wir frei von jemand grösserem, dem wirklich göttlichen und erhabenen?
Machen wir uns auf und werden Licht, ziehen wir in den Frieden von Weihnachten, brechen wir auf in die wärmere Welt, die mit dem Kind in die Welt gekommen ist. Bleiben wir unterwegs, auch wenn wir uns klein und schwach fühlen, der Weg noch weit scheint und die Tage finster.
Text: Pfarrer Lenz Kirchhofer