Andacht zur Karwoche von Angela Berlis: «Gehen wir mit dem Wissen in die Karwoche, dass wir nicht allein sind.»
Die Morgenandacht für die Mitarbeitenden und Besucherinnen und Besucher des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) am 30. März wurde in Zusammenarbeit mit der Weltgemeinschaft der Alt-Katholischen Kirchen organisiert.
Oekumenischer Rat der Kirchen
Prof. Dr. Angela Berlis, Ordentliche Professorin für Geschichte des Altkatholizismus und Allgemeine Kirchengeschichte, Co-Leitung des Kompetenzzentrums Liturgik an der Universität Bern und Mitglied in der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung, hielt eine Predigt über Johannes 12,1–8.
«Heute (einen Tag nach Palmsonntag) treten wir also einen Schritt zurück und gehen von Jerusalem noch einmal nach Bethanien zurück, begleiten Jesus in das Haus von Lazarus, Marta und Maria», sagte sie. «Dort wird ein Mahl zu Ehren Jesu serviert.»
Berlis erklärte, dass es ein Festmahl gewesen sei und dass Jesus auch ein Geschenk bekommen habe – ein vollkommen unerwartetes Geschenk, das ihm auf vollkommen unerwartete Art und Weise zuteilwurde: Maria habe seine Füsse mit einem ganzen Fläschchen Nardenöl gesalbt und sie mit ihren Haaren massiert.
«Das ist ein sehr teures Produkt!», betonte Berlis. «Und gleichzeitig muss ein sehr intensiver Duft den ganzen Raum erfüllt haben, nachdem Maria das Öl auf Jesu Füsse gegeben hat. So viel Öl, so viel Dramatik!»
Und dann habe Maria auch noch ihre Haare genommen, um das Öl einzumassieren.
«Als Zuhörende wissen wir in diesem Moment noch nicht, dass dieses Geschehen von zwei Menschen auf ganz unterschiedliche Art ausgelegt werden wird: Von Judas und von Jesus – Judas, dem es immer nur ums Geld geht, der nur darüber nachdenkt, was es kostet», unterstrich Berlis. «Und Jesus, der es als Salbung für den Tod auslegt, als Salbung für den Tod, der ihm kurz bevorsteht.»
Nardenöl sei ein ätherisches Öl, dem eine stark beruhigende Wirkung nachgesagt werde; es entfalte diese Wirkung insbesondere in Stresssituationen und helfe, Ängste abzubauen und mit schwierigen Umständen umzugehen.
«Nardenöl hilft den Lebenden also sehr viel mehr als den Toten!», sagte Berlis. «Maria salbt Jesus also und bereitet ihn damit auf die letzte Phase seines Lebens vor.»
Und diese Geschichte über die Salbung Jesu mache eines sehr deutlich: Jesus gehe seinem Schicksal mit offenen Augen entgegen, so Berlis.
«Lassen Sie auch uns mit dem Wissen in diese Karwoche gehen, dass wir nicht allein sind, mit der Erwartung, dass uns Gottes Verheissung offenbart werden wird, gesalbt mit dem Öl, das es uns ermöglicht, diesen Weg und alle Wege in unserem in dem Wissen zu gehen und zu meistern, dass wir geliebt sind», unterstrich Berlis.
Neben Berlis hatten auch Pastor Christoph Schuler und Priester Ilya Kaplan an der Gestaltung und Feier der Andacht mitgewirkt. Zudem nahm Berndt Wallet, Erzbischof von Utrecht, an der Andacht teil und überbrachte Grussworte.
Nach dem Ökumenischen Fürbittkalender beten wir in dieser Woche für die Kirchen und Menschen in der Tschechischen Republik, Polen und der Slowakei.