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Bettag

Wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen.

Röm. 8, 16

«I ghöre nes Glöggli, das lütet so nätt, / der Tag isch vergange, jetz gohn i is Bett, / im Bett tuen i bätte und schlofe denn i, / der Liebgott im Himmel wird wohl bi mer si.» Mit diesem Liedchen, von Mutter und Kindern gemeinsam gesungen, pflegte sich unser Kinderalltag zu beschliessen. Ein Ritual, dem eine gewisse beruhigende Wirkung nicht abzusprechen war. Die Mutter war da, der Liebgott irgendwie auch, wohlige Geborgenheit stellte sich ein. Bätte. Am Obe. Es durfte nicht fehlen. Später war die Ausgangslage schwieriger und ich spürte gelegentlich die Wucht des Verses vom Nichtwissen, was wir beten sollen. Ich war mit mir allein, niemand intonierte Geborgenheit vermittelnde Gebetsanliegen. Situationsbedingte Stossgebete brachten zwar manchmal Wirkung, öfter jedoch nicht. Zuverlässig war die Sache mit dem Beten jedenfalls nicht. Dann aber wuchs die Ahnung: Beten kann nicht die Präsentation einer Wunschliste dessen sein, was hier und jetzt praktisch, schön, auch hilfreich sein könnte. Beten ist eher so etwas wie eine Auseinandersetzung mit sich, ein Hören in sich hinein, letztlich mit Gott als Ansprechpartner. Ihm können wir unsere Probleme vorlegen, können Gutes, Momente von Erfüllung bedenken, dafür auch danken. Mit ihm können wir auch streiten, ihm unseren Frust entgegenschleudern. Er wird es aushalten. Und wir kommen dabei vielleicht zur Einsicht: Solches Beten kann weniger der Wunsch sein, dass sich die Welt mir anpasst, sondern dass ich hoffen darf, dass sich Gott auf seine eigene, unvorhersehbare Weise in meinem Leben erfahren lässt und damit auch mein Ungemach in ein anderes Licht taucht. Immerhin.

Niklaus Reinhart