Bibelwort von Niklaus Reinhart: Menschenfreundlichkeit gegen Macht
«Da nahmen sie Palmzweige und zogen hinaus, um ihn zu empfangen.»
(Joh 12, 13)
Jesus lebte in Galilea, im Norden Israels, in Nazareth, seiner engeren Heimat. Nahe an griechisch beeinflusstem Umland. Von daher kein blindwütiger Fanatiker. Und er wirkte weitgehend unter seinesgleichen, war von ihnen akzeptiert und als moralisches Vorbild anerkannt.
Und er war weitab von der grossen Stadt Jerusalem. Sie war quasi der Ort der jüdischen Orthodoxie. Im Tempel hatten deren Autoritäten ihren Sitz, Pharisäer, Schriftgelehrte und Konsorten, die keine Kritik an dem duldeten, was sie lehrten und darstellten.
Nun gab es den Brauch, dass an hohen Festtagen wie an Passah Wallfahrten nach Jerusalem unternommen wurden. Auch die Landbewohner waren dazu angehalten. So gedachte auch Jesus mit seinen Jüngern, sich einer Reisegruppe in die Hauptstadt anzuschliessen.
Aber so problemlos war gerade das nicht. Dass Jesus und die Tempelleute das Heu nicht auf derselben Bühne hatten, das wusste man. Gut, Jesus hätte inkognito reisen können. Aber das wollte er offensichtlich nicht. Nein, das war die Stunde der ultimativen Entscheidung. Und Jesus wich ihr nicht aus. Auf einem Esel reitend betrat er die Stadt, bejubelt von vielen, die ihn offensichtlich erkannten. Woher? Sie erkannten ihn halt. Und genau davor fürchteten sich die Autoritäten. Fehlte ja noch, dass dieser Galiläer mit seiner Autorität der Menschenfreundlichkeit ihre eigene der Machtgier und Überheblichkeit an den Rand drängen würde.
Und von da an wissen wir, wie die Geschichte, vorderhand einmal, ausgehen wird. Es war damals nicht anders als auch heute immer wieder. Derjenige, der sich nicht mit Gegengewalt wehren kann oder will, der geht unter.