Bibelwort von Niklaus Reinhart: Trotz allem
«Weil du es sagst, will ich die Netze nochmals auswerfen.»
(Lk. 5, 5)
Eine ganze Nacht hatten Petrus und seine Gefährten ihre Netze durchs Wasser gezogen, aber kein Fisch blieb hängen. Und am Morgen kam Jesus ans Ufer und hiess sie, ihre Netze nochmals auszuwerfen. Ja, weiss er denn nicht, dass vorwiegend die Nacht die Zeit des Fangens ist? Am Tage sind die Fische in der Tiefe, wo die Netze nicht hin reichen. Aber bitte, wenn er meint. Also fliegen die Netze nochmals ins Wasser hinaus. Und siehe, entgegen jeglicher Erfahrung sind die Netze tatsächlich voller Fische.
Nicht wirklich eine Geschichte aus dem Fischeralltag. Aber wichtig scheint doch zu sein, dass die Szene auf dem Wasser spielt. Letztlich ist auch das Wasser ein Bild für Menschen. Es hat eine Oberfläche und es hat eine Tiefe. Auf der Oberfläche ist Alltag. Vergnügte Menschen schwimmen da, geniessen das Nass, Ruderer tummeln sich in ihren Booten. Alles gut und recht. In der Tiefe hingegen ist Stille – und eben der Lebensraum der Fische. Diese sind Nahrung, Überlebenshilfe für Menschen. Petrus ist in ihren Bereich vorgestossen, hat damit die Verbindung mit der Tiefe herstellen können. Und es ist ihm «Beute» in Fülle zuteilgeworden.
Vielleicht kennen auch wir, auf die eine oder andere Weise, die Spannung zwischen Oberfläche und Tiefe. Der Berufsalltag fordert vor allem die Oberfläche. Anforderungen kommen auf uns zu, wir müssen sie so gut wie möglich lösen, im Rahmen des Erforderlichen. Sicher kann uns das auch Freude machen, mit Stolz können wir auf unsere Leistung blicken.
Aber gibt es uns auch Halt über den Tag hinaus? Oder bleiben die Netze nicht doch leer, oder fast leer? Zu leer, um uns wirklich zu ernähren. Und plötzlich bricht etwas zusammen. Wir merken, dass nicht der Krampf die Erfüllung ist. Es tut sich zwar Leere und Tiefe auf. Beängstigend.
Aber wenn wir uns ihnen stellen, begegnen uns die Fische.