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Carte Blanche von Christa Praehauser: Karfreitag

Christkatholisch Carte Blanche Christa Praehauser Karfreitag Alamy
Drei Kreuze auf einem Hang oberhalb Redditch Worcestershire (UK). Sie werden von lokalen Gemeindemitgliedern während Ostern dort aufgestellt. Foto: Alamy

Als ich ein Kind war, brachte meine Mutter mir ein Gebet bei, in dem es hiess: «In deine Wunden schliess mich ein, sie sollen meine Ruhstatt sein.»

Ich versuchte, das Gebet mit der gebührenden Andacht zu beten, fragte mich aber immer, ob die Wunden denn nicht noch mehr schmerzen würden, wenn ich auch noch darin wäre. Auch stellte ich mir Wunden nicht gerade als einen Ort vor, an dem ich «froh die Augen zuschliessen» würde.

Ebenso beelendeten mich die Kreuze mit dem gemarterten Jesus darauf.

Dann begegnete mir eine Frau, die gerade diese Kreuze hilfreich fand, um aus Einsamkeit und Schmerz herauszufinden. Die durch das Berühren der Wunden Trost fand. Und ich begann zu ahnen, dass ich in meiner ganzen Gebrochenheit und mit allem Schmerz einfach so zu diesem Gekreuzigten kommen durfte. Dass nichts in mir so hässlich und verachtenswert sein könnte, dass er nicht schon Hässlicheres erlitten, weggewaschen und verziehen hätte. Dass er uns so wertvoll findet, dass ihm nichts zu qualvoll war, um es nicht für unser Wohl auf sich zu nehmen. Dass er in sein übermenschliches Leiden das menschliche Leiden liebevoll einschliesst und wir tatsächlich vertrauensvoll in ihm ruhen dürfen.

Ich wünsche mir, dass der Karfreitag so für alle statt zu einem Tag des unverständlichen Leides Gottes zu einem Tor ins Heil werden darf.