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Ein Leben für den Weihnachtsschmuck

JohannWanner
Johann Wanner ist zufrieden mit sich und der grünen Weihnachtskugel. Foto: Osswald

Fällt das Wort «Weihnachtsschmuck», folgt im nächsten Atemzug der Name Johann Wanner. Seine Dekorationen schmücken europäische Adelshäuser und den Petersplatz in Rom genauso wie den Basler Münsterplatz. In Wanners Geschäft in Basel herrscht das ganze Jahr hindurch der Geist von Weihnachten. Und neben allen Engeln haben auch Teufelchen ihren Platz.

«Sollen wir die englischen Adventskalender noch ins Sortiment nehmen?» Eine von vielen Fragen, die im Laden von Johann Wanner (76) gestellt werden und auf eine Antwort warten. Johann Wanner, der Experte für handgefertigten Weihnachtsschmuck, hat wahrlich viel um die Ohren rund um Weihnachten. Für ihn gilt, was Kirchen manchmal propagieren: Weihnachten ist immer, verkauft er doch das ganze Jahr über Weihnachtsschmuck.

In diesem Jahr ist besonders die «grüne Weihnacht» aktuell. Nicht, weil es draussen gegen 15 Grad hat und ein Fest ohne Schnee wahrscheinlich ist, sondern weil er sich entschlossen hat, in diesem Jahr erstmals auf grüne Kugeln zu setzen. «Das ist eine wunderbare Farbe. Das Sortiment gefällt mir ausgezeichnet, auch wenn ich nicht weiss, ob sich das verkaufen lässt.»

Erlernter Mut

Dieser Charakterzug ist Johann Wanner eigen. Schon im Alter von 20 Jahren machte er sich auf in die weite Welt. «Ich wollte andere Kulturen und Religionen kennenlernen», erzählt er. Den Mut, etwas zu wagen und Eigenverantwortung zu übernehmen, war ihm indes nicht in die Wiege gelegt worden. «Ich wuchs streng katholisch auf. Vieles war verboten, vieles Pflicht, alles geregelt.»

Erst als Johann Wanner in Kontakt mit einem Jesuitenpater kam, eröffnete sich ihm eine neue Welt. «Der Pater sagte mir, dass ich alles dürfe. Wichtig sei nur, dass ich es vor mir selbst verantworten könne.»

Das, was er heute tut, verantwortet Johann Wanner gerne. Denn auch wenn er das ganze Jahr Weihnachten hat, ging ihm die Freude am Fest nicht verloren. «Ich könnte ehrlicherweise keinen Weihnachtsschmuck verkaufen, wenn in mir nicht die Tradition von Weihnachten leben würde», sagt er bestimmt.

Die Ambivalenz des Festes, wie wir es heute feiern, ist ihm bewusst. «Weihnachten ist ein Geschäft und ich lebe davon.» Ein schlechtes Gewissen hat er deswegen nicht. Er ist stolz auf sein Tun, aber in aller Bescheidenheit. «Ich habe Anfragen, um Weihnachtsbäume in aller Welt zu schmücken, aber das ist mir zu viel.» Wanner möchte sich auf weniger konzentrieren, das aber gut machen.

Teufel im Sortiment

An illustren Kunden fehlt es ihm nicht. Mit dem Fürsten von Liechtenstein hatte er gerade zu tun. Oder mit zwei älteren Damen, die mit dem Privatjet aus Nizza für zwei Stunden angereist kamen. Auch Prinzessin Diana gehörte zur Kundschaft und kürzlich war das Vatikan-Fernsehen zu Gast in seinem «Weihnachtshaus» in Basel. Den Laden deshalb für die normale Kundschaft zu schliessen, kommt für Johann Wanner nicht infrage.

Wanner kann sich für Unscheinbares begeistern. «Bei der Prämierung des schönsten Weihnachtsfensters erhielt ein WC-Fenster an einem Privathaus den ersten Preis.» Die kleine Krippe auf dem Sims habe etwas Mystisches ausgestrahlt, der Schein des Lichts sei aus dem Fenster gefallen wie aus dem Türspalt des Stalls. Wunderbar.

Eine Eigenart ist auch, dass für Wanner zum Weihnachtsschmuck der Teufel gehört. «Man muss sich des Bösen bewusst sein, um das Heil zu erkennen», lautet seine Erklärung dafür.

Franz Osswald