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Es ist einfach ungerecht

Gerechtigkeitsbrunnen
Gerechtigkeitsrunnen in Bern. Foto: wikimedia commond/kol:k

Frage: Wie muss ich mit Ungerechtigkeit umgehen?

Die Frage nach der Ungerechtigkeit plagt die Welt schon von Anfang an. Dass Menschen ungerecht behandelt werden, ist eine Gegebenheit die schon seitdem der Mensch wohl auf dieser Erde lebt, existiert. Was ist jedoch Ungerechtigkeit? Es ist einfach die Tatsache, dass man etwas verdient hätte, und nur weil eine Gruppe oder eine andere Person die «irdische» Macht hatte, das Gerechte aus Neid, aus Eigeninteressen oder wie auch immer zu verhindern, nicht zugelassen hat. Das Schlimme ist, wenn diese Ungerechtigkeit einem einfach nicht in Ruhe lassen kann. Die Frage nach dem «Warum» kann manchmal tief im Herzen sitzen und sogar in manchen Fällen Zweifel aufkommen lassen, ob Gott überhaupt existiert. «Wo bist du Herr, wenn mir Ungerechtigkeit widerfährt?» Ja, oft entsteht Wut, ja sogar Hass gegenüber denjenigen, die jemanden ungerecht behandelt haben.  Die Kirchenväter reden in diesem Fall von der sogenannten Mnesikakia: Erinnerung an das Böse, die das Menschenherz so weit einschliesst, dass es selbst nicht mehr lieben kann, sondern einfach in diesem Hass, welche Produkt der ungerechten Tat ist, verweilt. Der Menschensohn, Jesus Christus selber, hat am Kreuz von dieser menschlichen Ungerechtigkeit gekostet, als er am Kreuz hing, ohne etwas Schlimmes getan zu haben. Er hat halt manche gestört, die ihre Interessen in Gefahr sahen bzw. ihn nicht ausstehen konnten. Was ist aber, wenn mir mit keinen mir verfügbaren Mitteln Gerechtigkeit zugesprochen wird? Die Kirchenväter raten für das eigene Seelenheil dann einfach, die ungerechte Tat so weit wie möglich bei Gott verweilen zu lassen. Genau dies also zu tun, was Jesus am Kreuz getan hat: Die ungerechte Tat bzw. seinen Peinigern zu verzeihen. Die Tugenden der Zornlosigkeit und des Erbarmens quellen genau dadurch, dass ich in meiner Erkenntnis in der Wahrheit ruhen kann, da Wahrheit bekanntlich diejenige ist, die befreit (Joh 8,32). Das innerliche Verzeihen bedeutet die eigentliche Befreiung von der ungerechten Tat. Falls ich jedoch derjenige oder diejenige bin, der/die Ungerechtigkeit ausübt, muss ich auch in meiner Erkenntnis der Wahrheit leben können – in einer Wahrheit, die in diesem Falle nicht befreiend, sondern eher einschliessend auf mich wirkt. Wissend, dass meine Tat nicht Früchte der Gerechtigkeit, sondern der Ungerechtigkeit ist. In diesem Fall fängt man nach den Kirchenvätern an, Wahrheit zu stören. Der ungerechte Mensch versucht in seiner Unwahrheit eine plastische Wahrheit zu schaffen, mit dem Wissen jedoch, dass er nie in der Wahrheit selber sein wird – Wahrheit wird für ihn unerträglich. In diesem Sinne, muss man die Ungerechtigkeit einfach verzeihen, damit man von dieser befreit wird. An derjenigen Person jedoch, die Ungerechtigkeit ausübt, liegt es, ob sie sich selbst von der Unwahrheit ihres Lebens befreien möchte oder nicht: Dies durch die Ausübung von Gerechtigkeit. 

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Dr. Stefanos Athanasiou