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Feierliche Rückgabe des Bischofsstabes

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Der Bischofsstab ohne seinen Hirten. Foto: Christoph Knoch

In der Kirche St. Peter und Paul in Bern gab Bischof Dr. Harald Rein am 29.10.2023 sein Bischofsamt an die Kirche zurück. Viele Mitwirkende, Ehrengäste aus Politik und Ökumene sowie zahlreiche Besucher verschiedenster Kirchgemeinden fanden sich zu einem feierlichen Abschiedsgottesdienst des siebten
Bischofs der Christkatholischen Kirche ein.

Vierzehn Jahre bischöfliches Wirken fanden in Bern ihren würdigen Abschluss. Abschiede wirken mitunter schwer, in Bern empfing einen jedoch eine knisternde, gesammelte Atmosphäre, die stets auch heiter blieb.

Der Mantel als Sinnbild

Diese Leichtigkeit entstand nicht zuletzt auch dadurch, dass sich Bischof Rein einen Gottesdienst wünschte, der nicht seine Person in den Mittelpunkt stellte, sondern vielmehr eine Berührung von Himmel und Erde anstrebte und das dahinterstehende kirchliche Geschehen der Amtsübergabe in den Fokus nahm. Bischöfe seien nur eine bestimmte Zeit im Amt, während die Kirche Gottes auf ewig bestehe.

Die alttestamentliche Lesung aus dem Buch der Könige (Kapitel 2,1-14) sprach das Thema Amtsübergabe an. Nach dem Tod des Propheten Elija bekommt sein Nachfolger Elischa den Mantel seines Vorgängers übertragen. Dieser Mantel, so Bischof Rein, sei ein eindrückliches Sinnbild für neue Rollen oder Aufgaben, die man übernehme und die für jede und jeden zu Beginn zwangsläufig zu gross seien oder sich so anfühlten.

Bei seiner Bischofsweihe 2009 in der Zürcher Augustinerkirche habe er ähnlich empfunden. Untermalt wurde damals dieses Empfinden von der eindrücklichen Darstellung Marc Chagalls zu dieser alttestamentlichen Szene der Mantelübergabe im Prophetenfenster des benachbarten Zürcher Fraumünsters. Statt eines Mantels habe er Mitra, Bischofsstab, Brustkreuz und Bischofsring überreicht bekommen und fühle sich auch nicht als Prophet, betonte Bischof Harald Rein mit einem wahrnehmbaren Augenzwinkern, auch wenn er sich durchaus manchmal mehr Gehör gewünscht hätte. Nun sei es für ihn an der Zeit, den «Mantel» weiter zu geben, beziehungsweise, ihn zunächst der Kirche zurück zu geben. Sein Dank galt allen für das grosse Vertrauen und die erhaltene Unterstützung während der Amtszeit. Diejenigen, deren Wünsche und Erwartungen er nicht erfüllen konnte, bat er um Nachsicht.

Berührung von Himmel und Erde

Mit Blick nach vorne hob Bischof Harald Rein einen weiteren wichtigen Aspekt der gehörten Lesung hervor. Die Geschichte stehe für eine Berührung von Himmel und Erde, so wie sie auch im Gottesdienst, in der Liturgie und Wortverkündigung angestrebt oder im Glaubensbekenntnis in der ‚sichtbaren‘ und ‚unsichtbaren‘ Welt erwähnt werde. «Gottesdienste und andere solche Erlebnisse heben den Vorhang zur unsichtbaren Welt, damit wir Gottes Gedanken und Pläne besser verstehen und erkennen können.» Der Heilige Geist, als weitere Verbindung zwischen Himmel und Erde, schenke vielen Menschen Mut und Hilfe bei ihren Aufgaben und werde die Christkatholische Kirche auch im kommenden Wahlprozess begleiten.


Der Abschiedsgottesdienst unseres Bischofs Harald, in festlichem und würdigem Rahmen, war beeindruckend. Ich kenne Bischof Harald seit vielen Jahren und durfte in dieser langen Zeit immer wieder seine aufgeschlossene, freundliche und wertschätzende Einstellung gegenüber seinen Mitmenschen erleben. Die respektvolle Amtsführung als Kirchenoberhaupt, die Offenheit unseren Mitgliedern und Schwesternkirchen im In- und Ausland gegenüber sind wegweisend. Bischof Harald hat unsere Kirche vorbildlich repräsentiert und ich bin überzeugt, dass er ausgezeichnete Grundlagen für die Zukunft in die Wege geleitet hat. Herzlichen Dank!

Manuela Petraglio, ehemalige Synodalratspräsidentin

Wachstum und Frucht könne es nur geben, wenn dieser Wechselbezug, dieses Berühren zwischen Himmel und Erde, entstehe. Bei allen Höhen und Tiefen, Erfolgen und Krisen der Kirchengeschichte sei dies die einzige Aufgabe der Kirche, die in der Zeit überdauern könne: zu zeigen, dass sich Himmel und Erde berühren können. Bischof Harald Rein wünschte dies zum Abschluss seiner Kurzpredigt allen in ihrem persönlichen Leben und in ihrer Gotteserfahrung.

Berührung zwischen Himmel und Erde wurde in diesem Gottesdienst an mehreren Stellen greifbar. Die Fürbitte um göttlichen Beistand im Wahlprozess und bei der Linderung der Nöte unserer Zeit war ein solcher Moment. Ein eher heiterer Augenblick war das nicht enden wollende Halleluja, bei dem sich Sprache um Sprache aneinander reihte. Der Heilige Geist schien hier kräftig am Werk.

Rückgabe des Bischofsstabes

Als der Augenblick gekommen war, wurde es still und konzentriert. Nach einem Gebet um göttlichen Beistand und während die versammelte Gemeinde «Der Tag mein Gott ist nun vergangen» anstimmte, schritt Bischof Harald Rein zum Hochaltar. Fast schien die Zeit für einen Augenblick stehen zu bleiben. Mit buchstäblichem Rückhalt der mitfeiernden Geistlichen und der Gottesdienstgemeinde legte er Bischofsstab und Mitra auf den Hochaltar zurück. «… und danken dir, wenn wir uns legen, dass deine Kirche immer wacht» erfüllte ergreifend den Raum. Ein Himmelmoment.

Für mich persönlich war es ein Anliegen an der Verabschiedung von Harald Rein teilzunehmen, weil ich privat wie «geschäftlich» einige Erlebnisse mit ihm verbinde und ihn als Mensch sehr schätze. In meiner Teenager-Zeit war Harald Rein in Obermumpf als Pfarrer tätig. 1988 hat er meine Ehe mit Rolf gesegnet. Später als Kirchenpflegepräsidentin von der Kirchgemeinde Obermumpf/Wallbach, standen wir immer wieder in Kontakt miteinander. Kleine Anekdote: Als wir in Holland 2011 Veloferien machten, trafen wir Harald in Utrecht in der Sonntagsmesse.

Gaby Hasler, Gemeindemitglied Obermumpf-Wallbach

Bischöfliche Vakanz und Neuwahl

Ganz bodenständig kündigte der Zeremoniar und Präsident der Nationalsynode, Nassouh Toutoungi, die bischöfliche Vakanz an. Er erläuterte die Bedingungen und Modalitäten für die Ernennung der Kandidaten und forderte auf, bis zum 31.12.2023 Vorschläge für mögliche Bischofskandidaten oder -kandidatinnen an ihn einzureichen. Nach diesem Zeitpunkt werden nur noch Vorschläge durch Synodenmitglieder angenommen. Die Wahl des neuen Bischofs bzw. der neuen Bischöfin wird an der 157. Session der Nationalsynode vom 24.-25.5.2024 in Aarau stattfinden.

Würdigungen

Franz Peter Murbach, Präsident des Synodalrates, würdigte das lange und intensive Wirken von Bischof Rein, sein offenes Ohr und Herz, mit denen er den Menschen in der Kirche zugehört habe. Unermüdlich habe er die Schweiz in allen Richtungen durchquert, die Freuden und Mühen der Gemeinden geteilt und den Menschen Unterstützung, Ratschlag, Beruhigung, Ermutigung sowie Energie und Kraft gespendet. Über 700 Firmungen und zwei Dutzend Weihegottesdienste feierte er in seiner Amtszeit. Bischof Rein habe auch in der Ökumene und im interreligiösen Dialog, in der Utrechter Union oder auch weltweit in Zusammenarbeit mit den Geschwisterkirchen mit Enthusiasmus gewirkt. Franz Peter Murbach spannte einen Bogen vom ersten Hirtenbrief Reins von 2010, in dem sich der Bischof über das Kirchenverständnis der Christkatholischen Kirche als «Gemeinschaft von suchenden Menschen, die dem Evangelium Jesu Christi zu neuer Glaubwürdigkeit und zu neuem Gewicht verhelfen möchte» geäussert hat, bis hin zu seiner Einladung zu einem neuen Start, dem aktuellen Aufruf zum «Aufbruch im Umbruch» in seinem letzten Hirtenbrief.

In unserem Studium mussten wir ein praktisches Semester in einer Kirchgemeinde absolvieren. Bischof Harald, erst wenige Wochen im Amt, nahm sich der Sache an und innerhalb eines halben Tages waren die Praktikumsgemeinden für drei Studierende organisiert. Ich war beeindruckt von Geschwindigkeit und dem pragmatischen Vorgehen Bischof Haralds. Diese Management-Fähigkeiten hat er immer wieder unter Beweis gestellt, manchmal vielleicht mit etwas forschem Tempo und Temperament, aber immer im Dienst der Sache der Kirche.

Thomas Zellmeyer, Pfarrer

Der Synodalratspräsident sprach eine besondere Würdigung und grosse Dankbarkeit der wichtigsten Stütze von Harald Rein während seiner Amtszeit aus: seiner Ehefrau Maja Jucker. Beschenkt mit Blumen sowie mit einem Buch über den gesamten Alpenbogen kann das Ehepaar nun viel intensiver ihrer Wanderleidenschaft folgen.

Die Präsidentin der Evangelischen Kirche der Schweiz (EKS), Pfarrerin Rita Famos, äusserte sich in ihrer Ansprache sehr wertschätzend zur ausgezeichneten Kenntnis von Bischof Rein bezüglich Traditionen und Theologien aller Kirchen der Schweiz. Sie unterstrich die Kompetenz und Sorgfalt, mit der Bischof Rein in der Führung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und seinem Vorsitz des Schweizer Rates der Religionen durch seinen lösungsorientierten Ansatz Brücken gebaut habe. Frau Famos bedankte sich bei der Christkatholischen Kirche für diesen Brückenbauer und äusserte den Wunsch nach einer ebensolchen engagierten Nachfolge im Bischofsamt. Ihr Abschiedsgeschenk, eine Ausgabe des Buches «Wussten Sie, dass die Reformierten lange Zeit für Theater sorgten?» sowie ein Theatergutschein, wird für einen humoristischen und entspannten Akzent im Ruhestand von Harald Rein und seiner Ehefrau sorgen.

Zahlreiche Ehrengäste wie Erzbischof em. von Utrecht, Joris Vercammen, Bischof em. von Österreich John Okoro und viele weitere Vertreter aus Kirche und Politik, Ökumene und interreligiösem Dialog begleiteten nach Entlassung und Segen Bischof Rein sogar zur Kirche hinaus – allerdings nur zu einem Gruppenfoto vor der Kirche. Der offizielle Teil des Anlasses fand mit diesem Erinnerungsmoment seinen Schlusspunkt.

«Der Verabschiedungs-Gottesdienst hat mich besonders durch die ökumenische Ausstrahlung und die Vielsprachigkeit beeindruckt. Das war ein liturgischer Beweis und ein lebendiger Ausdruck des grossartigen ökumenischen Engagements von Bischof Dr. Harald Rein.»

Prof. Dr. Georgiana Huian, Theologische Fakultät der Universität Bern

Festlicher Rahmen

Für erhebende und festliche Untermalung sorgte in dieser Abschiedsfeierlichkeit die Musik. Prof. em. Dr. Klaus Wloemer als Flötist und Vorsänger sowie Walter Dolak an der Orgel wechselten sich in der musikalischen Gestaltung ab mit dem virtuosen Christkatholischen Kirchenchor Bern unter der Leitung von Dr. Helene Ringgenberg. Dieser trug ein Werk von Urmas Sisask vor.

Die Kirchgemeinde Bern erfüllte mit Bravour ihre Gastgeberrolle. Präsidentin Dr. Beatrice Amrhein begrüsste die Ehrengäste und alle Anwesenden, Ortspfarrer Christoph Schuler stand Bischof Rein in der Liturgie zur Seite. Die Gemeinde Bern und das Bistum der Christkatholischen Kirche luden im Anschluss zu einem wohlschmeckenden Apéro riche ein – ein angenehmer, lebendiger Ausklang, bevor sich die Gäste wieder in alle Himmelsrichtungen verteilten. Einzig der Bischofsstab bleibt in Erwartung der Nachfolge auf dem Hochaltar in Bern zurück.

Corina Strenzl

Innerhalb der Bischofskonferenz hat sich Bischof Harald immer bemüht, dass die Berufung der Utrechter Union im Rahmen der Internationale Ökumene nicht vergessen wird. Die Stimme der Altkatholiken soll gehört werden, damit die altkatholische Inspiration in einem breiteren Umfeld fruchtbar werde. Als Sekretär der Bischofskonferenz hat er sich selbst auch viel Mühe gegeben, damit diese Vision realisiert wird. Aber nicht nur in diesem Punkt haben wir ganz gut miteinander zusammen gearbeitet. Bischof Harald hat eine Vision für die Kirche: Es ist nicht so, dass die Gesellschaft die Kirche und die Religion nicht mehr braucht, es ist wohl so, dass Kirchen und Religionen kreative Wege entwickeln sollten, damit ihre Wichtigkeit deutlich wird. So kann ich diese Vision zusammenfassen und dazu auch sagen, dass wir uns als gute Kollegen in dieser Vision begegnet sind! Für diese Begegnung und für noch viel mehr bin ich ihm dankbar.

+Joris Vercammen, em. Erzbischof von Utrecht