Flavio Ferri-Benedetti – Sprachen, Musik und Theologie
Wer dank dem unnachgiebigen Willen der Mutter zur Welt kommt, die Kindheit in Italien, die Pubertät, das Klavier und das Sprachstudium in Spanien, die Countertenor-Ausbildung und Dozentur in Basel erlebt hat und christkatholische Theologie in Bern studiert, muss viele Mauern überspringen können. Flavio Ferri-Benedetti erzählt uns, wie dies möglich ist.
Von Niklas Raggenbass
Du sprichst viele Sprachen und dein klingender Name scheint so etwas wie ein Lebensprogramm zu sein.
Flavio Ferri-Benedetti: Obwohl ich mit drei Vornamen getauft wurde, sagt man mir nur «Flavio», was übersetzt «gelbblond» heisst. Im übertragenen Sinne ist das nicht nur leuchtend, sondern hell leuchtend. «Vincenzo» ist der Gewinner – aus lateinisch vincere. «Domenico» bedeutet Sonntag.
Und der Nachname?
Der heisst Ferri-Benedetti, was sich mit «gesegnete Eisen» übersetzen lässt. Es ist für Italiener selten, einen Doppelfamiliennamen zu haben. Mein Vater hatte teilweise einen Stiefvater, weshalb er beide Familiennamen bekommen musste. Mein Opa, ein Tenor aus Rom, den ich nicht kennengelernt habe, wurde 1900 geboren und hiess Benedetti. Aber der Stiefvater von meinem Vater hiess Ferri, Eisen.
Das klingt ja sehr italienisch.
Ich bin ein Vollblutitaliener wie meine Eltern. Zusammen mit meinem 11 Monate älteren Bruder bin ich in Italien aufgewachsen. Ich war allerdings nicht vorgesehen, weil meine Geburt für meine Mutter sehr schwierig hätte werden können.
Schwierig?
Man hat meiner Mutter empfohlen, nach meinem Bruder lieber keine weiteren Kinder mehr zu bekommen, denn es hätte für sie gesundheitlich sehr gefährlich, lebensgefährlich werden können. Daher hat der Arzt sie operiert, dass sie nicht mehr schwanger werden konnte. Doch wie ein Wunder ist meine Mutter nach der Operation dennoch schwanger geworden. Der Arzt meinte zu ihr: «Du solltest das Kind am besten abtreiben, weil du bei der Geburt sterben könntest.» Alle sprachen meiner Mutter Paola zu, abzutreiben. Meine Mutter aber sagte: «Nein! Und wenn ich sterbe, dann sterbe ich.» Da kann man sich vorstellen, was solch ein Anfang bedeutet und wie es meiner Mutter ging, als ich lebend zur Welt kam. Man könnte fast sagen, dass unsere Familie «leidenschaftlich dramatisch» ist.
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