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Geflügelte Worte von Michael Bangert: «Hochmut kommt vor dem Fall.» (Sprüche 16,18)

Christkatholisch Gefluegelte Worte Hochmut CK01 26 Teaser
«‹Hochmut› steht für ­Grössenwahn, Eitelkeit und Selbstüberschätzung eines Menschen, die er in Zeiten des Erfolgs entwickelt.» Foto: Getty Images für Unsplash

Am 2. April 1912 wurde ein Passagierdampfer mit Namen «RMS Titanic» in Dienst gestellt. Gemeinsam mit seinem Schwesterschiff, der «RMS Olympic», war es das grösste Schiff der Welt. Als das riesige Dampfschiff am 10. April 1912 zu seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York aufbrach, galt es als unsinkbar.

Von Michael Bangert

Die Eigner des Schiffes waren so sehr von seinen Fähigkeiten überzeugt, dass die Anzahl der Rettungsboote von 46 auf 20 reduziert wurde. Die Titanic verkörperte sowohl die hohe Ingenieurkunst einer «neuen Zeit», als auch das nahezu blinde Vertrauen in den technischen Fortschritt. In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 stiess der Dampfer im Nordatlantik mit einem Eisberg zusammen. Die entstandenen Schäden führten in weniger als drei Stunden zum Sinken des Schiffes. Der Untergang zählt mit mehr als 1500 Opfern zu den schwersten und grössten Unglücken der weltweiten Seefahrt. Bis in unsere Gegenwart wirkt das Trauma dieses Untergangs in Form von Sensationsgier, Romantisierung und Verschwörungstheorien nach.

Man könnte dieses schreckliche Ereignis der Titanic auf dem Hintergrund der biblischen Weisheitsliteratur aber auch ganz anders lesen. Nicht besserwisserisch, sondern nüchtern und klar als Exempel für ein bestimmtes Verhalten, das die eigenen Grosstaten und Leistungen für geradezu göttlich hält, – und damit das Scheitern befördert. In einem kleinen biblischen Buch, das zahlreiche Spruchweisheiten sammelt und diese einem königlichen Autor in den Mund legt, findet sich folgender Text:

Weisheit erwerben – wie viel besser als Gold! Einsicht erwerben – vortrefflicher als Silber! Böses zu meiden ist der Pfad der Rechtschaffenen; wer auf seinen Weg achtet, bewahrt sein Leben. Hoffart kommt vor dem Sturz und Hochmut kommt vor dem Fall. Besser bescheiden sein mit Demütigen, als Beute teilen mit Stolzen.

(Sprüche 16,16-19)

Es ist eine Erfahrungsweisheit, die in unserer Sprache zur festen Redewendung geworden ist. Viel zu oft – gerade in kirchlichen Kontexten – wird es mit altklugem Unterton genutzt, um Neues und Kreatives zu diskreditieren. Dagegen hat nur selten jemand den Mut, direkt und «fadegrad» die ethischen Entwicklungen eines Menschen oder einer Institution im Sinne einer prophetischen Warnung zu benennen. Gemeint ist im biblischen Kontext, dass der von Anmassung, Verblendung und Selbstüberschätzung geleitete Mensch stets Haltungen einnimmt und Pläne schmiedet, die ihn vergessen lassen, wer er ist: Ein Mensch, der als Geschöpf Gottes trotz seiner Gaben und Fähigkeit, Dauerhaftes zu schaffen, immer begrenzt und endlich bleibt. Aber auch ein Wesen, das auf andere Menschen angewiesen ist. Ein Mensch, der nur im gemeinschaftlichen Gegenüber zu anderen er selbst sein kann. Der Spruch «Hochmut kommt vor dem Fall» bringt zum Ausdruck, dass Menschen, die sich überheblich verhalten, früher oder später scheitern. Das Wort «Hochmut» steht dabei für Grössenwahn, Eitelkeit und Selbstüberschätzung eines Menschen, die er in Zeiten des Erfolgs entwickelt.

Die christliche Frömmigkeit hat den Hochmut stets als eine lebensverneinende Fehlhaltung qualifiziert. Manchmal hat man von einer «Todsünde» im Sinne einer todbringenden Lebensform gesprochen. Und zwar «todbringend» für sich und für andere. Der hochmütige, in sich selbst verkrümmte Mensch hält eben den eigenen Bauch, den eigenen Erfolg für den Nabel der Welt. Der denkbar klarste Gegenentwurf zum Hochmut, zur geradezu diabolischen Selbstüberhebung, ist das Gotteskind in der Krippe. Das Gotteskind, das alle Göttlichkeit ablegt, um nichts anderes zu sein als ein Mensch unter Menschen. Das ist die entscheidende Antwort auf den Hochmut: Demut, Hingabe, Vertrauen.