Header

Hauptnavigation

«Was hilft? Medizin und Religion in Bildern aus dem Kloster Muri» – Homo religiosus – Wo Biologie und Spiritualität sich berühren

Christkatholisch Buchvernissage Urs Pilgrim
Podiumsgespräch mit Urs Pilgrim, Markus Zimmer und Hans Widmer. Foto: zVg

Am 29. September feierten der Theologische Verlag Zürich (TVZ) und die Stiftung Murikultur im vollgefüllten Saal des Drei-Häuser-Hotels Caspar im Aargauischen Muri die Vernissage des Buches «Homo religiosus» – Wo Biologie und Spiritualität sich berühren.


 
Von Marianne Düggeli
 
Der Buchautor Urs Pilgrim führte zusammen mit seiner Frau Heidi (†2022) während drei Jahrzehnten eine hausärztliche und spezialärztliche Praxis in Muri. Urs Pilgrim erachtet die wissenschaftsorientierte, evidenzbasierte Medizin als Grundlage einer verantwortungsvollen ärztlichen Tätigkeit. In den Gesprächen mit Patientinnen und Patienten lernte der Hausarzt und Rheumatologe aber auch die Bedeutung der Religiosität und der Spiritualität kennen. 2020 erschien im Theologischen Verlag Zürich das Buch «Was hilft? Medizin und Religion in Bildern aus dem Kloster Muri». Mit dem jetzt neu erschienenen Buch vertieft Urs Pilgrim seine Sicht auf spannende Schnittmengen zwischen Medizin und Religion.
 
Schnittbereich zwischen Geistes- und Naturwissenschaft
 
Der Titel des Buches «Homo religiosus» schafft bewusst eine Assoziation zum anthropologischen Begriff Homo sapiens. Denn um einen religiösen Menschen ganzheitlich zu verstehen, sind gemäss Autor auch naturwissenschaftliche Grundkenntnisse über den Menschen nötig. Religiosität und Spiritualität sind nicht nur ein Ausdruck der geistigen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Menschen, sondern sind auch tief in unserem Erbgut verankert. Urs Pilgrim war es wichtig, seine langjährige Erfahrung als Arzt einzubringen: Im Schnittbereich zwischen Geistes- und Naturwissenschaft zeigt sich, dass Körper und Geist eine untrennbare Einheit bilden. Über die unsterbliche Seele des Glaubens können sich die Biologie und die Medizin nicht äussern. Aber zum Aufbau und zur Funktion des Gehirns, dem Sitz der biologischen Seele, schildert Pilgrim eindrückliche neue Erkenntnisse. Sie zeigen, wo und wie religiöse Gedanken, Gefühle und Erlebnisse entstehen. Für Visionen, Offenbarungen, Heilungswunder und für andere religiöse Phänomene bieten Medizin und Biologie Erklärungen, die sich vom traditionellen Glauben unterscheiden. Der Autor gesteht, dass das irritieren kann. Aber Wissenschaft kann dazu beitragen, den persönlichen Glauben ehrlicher und authentischer zu erleben. Ihm gilt es Sorge zu tragen. Urs Pilgrim betont, dass der Glaube eine bedeutende Ressource sein kann, insbesondere auch für das Gesundwerden und das Gesundbleiben nach Krankheit oder Unfall.
 
Neue Erkenntnisse entdecken
 
Das Buch von Urs Pilgrim richtet sich einerseits an neugierige Christen, die ihren Glauben und ihr religiöses Erleben aus einer ungewohnten Perspektive kennenlernen wollen. Angesprochen werden anderseits auch neugierige Zweifler, Agnostiker und Atheisten. Sie erfahren, dass es auch biologische Gründe gibt, weshalb Religiosität und Spiritualität zum Selbstverständnis vieler Menschen gehören.

Das zahlreiche Vernissagepublikum zeigte, dass das Interesse an den Berührungspunkten von Medizin und Religiosität erfreulich gross ist. In einem spannenden Einführungsreferat fasste der Autor Urs Pilgrim die Thematik des Buches kurz zusammen. Am anschliessenden sehr lebhaften Podiumsgespräch nahmen der Theologe Dr. Markus Zimmer, Dozent an der Universität Vechta und Lektor des Theologischen Verlags Zürich, der Humanist, Kulturmäzen, Naturwissenschafter und ehemalige Wirtschafskapitän Dr. Hans Widmer und der Autor teil. Der interessante Meinungsaustausch zeigte viele Gemeinsamkeiten. Allerdings setzen Theologie, Physik und Medizin in verschiedenen Schnittbereichen auch eigene Akzente. Viel Konsens, aber teilweise auch eigene Sichtweisen zeigten sich auch in den zahlreichen Fragen und Voten aus dem Publikum. Die institutionellen Kirchen verlieren zwar Mitglieder. Die engagiert diskutierenden Vernissage-Besucherinnen und Besucher bewiesen aber eindrücklich, dass gelebte Religiosität und Spiritualität für viele Leute nach wie vor zum Selbstverständnis gehören. Deshalb wird das Buch von Urs Pilgrim eine dankbare und hoffentlich auch breite Leserschaft finden.

Homo religiosus 

Wo Biologie und Spiritualität sich berühren 

Urs Pilgrim
Edition NZN bei TVZ 2025

Paperback, 219 Seiten

ISBN 978-3-290-20269-9