Header

Hauptnavigation

«Beten wir, sprechen wir mit Gott. Lesen wir, spricht Gott mit uns.» – Isidor von Sevilla – Lehrmeister des Mittelalters und Schutzpatron des Internets

Christkatholisch Nomen Est Omen Isidor Von Sevilla
Isidor von Sevilla wurde 1722 zum Doktor der Kirche erklärt. Sein Gedenktag ist innerhalb der Katholischen Kirche der 4. April. Isidor von Sevilla gilt als Schutzpatron des Internets. Foto: Alamy

Nach dem frühen Tod seiner Eltern wurde Isidor von Sevilla von seinem ­ältesten Bruder Leander unterrichtet, was sein Leben prägte. Als Bischof setzte er neue Massstäbe, indem er sich um eine gute Ausbildung der Jugendlichen kümmerte. Er errichtete Bibliotheken, gründete Schulen, schrieb zahlreiche Bücher, die bis in die Neuzeit von grossem Einfluss waren.

Von Niklas Raggenbass

Als mein Computer wieder einmal «ausstieg», fragte mich der Techniker, ob es denn nicht einen Heiligen für das Internet gäbe. Tatsächlich, es gibt einen. Papst Johannes Paul II. hat 2001 den Erzbischof Isidor von Sevilla (um 560-636) zum Schutzpatron des Internets ernannt. Ein erster Grund dafür ist die baumartige Struktur eines 20-bändigen Nachschlagewerks, das der Heilige verfasste, womit er alle darin enthaltenen Informationen optimal erschliessen konnte. Im Weiteren spielt die Vielzahl der Schriften von Isidor eine Rolle, mit der er die Vielschichtigkeit der Welt vernetzte.

Die Bedeutung seiner Schriften lässt sich am besten ermessen, wenn wir das Mittelalter und unsere Zeit miteinander vergleichen. Haben wir heute irgendeine Frage, wenden wir uns an Google. Vor 1500 Jahren waren es die Bücher von Isidor von Sevilla, mit denen er das gesamte Wissen seiner Zeit zusammenfasste. Wollte man etwa wissen, wie ein Gottesdienst mit Eucharistiefeier genannt wird, prägte Isidor den Ausdruck «Messe». Er erklärte, dass der Ausdruck vom lateinischen Missio abgeleitet wird, was «Sendung» heisse – zunächst der Neugetauften, der Katechumenen, dann der ganzen Gemeinde.

Abrufbarkeit des Wissens

Im Laufe der Zeit ging das Werk Isidors von Sevilla vergessen. Es lohnt sich aber, an zwei Schriften zu erinnern. Zum einen an seine «Enzyklopädie», ein Nachschlagewerk des gesamten damaligen weltlichen und religiösen Wissens. Es enthält Informationen, die Isidor den Werken anderer Autoren und altrömischer Persönlichkeiten entnommen hat. Isidor fasste antikes Wissen zusammen, das in den folgenden Jahrhunderten ansonsten im Bereich der Westkirche nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte.

Zum anderen ist das Geschichtswerk «Chronica Majora» eine Schrift, die verstehen lässt, warum Isidor der Patron des Internets geworden ist. Es sind darin reiche Auszüge aus antiken Werken zu finden. Nicht umsonst nennt man Isidor den «letzten abendländischen Kirchenlehrer», und als solcher wurde er zum «Lehrmeister des Mittelalters».

Kontemplation und aktives Leben

Inmitten eines enormen Schreibprogramms will Isidor die geistliche Balance nicht verlieren, womit er eine weitere Seite des Schutzpatrons des Internets zu erkennen gibt: «Beten wir, so sprechen wir mit Gott. Lesen wir, so spricht Gott mit uns.» Er machte dabei die Erfahrung, dass ein Leben von zwei Flügeln getragen wird und dass er diese nicht gegeneinander ausspielen muss: «Die Ruhe der Kontemplation erreicht nur, wer sich vorher in der Arena des aktiven Lebens übt.»