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Mit Gottes Segen die Zukunft gestalten

KEK Carole Soland Abb 10 Rgb
Der Andachtsraum, wo die Morgen- und Abendgebete stattfanden. Foto: ZVg

KEK-Vollversammlung in Tallinn, Estland

Unter dem Motto «Under God’s Blessing – Shaping the Future» fand vom 15. bis 20. Juni 2023 in Tallinn die Vollversammlung der Konferenz europäischer Kirchen (KEK) statt. Über 300 Christen und Christinnen aus KEK-Mitgliedskirchen, assoziierten Organisationen und Vereinigungen waren an dieser Versammlung anwesend.

Der Andachtsraum, wo die Morgen- und Abendgebete stattfanden. Foto: ZVg

Konferenzort war das «KultuuriKatel», ein ausgedientes ehemaliges Elektrizitätswerk. Für die Versammlung war das ungewöhnliche Gebäude bestens geeignet, denn es fehlte logistikmässig an nichts. Mit seinen verrosteten und überall sichtbaren Rohren und Geländer dürfte es jedoch für einige der Teilnehmenden ziemlich gewöhnungsbedürftig gewesen sein. «Entweder man liebt es oder man hasst es», so der O-Ton einer Mitorganisatorin der Versammlung. (Die Berichtverfasserin gehört definitiv zu Ersteren.)

Die altkatholische Delegation bestand aus einer illustren sechsköpfigen Schar, die gerne mal den Tag in angeregtem Gespräch ausklingen liess. Wie bei anderen grösseren Versammlungen werden die wahren Gespräche nach dem offiziellen Programm geführt und auch die Lösungen zu vielen Problemen dort gefunden – dies ist bei der KEK nicht anders…

Ein dicht bepacktes, kopflastiges und oft schwer verdauliches thematisches Programm

KEK-Vollversammlungen sind für die Beteiligten keine Miniferien. Mit den Morgen-, Mittags- und Abendgebeten und den sonntäglichen Gottesdiensten in den verschiedenen (Orts-)Kirchen ist für das spirituelle Auftanken jeweils gesorgt. Auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz. Das Essensangebot war mehrheitlich vegetarisch und vegan, aber nicht bloss fleischlos, wie das hierzulande oft gehandhabt wird. Eine solche Vielfalt und fantasievolle Zubereitung an einem solchen Grossanlass wie hier erlebt man selten. Die Verfasserin hat jedenfalls noch nie an ähnlichen Veranstaltungen so wenig Fleisch gegessen und es so wenig vermisst wie hier!

Ansonsten war das Programm eher schwer verdaulich. Es war (zu) dicht bepackt mit Bibelbetrachtungen, Referaten, Vorträgen und Podiumsgesprächen, bei denen das Plenum zum blossen Zuhören verdammt war und kaum Gelegenheit hatte, darüber zu diskutieren oder Fragen zu stellen. Oft waren die Vorträge so theologisch, dass man als Laie auf der Strecke blieb (NB für die KEK ist eine ausgeglichene Repräsentation von Laien und Ordinierten sehr wichtig; dem wurde jedoch bei der Gestaltung des Programms zu wenig Rechnung getragen). Wohl gab es Gruppenarbeiten, doch deren Resultate und Zusammenfassungen sind irgendwo versickert und nirgends mehr wieder aufgetaucht. – Kritische Stimmen äusserten sich denn auch dahingehend, dass eine wirkliche Partizipation durch die Delegierten seitens der KEK scheinbar gar nicht mehr erwünscht sei…

In praktisch allen Referaten und Vorträgen kam ein Thema immer wieder zur Sprache: der Krieg in der Ukraine. Die Berichte und Stellungnahmen von direkt Betroffenen jungen ukrainischen, belarussischen und litauischen Menschen machten sprachlos und unendlich traurig. Sie alle berichteten über ihre Situation, ihre Ängste, aber auch über ihre Hoffnungen. Fazit: Der Dialog mit allen Kriegsinvolvierten muss aufrecht erhalten bleiben und den Menschen in diesen Gebieten muss unbeirrbar im Gebet gedacht werden. – Am Ende dieses Podiumsgesprächs war es im Plenumsraum noch eine geraume Weile sehr still geblieben…

Die altkath. KEK-Delegierten: (v. l. n. r)
Pfr. Petr Jan Vins, CZ, Pfr. Krzystof Pikulski, PL, Pfr. Erna Peijnenburg, NL, Bischof em. Heinz Lederleitner, A, Carole Soland, CH, Pfr. Jens Schmidt, DE

… und ein kleines Geschäftsprogramm

Der kleinste Bestandteil der Versammlung machte das Geschäftsprogramm aus. In diesen Sitzungen wurden das Präsidium und der KEK-Vorstand (das «Governing Board») gewählt sowie die obligaten öffentlichen Mitteilungen verfasst. Nach zehn Jahren haben die altkatholischen Kirchen wieder eine Person im «Governing Board»: Pfr. Krzystof Pikulski aus der polnisch-katholischen Kirche! Herzliche Gratulation und viel Kraft und Freude für dieses Amt! Damit wurde zumindest eine der Forderungen der altkatholischen KEK-Delegierten der letzten Vollversammlung von 2018 an die IBK in Utrecht umgesetzt. Das neu gewählte KEK-Präsidium präsentiert sich wie folgt: Präsident Erzbischof Nikitas von Thyateira und Grossbritannien, Ökumenisches Patriarchat; Vizepräsidentin Bischöfin Dagmar Winter, Church of England; Vizepräsident OKR Pfr. Frank Kopania, EKD.

Öffentliche Stellungnahmen

An jeder Vollversammlung verabschieden die KEK-Delegierten eine öffentliche Stellungnahme zu aktuellen Themen. Dieses Mal waren es der Klimawandel und die Umweltkrise, Migration/Vertreibung sowie der Krieg in der Ukraine. Bis jedes Komma am richtigen Ort und mögliche Zweideutigkeiten entfernt waren, dauerte es seine Zeit, doch dieser Prozess ist wichtig. Hier kurz die Auszüge zu den jeweiligen Themen (die ganzen Stellungnahmen können bei der Verfasserin bezogen werden, carole.soland@christkatholisch.ch).

Klimawandel und Umweltkrise

«Die KEK fordert die Christinnen und Christen auf, ihre eigene Mitschuld daran zu beklagen, da sie ihre Nächsten nicht wie sich selbst lieben und die Erde beherrschen, anstatt sie zum Wohle der heutigen und künftigen Generationen zu verwalten. Die Klage hat jedoch nur dann einen Wert, wenn sich die Kirchen zu aufopferungsvollem Handeln um der Welt willen verpflichten.»

Alt und neu – das einstige altkath. Mitglied im «Governing Board» Carole Soland und Krzystof Pikulski. Foto: ZVg

Migration/Vertreibung

«Die KEK ruft die Kirchen in Europa (und auf der ganzen Welt) dazu auf, sich um diejenigen zu kümmern, die leiden, ihre Nächsten zu lieben wie sich selbst, politische Rhetorik und Verhaltensweisen in Frage zu stellen, die das Leiden von Menschen, die bereits genug verloren haben, normalisieren … Die Kirchen müssen für internationale Standards eintreten, die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurden, insbesondere für die Flüchtlingskonvention von 1951, und der grosszügigen Aufnahme derjenigen, die Gott in unsere Häuser führt, Priorität einräumen.»

Ukraine

«Die KEK ruft Kirchen, Regierungen und die Zivilgesellschaft auf, den Widerstand der Ukraine gegen die russische Aggression zu unterstützen. Der Weg zu einem zukünftigen Frieden wird nicht einfach sein. Die Kirchen, insbesondere diejenigen, die derzeit nach politischer oder regionaler Ausrichtung gespalten sind, tragen zum Konflikt und zum Leid bei und müssen sich bemühen, Friedensstifter, Vermittler von Gerechtigkeit und Wahrheit, Verfechter von Rechenschaftspflicht und Menschenrechten zu sein.»

Und dann sind da noch die Stewards

Keine KEK-Vollversammlung ohne Stewards. So in das ganze Geschehen eingebunden wie hier, waren sie noch nie. Zum ersten Mal waren sie nicht blosse «Gang-hol-häb-reich-und-zünd», sie waren ein richtiger, ebenbürtiger Bestandteil der Konferenz, auch ohne Stimm- und Rederecht. Wie immer überzeugten sie durch ihren Teamgeist, ihr Engagement und ihr begeistertes Auftreten. Keine Frage: Die Stewards, die sich jeweils bereits im Vorfeld der eigentlichen KEK-Vollversammlung treffen, hatten es super mit- und untereinander – und wie jedes Mal reut es die Verfasserin, diese Erfahrung nicht selbst gemacht zu haben. – Liebe Stewards, ihr wart grossartig, herzlichen Dank!

Carole Soland

(v. l. n. r) Vizepräsidentin Bischöfin Dagmar Winter, Church of England, Präsident Erzbischof Nikitas von Thyateira und Grossbritannien, Ökumenisches Patriarchat, und Vizepräsident OKR Pfr. Frank Kopania, EKD. Foto: ZVg