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Nikolauskapelle in Sulz

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Aus der Reihe: Kapellen in der Schweiz.

Der 6.  Dezember ist der Namenstag des Hl. Nikolaus, Bischof von Myra, der sich als eigentlicher Volksheiliger überkonfessionell einen Namen gemacht hat. Nikolaus war einer, der sich derer annahm, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen, und darunter waren viele, viele Kinder. Gottes Liebe zu den Menschen verstand er so, dass er eben diesen armen Menschen beistand und ihnen half, das karge Leben zu meistern oder zumindest zu ertragen. Kein Wunder also ist der Santi-Klaus derjenige, der die Kinder an diesem Tag mit Leckereien beschert – Sachen, die auch heute noch z. T. aus seiner Heimat stammen: Mandarinen, Feigen, Mandeln und Haselnüsse (Letztere für die Lebkuchen).

Nikolaus ist aber nicht nur der Schutzpatron der Kinder und Schüler, sondern auch jener der Müller und Bäcker – Berufsleute, die für das tägliche Brot verantwortlich sind. Weil sich mit diesen Berufen (damals!) gutes Geld verdienen liess, agierten die Müller und Bäcker auch als Stifter von Kirchenfenstern (die Bäcker mit dem Fenster der Schutzpatronin Katharina von Alexandrien im Münster Freiburg i. Brsg.) oder Kapellen wie jene im fricktalischen Weiler Leidikon. Es war tatsächlich der Müllermeister Bernhard Stäublin und dessen Frau Katharina, die 1753 dort ein Kirchlein erbauen liessen. Damit besitzt die röm.-kath. Kirchgemeinde Sulz gleich zwei herausragende Baudenkmäler – die ältere Margarethenkapelle von 1575 haben wir in dieser Reihe schon vorgestellt.

Die reiche Ausstattung der Nikolaus-Kapelle spiegelt die Vornamen des Stifterpaares: Auf dem Altar steht die prächtig gewandete Figur des Kapellenpatrons, welche von Bernhard von Clairvaux und Niklaus von Flüe begleitet wird. Dass Niklaus von Flüe Einzug in die Kapelle fand, erstaunt, denn der (erst 1947 heiliggesprochene) Eremit und Eidgenosse hatte im damals noch habsburgischen Fricktal keinen besonderen Status. Vom 1830 bemalten Antependium schaut Katharina von Alexandrien zu den Gläubigen.

Das Bild an der Chordecke zeigt eine Szene aus dem Leben des hl. Bernhard von Clairvaux, dem in einer Vision Christus am Kreuz erscheint. Die Stuckarbeiten, die sich bestens mit den Deckenbildern vereinen, geben dem barocken Raum eine festliche Ausstrahlung. Sie werden Johann Michael Hennevogel zugeschrieben, während die Deckenmalerei «Maria im Wolkenthron» von Franz Josef Trendlin stammt, wie die Signatur verrät. Von Trendlin stammt auch das Porträt der Kaiserin Maria Theresia im Gerichtssaal in Laufenburg. Die Gottesmutter im Wolkenthron soll ihr sehr ähneln … Sollten Sie also dieser Tage auf der Strasse einem Bischof mit Mitra und Stab begegnen, so könnte es der hl. Nikolaus im Dienst sein. Trägt er jedoch einen roten Kapuzenmantel mit weissem Besatz und bietet Ihnen einen leckeren Lebkuchen an, so handelt es sich wohl um einen vorzeitigen Weihnachtsmann.

Standort/Zubringer: Laufenburg, Ortsteil Sulz, Weiler Leidikon, Chäppelimatt. ÖV: Ab Basel SBB, S1 bis Laufenburg, ab Zürich/Baden/Brugg/Frick IR 36, Postauto 135 bis Laufenburg, anschliessend Postauto 141, Laufenburg – Obersulz, Haltestelle Sulz AG, Leidikon. Öffnungszeiten: Die Kapelle ist tagsüber geöffnet.

Quelle: Bernhard Lindner, www.aargauerkapellen.ch

Alois Schmelzer