Nomen est omen: Die heilige Chlothilde – Tochter der Stadt Genf und Königin von Franken
Wir blicken auf eine Zeit zurück, als noch nicht entschieden war, ob sich der christliche Glaube in Europa durchsetzen würde. Die burgundische Prinzessin Chlothilde ist in Genf aufgewachsen und als Ehefrau des ersten Frankenkönigs Chlodwig I. wurde sie zur Königin der Franken. Die Christin Chlothilde war an der Bekehrung ihres Mannes beteiligt und gilt als wichtige Figur in der frühen französischen Geschichte.
Von Niklas Raggenbass
Als ich in Genf Rechtswissenschaften studierte, luden mich Freunde zum Gottesdienst zu Ehren der Heilige Chlothilde (474-544) in die römisch-katholische «Eglise Sainte Clotilde» im belebten Genfer Quartier Jonction ein. Der Reformator Jean Calvin hat den Heiligenkult abgeschafft, weil allein Gott und nicht den Menschen Verehrung zustehe. Ein Reformierter in Genf würde also nicht zu ihr beten, aber er würde sie stolz als eine der «berühmtesten Töchter der Stadt» bezeichnen, denn sie ist eine Brückenfigur, die an die vorreformatorische, burgundische Geschichte der Stadt erinnert.
Schutzpatronin für zahlreiche Anliegen
Als der römisch-katholische Pfarrer in der Predigt sagte, dass Chlothilde Schutzpatronin der französischen Krone, der Frauen, Bräute, Witwen, der Eltern, der adoptierten Kinder, der Lahmen und Notare, der französischen Heeresfliegertruppe, für die Bekehrung des Ehegatten, gegen Fieber, gegen Kinderkrankheiten und plötzlichen Tod sei, da ahnte ich, von welch hoher Bedeutung sie für das noch junge Christentum in Frankreich gewesen sein muss.
Wegbereiterin für den christlichen Glauben in Europa
Chlothilde stammte aus dem Hause der burgundischen Könige und war die Tochter Chilperichs, des Bruders des Burgunderkönigs Gundobald. Nachdem ihr Vater von Letzterem erstochen und ihre Mutter ertränkt wurde, blieb sie am Hofe ihres grausamen Onkels in Genf. Die Prinzessin wurde 493 Ehefrau des Frankenkönigs Chlodwig I. und hatte grossen Anteil daran, dass er sich an Weihnachten 498 als erster germanischer Herrscher taufen liess. Dies führte zum Ende der von den Goten als Anhänger des Arianismus geprägten Zeit, einer Glaubensrichtung, die Jesus Christus nicht als wesensgleich mit Gott anerkannte. Chlothilde wird daher als Wegbereiterin für den christlichen Glauben in Europa betrachtet.
Wahre Macht liegt nicht im Schwert
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 511 begannen für Chlothilde schwierige Jahre. Zwischen ihren Söhnen kam es zu blutigen Machtkämpfen. Schmerzerfüllt über den Streit zwischen ihren Kindern, zog sie sich nach Tours zurück, in die Nähe des Grabes des heiligen Martin. Dort verbrachte sie den Rest ihres Lebens und sorge für die Armen und Kranken. Sie gründete Klöster und Kirchen und wurde zur Friedensstifterin, die zwischen ihren streitenden Söhnen vermittelte. Die heilige Chlothilde lehrt uns, dass wahre Macht nicht im Schwert liegt, sondern in der Beständigkeit des Herzens.