Header

Hauptnavigation

Nomen est omen – Heilige Cäcilia: Musizieren zur eigenen Hochzeit und Martyrium

Christkatholisch Nomen Est Omen Heilige Caecilia Christliche Maertyrerin
Heilige Cäcilia, Maertyrerin und Patronin der Kirchen­musik, lebte um das ­2. Jahrhundert nach Christus. Foto: Alamy

Eine der bekanntesten Märtyrerinnen ist die heilige Cäcilia. Sie gilt als Schutzpatronin der Sänger, Musiker und Dichter, der Organisten, Orgelbauer und Instrumentenmacher. Im 16. und 17. Jahrhundert stellten sich Akademien, Verbände und Vereine, die sich um die Pflege der Musik kümmerten, unter das Patronat dieser mutigen Römerin, woran eigentlich ein Übersetzungs­fehler schuld ist.

Von Niklas Raggenbass

Zusammen mit ihrem Mann Valerianus kümmerte sich Cäcilia um 200 nach Christus um Arme, Verfolgte und Kranke in Rom. Den damaligen Christenverfolgern passte diese karitative Arbeit aber nicht; die beiden wurden schliesslich hingerichtet. Ist aber dieser Einsatz für Notleidende schon die Antwort darauf, weshalb Cäcilia zur Patronin der Kirchenmusik wurde? Um dieses Patrozinium zu verstehen, müssen wir in der Geschichte von Cäcilia und Valerianus zurückblättern bis zu ihrer Hochzeit.

Christus und die Herausforderung für den Bräutigam

«Cantantibus organis, als die Musikinstrumente erklangen», lesen wir im Responsorium. Dies wurde später so übersetzt, als ob Cäcilia auf ihrer eigenen Hochzeit musizieren und laut singend zu Gott beten würde: «Herr, lass mein Herz und meinen Leib unbefleckt bleiben, damit ich nicht zuschanden werde.» Warum dieses merkwürdige Gebet für eine Braut? Es hat mit dem Glaubensleben der Christinnen und Christen zu tun, die zu jener Zeit benachteiligt, verfolgt und oft hingerichtet wurden.

Die Legende erzählt, dass Cäcilia um 200 in Rom als Tochter einer Patrizierfamilie geboren wurde. Als die Eltern ihr den Römer Valerianus zum Ehemann aussuchten, war ihr aber klar, dass nur Christus ihr wahrer Verlobter sein konnte. So hatte sie heimlich ein Jungfräulichkeitsgelübde abgelegt (und war damit kein Einzelfall). Zum Glück zeigte sich Valerianus als ein sensibler Partner und akzeptierte ihre Entscheidung.

Die Heilige Cäcilia mit einer kleinen Orgel

Während die ersten Cäcilien-Darstellungen eine junge Frau mit Märtyrerpalme zeigen, bekommt sie ab dem 15. Jahrhundert eine kleine Orgel als Erkennungszeichen. Die erwähnte Stelle in der Leidensgeschichte der heiligen Cäcilia deutet darauf hin: «Cantantibus organis». In der Antike waren «organa» zunächst Instrumente jeglicher Art, erst im Mittelalter wird «organon» mit der Orgel gleichgesetzt. Cäcilia findet sich daher in späteren Darstellungen mit einer Orgel dargestellt.

Kirchenmusikpatronin Cäcilia in der Schweiz?

Was antworten Sie, wenn in einem Kreuzworträtsel gefragt wird: «Ort mit 10 Buchstaben, in dem die einzige Pfarrkirche der Schweiz steht, die der Kirchenmusikpatronen Cäcilia geweiht ist»? Die Antwort: Richenthal im Kanton Luzern! Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Cäcilia ist eine Reise wert. Anhand der Deckengemälde lässt sich das Leben der heiligen Cäcilia miterleben, und wer weiss, vielleicht hört man sie auf der Metzlerorgel spielen und dazu singen.