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Osterhasen zur Unzeit – Kopfschüttel- und Ärgermomente

Rabbit S
Illustrationen: shutterstock

Eine Bitte für etwas mehr österliche Festzeit auch in unserem Alltag

Kurz vor der Allschwiler Fasnacht erlebte ich wieder einmal einen dieser Kopfschüttel- und Ärgermomente. Für unsere Guggemusik im Fasnachtsgottesdienst, die «Guggemysli Jung Garde» wollte ich ein passendes kleines Geschenk kaufen – Schokoladenmäuse war meine zugegebenermassen nicht sehr originelle Geschenkidee in Anspielung auf den Namen der Guggemusik.

Hocherfreut erblickte ich im Einkaufszentrum ganze Regale voll Tieren aus Schokolade. Die Freude hielt nicht lange an, die vermeintlichen Schokomäuse hatten ausgesprochen lange Ohren. Ganze Regale voller Osterhasen – braune, schwarze, weisse, mit Eiern auf dem Rücken, mit Crèmefüllung oder ohne. Osterhasen! In der Woche vor der Fasnacht. Mein liturgisches und saisonbewusstes Herz blutete.

Nicht, dass ich eine solche Situation zum ersten Mal erlebt hätte. In Erinnerung bleibt mir immer noch die verzweifelte Suche in Coop und Migros nach typischen Süssigkeiten der Basler Herbstmesse Anfang November, also genau zu der Zeit, wenn die Herbstmesse in vollem Gange ist. Dass die Süssigkeiten es über die Kantonsgrenze vielleicht nicht bis nach Allschwil geschafft hätten, habe ich mir noch gedacht. Also fuhr ich ein paar Stationen mit dem Tram in den nächsten Basler Coop – ohne Erfolg. Weit gefehlt auch in der Migros. Mässmögge oder Biberli fand ich in den Läden nicht, dafür Schoggo-Nikoläuse, Mailänderli und Grättimänner.

Man mag mich ja für einen hoffnungslos uncoolen und konservativen Stänkerer halten und meine Kritik für altbackenen, nörglerischen Kulturpessimismus. Natürlich ist ein Osterhase im Februar nicht der Anfang vom Untergang des Abendlandes. Aber ehrlich gefragt: Wer kauft denn im November schon Schokoschmuck für den Weihnachtsbaum? Wer isst an der Fasnacht schon Schoggihasen? Und Hand aufs Herz: Haben Sie es schon einmal geschafft, nach dem Ostermontag einen Osterhasen zu kaufen? Das ist in etwa so schwer zu finden, wie ein Skianzug in einem Sportgeschäft im Januar mitten in der Wintersportsaison. Allenfalls stehen nachösterlich noch einige traurige Exemplare mit abgebrochenen Ohren und rotem 50 %-Rabatt-Kleber zum Verkauf.

Nun könnte man mit gutem Recht die Frage des Zeitpunktes für den Auftritt von Schokolade-Osterhasen oder Marzipan-Nikoläusen für vollkommen irrelevant halten. Trotzdem stört es mich. Ich sehe in diesen Osterhasen zur Unzeit ein Symptom für den Verlust eines Bewusstseins für Fasten- und Festzeiten, für geprägte und nicht geprägte Zeiten. Es ist im Kern der Verlust eines liturgischen Bewusstseins, das früher vielleicht einmal zumindest in Spurenelementen noch vorhanden war.

Und mit einem gewissen Ärger stelle ich manchmal fest, dass sogar bei mir und Kolleginnen und Kollegen Begrifflichkeiten durcheinandergeraten. Dass etwa von der Vorweihnachtszeit statt vom Advent geredet wird. Die Weihnachtszeit, die am Heiligen Abend beginnt, ist aus dem Blick geraten. Oder man spricht zwischen Palmsonntag und Ostern, also in der Heiligen Woche, von der Osterzeit, die eigentlich zwischen Ostern und Pfingsten liegt. Wo aber Begriffe sich festsetzen, da ändert sich schnell auch das Verständnis.

Im Falle der Osterzeit stört mich das besonders. Manchmal erscheint es mir so, als würden wir das zentrale Ereignis und Geheimnis unseres Glaubens, die Auferstehung Jesu Christi, nur gerade in der Osternacht und am Ostersonntag feiern – und dann schnell wieder zum Alltag übergehen.

Unsere Liturgie, mit der brennenden Osterkerze und dem österlichen Halleluja bis Pfingsten setzt hier einen klaren Akzent. Es wäre schön, diese österliche Festzeit auch in unserem Alltag wieder mehr zu erfahren und zu erleben. Ob mit oder ohne Hasen ist dann eigentlich ziemlich nebensächlich.

Apropos Hasen: Das Mäuse-/Hasenproblem vor der Allschwiler Fasnacht löste ich ziemlich pragmatisch. Widerstrebend kaufte ich dann eben Osterhasen, wählte aber immerhin Exemplare mit eng angelegten Ohren, die mit etwas Phantasie als Mäuse hätten durchgehen können …

Thomas Zellmeyer