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Plattform Jugend – Willkommenskultur für queere Menschen

Christkatholisch Plattform Jugend Willkommenskultur Workshop Allschwil
Um auf diese Frage Antworten und Ideen zu finden, lud die plattform jugend eine kleine Gruppe von ­Interessierten und Menschen mit queerer Lebens­realität im Januar nach Allschwil ein. Foto: Lea Palmer

Wie steht es um die Willkommenskultur für queere Menschen in unserer ­Kirche? – Dieser Frage ging die plattform jugend anfangs des Jahres nach.

Von Lea Palmer

Das Thema wurde durch eine junge erwachsene Person aufgebracht. Diese Person erzählte Lea Palmer und Patrick Blickenstorfer vom eigenen Coming-out und den Schwierigkeiten, die dabei erlebt wurden – auch in Bezug auf Glauben und Kirche.

Begriffsklärung und gesellschaftliche Einordnung

Zur Einordnung: Der Begriff «queer» hat keine eindeutige Definition, wird aber oft als Beschreibung für Menschen genutzt, die sich nicht heterosexuell orientieren oder deren Geschlechtsidentität nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht übereinstimmt. Eine andere Bezeichnung wäre der Sammelbegriff LGBTQAI+. Da aber auch dieser nicht endgültig festgelegt ist, wird in diesem Text der Begriff «queer» verwendet, um alle Menschen aus der beschriebenen Community einzubeziehen.

Laut einer Ipsos-Studie von 2023 bezeichnen sich 9 % der befragten Menschen in der Schweiz als lesbisch, schwul, bisexuell, pan-/omni- oder asexuell. 6 % der Befragten Personen in der Schweiz identifizieren sich als transgeschlechtlich, nicht-binär oder ein anderes Geschlecht als männlich oder weiblich. Damit weist die Schweiz die grösste Prozentzahl von Menschen mit vielfältigen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten aller 30 Länder auf, in denen die Studie durchgeführt wurde.

Spannungsfeld zwischen Glaube und Identität

In vielen christlichen Gemeinschaften erleben queere Menschen Diskriminierung, zum Beispiel in Form von Ausschluss aus kirchlichen Rollen und Ämtern, Ausschluss von religiösen Aktivitäten oder Verweigerung von Hochzeiten. Oft wird Druck ausgeübt, die Identität zu verbergen oder zu ändern, begründet mit einer entsprechenden Auslegung der biblischen Schrift. Bei den Betroffenen führt das häufig zu einer Glaubenskrise, einem Konflikt zwischen Glauben und Identität, Schuld und Scham. Nicht zuletzt kann eine grosse emotionale Belastung empfunden werden, bis hin zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen.

Zum Glück ist es in der Christkatholischen Kirche kein Thema mehr, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten oder dass die sexuelle Orientierung oder Identität eine Rolle bei der Ausübung kirchlicher Ämter spielt. «Wir sind für die Einheit in Vielfalt» ist auf der Website ganz oben zu lesen, wir wollen eine Kirche für alle sein. Diese Haltung hat sicher auch dazu geführt, dass queere Personen, die anderswo Diskriminierung erlebt haben, ihre spirituelle Heimat in der christkatholischen Kirche gefunden haben. Zwar gibt es darüber keine Erhebung, aber in unserer Gemeinschaft dürfte der prozentuale Anteil von queeren Menschen weit höher sein als die von Ipsos erhobenen 9 % bzw. 6 % in der Schweizer Bevölkerung.

Wege zu mehr Sichtbarkeit und Willkommenskultur

Wie kann es also sein, dass eine Person solche Erfahrungen in unserer Kirche gemacht hat? – Es ist gut, dass die christkatholische Kirche die Haltung von Offenheit und Akzeptanz gegenüber allen Menschen vertritt. Aber wenn es beim einzelnen Jugendlichen oder beim einzelnen Menschen nicht ankommt, stellt sich die Frage nach der Sichtbarkeit und der Willkommenskultur für queere Menschen.

Mit «Denk-Hüte-Methode» auf Antwortsuche

Um auf diese Frage Antworten und Ideen zu finden, lud die plattform jugend eine kleine Gruppe von Interessierten und Menschen mit queerer Lebensrealität im Januar nach Allschwil ein. Im Format «Brunch-Talk» wurde einen Vormittag lang bei Brunch und Kaffee über das Thema gesprochen und diskutiert.

Vor allem die Denk-Hüte-Methode brachte einige «Aha-Momente» und kreative Ansätze. Bei der Denk-Hüte-Methode gibt es sechs Rollen und fünf Perspektiven, aus denen man ein Thema betrachten kann: WEISS: Wissen, die Faktenlage; ROT: Gefühle und Emotionen; SCHWARZ: der Pessimist; GELB: der Optimist; GRÜN: Kreativität und Ideen.

Zieht man sich beispielsweise den ROTEN Hut auf, ergeben sich verschiedene Gefühle aus der Sicht verschiedener Gottesdienstbesucher und Gemeindemitglieder – von Verwirrung über die Thematik, die Freude über mehr Gottesdienstbesucher bis hin zu Verunsicherung, falls man den Standpunkt der Kirche zum Thema nicht kennt.

Zieht man den SCHWARZEN Hut auf, könnte man zum Schluss kommen, dass eine Willkommenskultur nicht nötig sei, da es bereits bekannt sei, wie die Christkatholische Kirche zum Thema stehe. Oder dass wir keine Eventkirche sind oder uns mehr um die nicht-queeren Personen kümmern müssten.

Der GELBE Hut bringt die Sichtweise: Es kämen sicher mehr Menschen bei mehr Werbung; es wird alles «bunter», wenn mehr queere Personen in den Gemeinden vertreten sind. Oder: Wir könnten mehr junge Menschen ansprechen, da queere Menschen bei den Millennials und Gen-Z stark vertreten sind.

Der GRÜNE Hut brachte viele Ideen, zum Beispiel: Mehr Bilder und Symbole der queeren Community in den Kirchen oder im Gemeindehaus würden schon für mehr Sichtbarkeit sorgen – auch kleine, wie etwa Aufkleber. Ein Kirchenraum, der weniger reglementiert ist, wirkt offener für alle Menschen; Kirche kann so als Lebensraum erlebbar gemacht werden.

Welchen Hut würden Sie sich aufsetzen?

Teilen Sie Ihre Ideen und Gedanken zur Willkommenskultur für queere Personen und interessierte Menschen allgemein mit uns unter info@plattform-jugend.ch.

Wie steht es um die Willkommenskultur für queere Menschen in unserer ­Kirche?