«Ich finde, Christen sollten auch ein wenig verrückt sein.»
Maja Winkler ist ein Mensch mit vielen Facetten: «Ich bin eine Traumtänzerin. Ich bin nicht ganz von dieser Welt. Ich bin ein Wir-Mensch. Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch. Ich bin ein spiritueller und ein religiöser Mensch. Ich bin ein Genussmensch. Ich bin sinnlich und farbig. Ich habe viel Appetit auf Lebenslust.» Dabei trägt Maja Winkler eine tödliche Krankheit in sich.
Von Vera Rüttimann
Ich klingle an der Tür ihrer Wohnung in Illnau-Effretikon. Eine Frau öffnet die Tür und zeigt dem Gast ihr freundliches, offenes Gesicht. Maja Winkler trägt ein rosafarbenes Oberteil und ein Kopftuch in rosa. Schnell kommen wir auf ihr Leben zu sprechen. Es bietet viel Stoff.
Maja Winkler ist in Friesenberg, einem Quartier am Fusse des Uetlibergs in Zürich, aufgewachsen. Früh schon kam sie mit dem Thema Religion in Berührung. Das Elternhaus erlebte sie punkto Religion als bereichernd, aber auch als problematisch.
Ihr Vater konvertierte in den Kriegsjahren als Reformierter zum Katholizismus. Ihre Mutter habe ihr die Ökumene früh gezeigt. «Sie hat uns zu den Lutheranern, zur Heilsarmee und zu verschiedenen anderen christlichen Gemeinschaften mitgenommen. Meine Eltern waren deshalb sehr tolerant.»
Die Stimme im Tram
In jungen Jahren habe sie in dichter Folge mehrere dramatische Erlebnisse gehabt. «Diese liessen mich für 20 Jahre gottlos werden», sagt sie beim Gespräch am Tisch in ihrem Wohnzimmer. Wenn man Maja Winkler nach ihrem roten Faden fragt, fällt schnell das Wort «Christus». Mit 35 Jahren hatte sie ein einschneidendes Erlebnis in einem Tram in Zürich: «Eine Stimme sagte zu mir: Maja, du musst jetzt in eine Kirche!» Sie habe eine aufgesucht und habe sich erschüttert gefühlt von der Barmherzigkeit von Jesus Christus. Weiter erzählt sie: «Er wusste: Ohne ihn gehe ich kaputt!»
Das Christentum ist für die 75-Jährige eine Art Hingabe-Religion. Hingabe sei ihr schon immer wichtig gewesen: «Wenn ich etwas gern mache, dann mache ich es schon immer mit Leidenschaft.» Zudem habe sie schon mit zehn Jahren gewusst, dass sie nie eine eigene Familie, dafür aber für viele Menschen da sein möchte.
Viel Können, viel Sinn
Das Schicksal führte Maja Winkler dem Physiotherapie-Beruf zu. «Ich erkannte: Das ist meine Berufung.» Schnell entwickelte sie sich in diesem Beruf weg von der mechanisch-orientierten Physiotheraphie hin zu einer ganzheitlich psychologisch orientierten Körpertherapie. Wenn sie jeden Zentimeter eines Körpers durchgearbeitet habe, fand sie bei einem Patienten jeweils nicht bloss eine Verspannung oder eine Fehldisposition des Gelenkes. «Der Schmerz kann auch Ausdruck einer inneren Verdrängung und einer inneren Blockade sein», weiss sie.
Einen ihrer ersten Ausbildungsschritte investierte die Zürcherin in die Bewegungsausdruckstherapie. In einer Klinik in Vals lernte sie Trudi Schoop kennen. Eine wegweisende Begegnung. Die komödiantische Tänzerin leistete mit ihrer Tanztherapie Pionierarbeit bei der Behandlung psychischer Erkrankungen. «Über Körper-Ausdruck und Bewegung kann ein Heilungsprozess angestossen werden», ist Maja Winkler überzeugt.
Maja Winkler hat sich immer weitergebildet. So erlernte sie die verschiedenen Hypnose-Techniken. Die Wachhypnose sei etwas vom Spannendsten, was es gebe: «Wenn Menschen in diesem Zustand sind und vom Therapeuten Geschichten hören, können selbstheilende Kräfte wirksam werden.» Für ihre alternativen Therapie-Konzepte sei sie allerdings oft auch angefeindet worden. Als Pionierin müsse man «das aber aushalten können.»
Menschen wieder aufrichten
Jeder Mensch, ist Maja Winkler überzeugt, habe positive Ressourcen in seinem Inneren, auch wenn man sie bei manchen tief unter vielen Schichten freilegen müsse. Bei ihrer Arbeit habe sie von Beginn an diesen Ansatz verfolgt: «Es ging mir darum, das Positive in einem Menschen wieder aufzubauen und in die Versöhnung zu bringen.» Den Menschen wieder aufrichten, darin fand Maja Winkler viel Sinn in ihrer Arbeit. Es sei so schön zu sehen, wenn ein Mensch von der Leidensphysiologie in eine Versöhnungsphysiologie komme. «Seine Augen leuchten dann wieder», weiss sie.
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