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Unsere Kirche predigt Liebe, also …

An der diesjährigen 150. Nationalsynode in Basel trat die Christkatholische Jugend der Schweiz mit einem aktuellen Anliegen vor die Delegierten und den Synodalrat. Die Jugendlichen möchten, dass sich die Christkatholische Kirche der Schweiz für das Anliegen «Ehe für Alle» stark macht und bei einer Annahme der Initiative auch kirchlich ermöglicht. Dazu Aischa Amrein im Interview.

CK: Über 50% der Ehen werden geschieden. Soll sich die CKK mit der parlamentarischen Initiative «Ehe für Alle» für eine Institution einsetzen, die mehr Geschiedene als Verheiratete zur Folge hat?

Aischa Amrein: Also ist die eigentliche Frage, ob Ehe ein Auslaufmodell und daher nicht unterstützenswert ist? Eine Ehe ist ein rechtliches und spirituelles Bündnis zwischen zwei Menschen, die ihre Zukunft miteinander verbringen möchten. Eine Scheidung ist das Bekenntnis, dass die gemeinsame Zeit vorüber ist. Das heisst aber nicht, dass die gemeinsame Zeit nicht trotzdem schön war, und es heisst auch nicht, dass es die Ehe nicht wert war. Die Ehe ist nicht redundant, bloss weil sie geschieden wird, sie ist also kein Auslaufmodell. Im Gegenteil, sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur und unserer kirchlichen Tradition. Auf jeden Fall sollten wir uns für die Ehe einsetzen. 

Eingetragene Partnerschaft ist seit einigen Jahren für gleichgeschlechtlich Liebende möglich, wird  jedoch wenig genutzt. Gleiches gilt für die Möglichkeit, die Partnerschaft in der Kirche segnen zu lassen. Geht es bei der «Ehe für Alle» wirklich um ein Anliegen oder einfach ums Prinzip?

Beides. Die eingetragene Partnerschaft ist ein schwacher Ersatz für die rechtliche Ehe. Sie impliziert, dass die Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen etwas anderes sein soll, als die Liebe zwischen Mann und Frau. Die eingetragene Partnerschaft ist somit ein Symbol der Segregation und der Diskriminierung, es ist völlig verständlich, dass sie nicht übermässig beliebt ist. Ähnlich verhält es sich mit der Segnung in der Kirche. Die Ehe für Alle würde – laut mehreren Organisationen, die sich für gleichgeschlechtliche Paare einsetzen – deutlich mehr geschätzt als die eingetragene Partnerschaft und entsprechend öfter würde sie genutzt. Die Ehe für Alle ist also durchaus ein Anliegen, gleichzeitig ist die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare auch prinzipiell richtig. Die heutigen Gesetze räumen Menschen unterschiedliche Rechte ein, nur aufgrund deren sexueller Orientierung. Das ist ein eindeutiger Fall von Diskriminierung.

Die Initiative wird vors Volk kommen. Soll sich die CKK in den Abstimmungskampf einmischen und politisch aktiv werden?

Die Christkatholische Kirche hat beschlossen, dass sie die gleichgeschlechtliche Liebe als gleichwertig anerkennt. Diese Grundhaltung gilt es zu vertreten – innerhalb wie auch ausserhalb der Kirche. Die aktuelle Rechtslage entspricht nicht dieser Grundhaltung. Der christliche Glaube verlangt von uns, dass wir für unsere Prinzipien einstehen und bei Unrecht nicht wegschauen. Es bringt nichts, wenn wir nur hinter geschlossenen Türen Christen sind. Darum ist es für die Christkatholische Kirche das einzig richtige, sich politisch zu äussern und im Abstimmungskampf eine aktive Rolle einzunehmen.

Eine Annahme der Initiative ist nicht gleichbedeutend mit der Anerkennung der «Ehe für Alle» von Religionsgemeinschaften. Soll die CKK eine Vorreiterrolle einnehmen und schon jetzt anzeigen, dass sie bei einem «Ja» gleichgeschlechtliche Paare trauen wird?

Ja natürlich. Alles andere wäre heuchlerisch. Liebe ist einer der fundamentalen christlichen Werte und ein zentraler Bestandteil des Evangeliums. Liebe wird gewünscht im Umgang mit seinen Nächsten, wird gesucht in der Nähe zu Gott, bildet einen zentralen Teil des Lebens. Liebe wird von der christlichen Kirche in allen Formen gefeiert, es gibt keinen Grund, warum gleichgeschlechtliche Liebe da eine Ausnahme bilden sollte.

Soll die CKK im Alleingang gehen oder müsste sie sich im Reigen der Religionsgemeinschaften nicht Verbündete suchen?

Die Christkatholische Kirche sollte für ihr Anliegen einstehen, unabhängig davon ob andere Kirchen mitziehen oder nicht. Nichtsdestotrotz ist es für die Ehe für Alle natürlich genial, sollten sich andere Kirchen von unseren Argumenten überzeugen lassen. Dies würde einem spezifischen Gegenargument zur Ehe für Alle den Wind aus den Segeln nehmen, nämlich dass die Ehe in der Schweiz eine religiöse Angelegenheit ist, die Kirchen das aber gar nicht möchten. Jetzt hat die Christkatholische Kirche die Gelegenheit, dieses Argument gar nicht erst aufkommen zu lassen und sich gleichzeitig als fortschrittliche Kirche, die sich um Gleichberechtigung bemüht, zu etablieren.

Apropos Verbündete: Wie hält es eigentlich die Altkatholische Kirche in Deutschland mit der «Ehe für Alle»? Unser nördlicher Nachbar hat diese ja bereits eingeführt.

Die Altkatholische Kirche in Deutschland kennt die Segnung von gleichgeschlecht-lichen Paaren schon seit 2003. Gleichgeschlechtliche Liebe wurde von ihr aber schon sechs Jahre früher als wertvoll anerkannt. In Deutschland ist die gleichgeschlechtliche Ehe seit letzten Oktober rechtlich eingeführt. Soweit ich weiss, hat die Altkatholische Kirche seither aber noch kein Statement herausgegeben, wie sie zu dieser steht. 

Hat es schon Reaktionen auf euren Vorstoss gegeben?

Mehrere Delegierte und Gäste sind während und nach der Nationalsynode auf mich zugekommen und haben uns für unseren Vorstoss gratuliert. Ich habe von diversen Anwesenden gehört, dass sie das Anliegen der Jugend unterstützen. Auch wir werden uns weiterhin für unser Anliegen engagieren, denn wir sind überzeugt, dass es sich lohnt für Fairness, Gleichberechtigung und Liebe zu kämpfen.

Interview: Franz Osswald

Das Anliegen Im Wortlaut

In der Schweiz ist es gleichgeschlechtlichen Paaren heute nicht gestattet, die Ehe miteinander zu schliessen. Als Christinnen und Christen, die an Fairness, Gleichberechtigung und Liebe glauben, finden wir, die Christkatholische Jugend der Schweiz, dass dieses heutige Gesetz ungerecht ist. Wir wünschen uns von der Christkatholischen Kirche, dass sie ihren christlichen Idealen und ihrem Ruf als offene, progressive Kirche gerecht wird und gegen diese Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare ein Zeichen setzt. Deshalb ersuche ich im Namen der CKJS die Synode um ein öffentliches und öffentlichkeitswirksames Statement, das sie im Blick auf eine zivilrechtliche Änderung der Ehe herausgeben soll. Dieses Statement sollte im Kern aus folgenden zwei Punkten bestehen.

  1. Die Christkatholische Kirche befürwortet die zivilrechtliche Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.
  2. Sollte die zivilrechtliche Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden, so wird die Christkatholische Kirche gleichgeschlechtliche Paare trauen. 

Dieses Versprechen, wie auch seine Durchführung, erachtet die Christkatholische Jugend der Schweiz als wichtige Massnahme gegen die noch immer anhaltende Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Ich würde mich freuen, wenn dieses Anliegen der Jugend Gehör findet.