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Vergebung

«Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.»

(Mt 6, 14)

Matthäus hatte eine noch im Aufbau befindliche Gemeinde zu leiten. Einfach war das wohl nicht. Denn auch in dieser Gemeinde gab es zweifellos allerhand Menschen. Es gab Reiche, es gab Arme, wie überall im Römerreich. Das durfte jetzt bei den Christen nicht mehr so sein. Matthäus war auf Ausgleich angewiesen. Und auf freiwillige Arbeit der einen für die anderen. Denn er wusste: Wo Ungleichheit ist, da ist es nicht weit hin zu Neid, Hass, übler Nachrede. «Lasst nichts davon unter euch aufkommen! Sucht die Eintracht, vergebt euch, was Ungutes zwischen euch steht. Und tut es jetzt, solange noch Zeit und Möglichkeit dazu ist!»

Vergeben, einfach so? Da muss doch auch für mich etwas dabei herausschauen. Matthäus bietet quasi das Himmelreich an. Der himmlische Vater ist der, welcher auch uns vergibt. Indem er uns die Gewissheit schenkt: «So, wie du bist, ist es grundsätzlich gut. Du bist ein Mensch mit unantastbarer Würde, keiner kann sie dir nehmen, denn sie stammt von Gott.» Ich darf, ich soll für sie kämpfen, auch in schwierigen Zeiten, wo die Gewissheiten durcheinandergeraten. Das ist das Grundlegende. Aber nicht das Ganze. Es gibt da eine Ableitung: «Wer bist du, dass du das selbst Erhaltene deinem Mitmenschen vorenthältst? Dass du die göttliche Zusage auch an ihn – wie an dich selbst – anzweifelst, in den Wind schlägst, indem du ihm deinerseits Vergebung verweigerst? Du brauchst ja nicht allen unterschiedslos um den Hals zu fallen, Distanz ist oft auch wohltuend. Aber nur, wenn du auch den anderen leben lässt in seiner Art. Dann kannst auch du friedliche Tage erleben.»

Pfarrer emeritus Niklaus Reinhart