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Eine in Vergessenheit geratene Heilige: Wer hat Angst vor der Heiligen Thekla?

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«Maria lehre euch eine Lebensregel, Thekla sei euch Lehrerin im Opfer.» (De Virginibus, II, 3, 19).

Im Mailänder Dom wird jedes Jahr am Fest der Heiligen Thekla ein uralter Ritus gefeiert. Doch hinter dem flackernden Licht des Leuchters verbirgt sich die Geschichte einer Frau, die einst die Grenzen ihrer Zeit sprengte – und deren Andenken die Kirche bis heute herausfordert.

Von Elisabetta Tisi

Im Mailänder Dom findet jeweils Ende September, am Festtag der heiligen Märtyrerin Thekla, der Schutzpatronin der Kathedralgemeinde, einer der eindrucksvollsten Riten der ambrosianischen Liturgie statt: der Ritus des Leuchters, bei dem am Eingang des Presbyteriums eine grosse Kugel aus Baumwolle aufgehängt wird. Am Ende der ersten Prozession und des traditionellen Gesangs der zwölf Kyrie Eleison, zündet der Zelebrant die Kugel mithilfe dreier Kerzen an, bevor er das Presbyterium betritt.
Dieser Brauch geht auf eine Tradition aus dem 7. Jahrhundert zurück: Bei den wichtigsten Feierlichkeiten wurde der «Pharus» angezündet, eine Art Kronleuchter, der aus einer Reihe von Lichtern bestand, über denen ein Ring aus Watte angebracht war. Beim Verbrennen übertrug dieser das Feuer auf die einzelnen Lampen. All dies symbolisierte den Triumph und den Ruhm der Märtyrer.
Aber warum hat diese Feier in Mailand eine so grosse Tradition? Es gibt verschiedene wissenschaftliche Interpretationen, aber die am meisten verbreitete spielt auf das Opfer des Lebens der Märtyrerin Thekla an.

Wer ist Thekla?

Bereits seit dem Ende des 2. Jahrhunderts ist der Kult der Heiligen Thekla belegt, der sich sowohl im Osten als auch im Westen ausserordentlich verbreitet hat. Die orthodoxen und griechisch-katholischen Kirchen bezeichnen sie als Mega-Martyrin, d. h. als erste grosse christliche Frau, die den Märtyrertod erlitt. Thekla ist tatsächlich das weibliche Pendant zu Stephanus, dem allerersten christlichen Märtyrer. Aber warum haben die Geschichte und die Volksfrömmigkeit ihr nicht dieselbe Bedeutung beigemessen? Ist sie doch jene Heilige, über deren Verehrung die ältesten Dokumente vorliegen, auch wenn aus historischer Sicht nicht viel über ihr Leben bekannt ist.

Nach dem apokryphen (nicht kanonisch anerkannten) Text der Apostelgeschichte des Paulus und der Thekla soll sie in Ikonion, dem heutigen Konya, von Paulus zum Christentum bekehrt worden sein. Aus dem Text geht eine für jene Zeit ungewöhnliche, unabhängige, bisweilen revolutionäre und subversive Frau hervor. In der Urkirche galt Thekla als Heldin und Vorbild, die sich den sozialen Normen des Römischen Reiches entzog und sich trotz der Verfolgung entschied, den Lehren des Apostels Paulus zu folgen.
Thekla war in der Tat eine wunderschöne junge Frau, die mit einem sehr angesehenen Mann verlobt war.

Lesen Sie den ganzen Artikel in unserer Zeitschrift «Christkatholisch».