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Wortschatzfreuden

Über die vielfältigen Möglichkeiten, Wörter und Silben zusammenzufügen und die damit verbundenen Schwierigkeiten staunen meine Deutschschüler immer wieder. Wörter wie «Hausdach» und  «einsteigen» leuchten unmittelbar ein und lassen sich mit Beispielsätzen gut verdeutlichen. Schwieriger wird’s, wenn vor einfache Verben Vorsilben treten, welche die Bedeutung völlig verändern: Weshalb bedeutet «hören» mit den Ohren wahrnehmen, «gehören» aber Eigentum oder Teil eines Ganzen sein? Weshalb ist ein «Vorschlag» oder «Ratschlag» meist ganz wohlmeinend und gewaltfrei und hat nichts mit einem Schlag zu tun? «Lernen Sie es auswendig und versuchen Sie immer wieder, die Wörter anzuwenden; Sprache ist nicht logisch wie Mathematik», kann ich dann nur sagen. 

Auch für Menschen deutscher Muttersprache gibt es Wörter, über die man bei genauerem Hinsehen eigentlich ins Grübeln kommen müsste: «Verantwortungsbewusstsein» und «Entwicklungsrückschritt» gehören zu meinen Lieblingen unter den Schlangen-Wörtern. Und als Christen sind wir immer wieder am Üben, wenn wir zentrale Wörter unseres Glaubens mit Leben füllen sollen: Was heisst für uns beispielsweise «Auferstehungshoffnung» oder «Vergebungsbereitschaft» wirklich? Wer erlebt hat, wie schwierig es sein kann zu vergeben, hat erfahren: Erst im Handeln buchstabieren wir unser Versagen und unser Wieder-Aufrappeln, unsere Ängste und Hoffnungen.

Franziska Hälg-Steffen