Kinder, Kunst und der Bär – ein besonderer Gottesdienst in der Dorfkirche
Letzten Sonntag öffnete die Dorfkirche Allschwil um 17 Uhr erneut ihre Türen für einen besonderen Gottesdienst. Zu Gast war die Musikklasse von Alva Heiniger aus dem Schulhaus Dorf. Den Anfang machte die Klasse mit dem Lied «Die Freiheit» von Georg Danzer. Anschliessend begrüsste Pfarrer Patrick Blickenstorfer die Anwesenden in der bis auf den letzten Platz gefüllten Dorfkirche mit kurzen Eingangsworten.

Er ging darin auf die bevorstehende Aufführung ein und sprach über zentrale Themen des Liedes, darunter Freiheit, Anpassung und die Rollen, die Menschen im Alltag als verpflichtend erleben.
Die Kinder führten das Lied «Der Bär, der ein Bär bleiben wollte» von Reinhard Mey sowie das gleichnamige Bilderbuch mit viel Freude auf. Sie sangen, lasen und spielten die Geschichte szenisch, mit grosser Konzentration und sichtbarer Begeisterung.
In der Geschichte stellt ein Bär nach dem Winterschlaf fest, dass sein Wald verschwunden ist. Er wird in die Welt der Menschen eingeordnet, falsch gedeutet und umfunktioniert. Schritt für Schritt entfernt er sich so von seinem ursprünglichen Wesen.
Mey schrieb dieses Lied vor rund fünf Jahrzehnten als leise Gesellschaftskritik, deren Kernaussage bis heute aktuell ist. Die Frage ist, wie man sich selbst treu bleiben kann, wenn man äusserem Anpassungsdruck ausgesetzt ist.
Die Gäste spürten, wie viel Vorbereitung, Übung und gemeinsames Lernen die Kinder in das Stück investiert hatten. Die Lehrperson Alva Heiniger begleitete die Klasse musikalisch und mit persönlichem Bezug. Ihre erste Begegnung mit dem Bär hatte sie im gleichen Alter bei den Grosseltern erlebt und nie vergessen.
Der Konzert-Gottesdienst bot Raum für verschiedene Aspekte der Auseinandersetzung mit Identität, Anpassung und Selbsttreue. Im Anschluss lud die Kirchgemeinde zu einem Apéro ein.
Susan Vogt