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Worte der Erinnerung an Pierre Uldry, der am 28. Juli 2016 verstorben ist.

 

 

Eine ausführliche Würdigung seines Wirkens erschien in der September-Nummer des welschen Kirchenblatts «Présence» unter dem Titel «A Dieu Pierre»: Gott empfohlen. Das entspricht ganz der Haltung des bis fast zuletzt aktiven Genfer Gemeindeglieds. Von seinen Teilnahmen an den Synodesessionen, an den Kirchentagen, an vielen «Bistums-Gottesdiensten», an Kongressen, verschiedenen anderen Tagungen und Veranstaltungen war er vielen auch in der Deutschschweiz bekannt. 

1921 geboren, begann er Ende der 30er-Jahre das Theologiestudium an unserer Fakultät, unterbrochen durch den Militärdienst. Sein Wunsch war es, Hilfspriester in Lancy zu werden. Das ergab sich dann aber nicht. Doch sein stark spirituell geprägtes theologisches Interesse blieb intakt. Es kam in vielen seiner Unternehmungen zum Einsatz. Mit Hilfe des damaligen Genfer Pfarrers Franz Murbach und anderen hat er das lokale Radio des Eglises, heute RADIO CITE, gegründet und durch sei-ne Beiträge wesentlich mitgestaltet. 

Ich selber habe ihn in der kleinen Arbeitsgruppe, welche vor gut 30 Jahren das Leit-bild unserer Kirche ins Französische übersetzte, näher kennen- und schätzen gelernt. Von Anfang an hat er eifrig in der welschen liturgischen Kommission mitgearbeitet. Sei-ne kritischen Bemerkungen waren wertvoll. Ich habe viel gelernt durch das gemeinsame Suchen nach dem richtigen Ausdruck, nach der Formulierung, welche den Sinn eines Textes am besten wiedergibt. Beim Diskutieren kam es dann etwa vor, dass er darauf hinwies, dass der deutsche Text im Gegensatz zur Klarheit der französischen Sprache zu offen, das heisst zu wenig eindeutig, ist. Auch wenn sein Vorschlag nach längerer Diskussion nicht aufgenommen wurde, hat er freundlich und kooperativ weitergearbeitet, beraten und Vorschläge eingebracht.  

Es entsprach seiner Art, liebenswürdig, aber glasklar zu formulieren. In vielen Gesprächen ausserhalb von Sitzungen hat er mir meine sprachlichen Fragen beantwortet und klar verständlich die Unterschiede verschiedener Formulierungen erläutert. Er hatte ein gros-ses linguistisches Können und ein ganz feines Gespür für die Musikalität der Sprache. Während sehr vieler Jahre war er Redaktor des SILLON, dann der PRESENCE. Er hat dafür über 350 Kreuzworträtsel kreiert, welche Kenntnis der Bibel und des kirchlichen Lebens voraussetzten, und unzählige Texte verfasst. Ihrer gewählten Worte wegen sind sie für Deutschschweizer nicht so einfach zu lesen. 

Seine Unternehmungen hat er stets zusammen mit seiner fünfzehn Jahre vor ihm verstorbenen Gattin Simone gemacht. Sie waren fast immer gemeinsam anzutreffen. An der Trauerfeier in unserer Kirche in Grand Lancy nahmen sehr viele teil: Ein Zeichen dafür, wie bekannt und geschätzt der Verstorbene war – auch über unsere Kirchgemeinde hinaus. Es war ein würdiger Abschied von Pierre Uldry, der ganz in der Kirche gelebt hatte. Beeindruckend und berührend war auch, dass seine Enkelin auf der ihr vom Grossvater geschenkten Violine musizierte. Beeindruckend und würdig fand ich auch, wie der Verstorbene im Sarg hinausgetragen wurde und die Trauergemeinde schweigend die Abfahrt des Leichenwagens verfolgte. Vielen wird er mit seinen langen weissen Haaren und dem aufmerksamen Blick in lieber Erinnerung bleiben.

Pfr. em. Roland Lauber

 
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