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Liebe Christkatholikinnen und Christkatholiken

Wie doch die Zeit vergeht! Bereits zum sechsten Mal darf ich mich mit meinen Neujahrswünschen an Sie richten. Dieses Jahr möchte ich Ihnen gerne meine Empfindungen zu «Werten» mitteilen, einem Begriff, der gerne und oft verwendet wird und natürlich viele Interpretationen zulässt. Aber grundsätzlich erhält ein Wert seine Bedeutung aufgrund seines Inhaltes, der Stellung und Auslegung des Interpreten und der Wahrnehmung des Wert-Empfängers.  Werte sind Orientierungshilfen und prägen den Charakter eines Jeden und einer Organisation, auch – und ganz besonders – einer kirchlichen Gemeinschaft. Es ist also bedeutungsvoll, an welchen Werten und Normen sich eine Organisation orientiert.

Ausblick

In den kommenden Jahren stehen verschiedene Ereignisse in unserer Kirche an und einer der Höhepunkte ist wohl die 150. Session der Nationalsynode. Sie wird 2018 in Basel stattfinden. Wir sind nun gut beraten, uns im Vorfeld dieser Jubiläums-Synode Gedanken über das Ereignis zu machen. Wie wollen wir das Jubiläum feiern? Und wie können wir das 150-jährige Bestehen unserer Kirche einer breiten Öffentlichkeit vermitteln? Wie können wir die Identität unserer Kirche manifestieren? Was soll der Kernpunkt unserer Botschaft sein?

Aktuelle Herausforderungen für die Kirche

Es ist unübersehbar: Die Säkularisierung in Europa schreitet weiter vor-an, die Zahl der konfessionslosen Menschen in unserem Kulturkreis steigt, wir können immer weniger Gottesdienstbesucher begrüssen und unser Departement an der Theologischen Fakultät der Universität Bern hat zu wenig Studierende. Anderseits stellen wir fest, dass andere Religionsgemeinschaften, auch christlich-europäische, ihre Anhängerschaft konso-lidieren und sogar verstärken. Es muss in unserer Kultur also ein Bedürfnis nach christlichen Botschaften und nach christlichen Werten vorhanden sein.

Moderne Kommunikation

Eine mögliche Ableitung besteht wohl darin, dass wir uns überlegen müssen, ob unsere traditionelle Botschaft – vermittelt durch unsere Geistlichen, in Gottesdiensten, durch Publikationen und durch unsere Präsenz – so wahrgenommen wird, wie wir uns dies wünschen. In einer überaus schnelllebigen Zeit verkommt das gesprochene Wort zur Worthülse. Informationen werden in sehr grossem Ausmass über die Sozialen Medien verbreitet, meist ohne jede Überprüfung auf Inhalt und Werte. Kürzlich habe ich gelesen (ich gestehe es – auf meinem iPhone), dass wir uns jeden Tag durchschnittlich acht Stunden online tummeln. Nachrichten (breaking news), Mails, einkaufen (online-shopping) – die ganze Welt ist nur einen Mausklick entfernt. Acht Stunden. Jeden Tag. Das ist mehr Zeit als die Meisten von uns nachts schlafen.

Zeitgemäss und alternativ

Von Albert Einstein stammt das Zitat: «Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.» Und ich wage zu behaupten, dass wir uns alle hie und da ertappt fühlen. Sowohl als Kirche wie auch als Mensch gilt es, Ja zu sagen zu der Zeit, in der wir leben. Die Weitergabe des Glaubens von Generation zu Generation scheint gestört, unterbrochen zu sein und Fragen drängen sich auf. Was ist die Ursache? Liegt es vielleicht an unserem Wohlstand (wobei diese Frage sehr relativ daher-kommt)? Hat die Kirche allgemein ein Glaubwürdigkeitsproblem? Oder liegt es an deren Repräsentanten?

Patentrezepte gibt es nicht – ich habe jedenfalls keines anzubieten. Ich bin aber überzeugt, dass man den Glauben leben muss, durch eine offene Haltung und durch überzeugtes Handeln. Kinder können nach wie vor zu kirchlichem Engagement bewegt werden. Glaube ist eingebettet in einem breiten Umfeld, er lebt und wächst mit den Beziehungen in der Gemeinschaft. Das gilt für unsere Kirche und genauso für uns Individuen. Die daraus erwachsende Zugehörigkeit müssen wir pflegen und fördern und daraus folgt: Wir müssen die Kommunikation in unserer Kirche verbessern. Wir müssen das Gespräch mit allen aufnehmen. Die Kirche ist dazu berufen, zu momentbezogenen, egoistischen Moralvorstellungen Alternativen zu bieten. Sie soll den Menschen Hoffnung machen und damit dem Glauben ein positives Image geben; Seelsorge und Diakonie sind wichtige Werte für unsere Kirche, nicht zu vergessen die Ökumene, seit jeher ein zentrales, christkatholisches Anliegen.

Deshalb bin ich sehr dankbar für die grundlegende Arbeit unserer Seelsorger und Seelsorgerinnen und – nicht zuletzt – für das Engagement vieler Verantwortlicher der christkatholischen Jugendorganisationen mit Ski-, Pfingst- und Sommerlagern.

Engagement in Gemeinschaft mit den Ärmsten

Kinder, aber auch wir Erwachsenen, brauchen Freude und Fröhlichkeit. Wir wollen das Zusammensein geniessen. Es ist legitim, zusammen zu feiern. Damit können wir Mut und Energie tanken. Wir wollen aber nicht vergessen, dass nach wie vor Millionen von Menschen um ihr nacktes Überleben kämpfen. Egal, ob wir aktiv helfen oder mit einer Spende, Hauptsache wir engagieren uns. Das gehört zu unserer Kernaufgabe als Kirche und als Menschen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Liebe und Gute für das neue Jahr und uns allen ein friedlicheres 2017.

Manuela Petraglio-Bürgi
Präsidentin Synodalrat

 
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