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Am 24. Dezember 2016, an Heiligabend, ist Prof. Martin A. Klopfenstein (geb. am 20. August 1931) an den Folgen eines tragischen, unverschuldeten Verkehrsunfalls verstorben. Mit ihm, der von 1976 bis 1996 an der Evangelisch-theologischen Fakultät die ordentliche Professur für das Fach Altes Testament innehatte, ist ein Mensch von uns gegangen, der auch den christkatholischen Theologiestudierenden jener Zeit ein Begriff war: In Sachen Altes Testament haben sie seine Lehrveranstaltungen besucht und bei ihm die vorgesehenen Prüfungen abgelegt, bis ab 1986 mit Prof. Walter Dietrich ein zweiter evangelischer Alttestamentler in Bern lehrte und sie somit wählen konnten.

Der äussere Grund für diesen Tatbestand ist mit einer Zäsur in der Geschichte der Ausbildung von christkatholischen Geistlichen an der Universität Bern verbunden. Nach dem auf Ende des Sommersemesters 1971 erfolgten Rücktritt der beiden vollamtlichen Professoren Bischof Urs Küry (Systematische Theologie und Pastoraltheologie) und Albert Emil Rüthy (Alttestamentliche Wissenschaft und Liturgik) mussten deren Lehraufträge im Blick auf die nachfolgenden Dozenten an der damaligen Christkatholisch-theologischen Fakultät neu verteilt werden. Herwig Aldenhoven übernahm mit seiner vollamtlichen Professur die
Fächer Systematische Theologie und Liturgik. Das Fach Pastoraltheologie ging 1974 formell an Prof. Walter Frei, der eine nebenamtliche Professur für Kirchen- und Dogmengeschichte vertrat. 

Anstelle der vollamtlichen ausserordentlichen Professur, die Urs Küry dank seines Bischofamtes als Ordinarius ad personam innehatte, wurde eine zweite nebenamtliche Professur mit dem umständlich klingenden Lehrauftrag «Wesen und Geschichte katholischer Einheit unter besonderer Berücksichtigung des Altkatholizismus, der östlichen Orthodoxie und der ökumenischen Bewegung» geschaffen und 1973 Peter Amiet anvertraut. Das Fach Alttestamentliche Wissenschaft hingegen wurde nicht mehr neu besetzt. 

Damit wurden erstmals in der Geschichte der 1874 errichteten Katholisch-theologischen Fakultät (wie sie offiziell bis 1945 hiess) für ihre Absolventen nicht mehr alle Fächer von eigenen Professoren gelehrt. Was mit dem Fach Altes Testament und mit Martin Klopfenstein begann (genauer: während weniger Jahre schon mit seinem Vorgänger, Prof. Johann Jakob Stamm), hat sich vor und nach der im Jahr 2000 vom Kanton beschlossenen Fusion der beiden Theologischen Fakultäten noch akzentuiert: Eine Reihe von Fächern wird christkatholischerseits bei evangelischen Lehrpersonen studiert. 

Dass dies in den 1970er-Jahren nicht als bedenklich empfunden wurde, mag vordergründig mit der Annahme zusammenhängen, dass in der Exegese des Alten Testaments angesichts der ohnehin gleichen Methode wissenschaftlicher Auslegung keine sensiblen theologischen Unterschiede zwischen den beiden Konfessionen vorliegen können. Aber das wäre zu kurz gegriffen. 

Im Rückblick war es ein Glücksfall, dass Martin Klopfenstein auf diese Zäsur folgte. Er wusste in seiner Person vieles miteinander zu verbinden: als Exeget einen zugleich kritisch-wachen wie auch liebevollen Umgang mit der Bibel, zumal den Prophetenbüchern und den Psalmen; als Berner eine Beheimatung in seiner reformierten Tradition und ein Wissen um die geschichtlichen Eigenheiten der bernischen und schweizerischen Kirchenlandschaft; als Oberländer eine Bodenständigkeit, die ihn als Vizerektor mehrmals zum geborenen Vertreter universitärer Anliegen vor einem ländlichen Publikum prädestinierte, das es politisch zu gewinnen galt. Er war bei Studis und Kollegen angesehen und beliebt. 

Zu alledem kam noch eine – nicht nur beim gelegentlichen Jassen sichtbare – freundschaftliche Beziehung zu Prof. Kurt Stalder hinzu. Darin mag auch seine bis zuletzt bekundete Anteilnahme am Ergehen der Christkatholischen Kirche gründen.

Das Departement für Christkatholische Theologie und unsere Kirche wird ihn in dankbarer Erinnerung behalten. R.I.P.

Prof. Dr. em. Urs von Arx

 

 
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