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Pfr. Dr. Klaus Wloemer erzählt, wie und warum er in der Fastenzeit fastet

 

(lk:) Was bedeutet Ihnen die Fastenzeit?
Wloemer: Als Theologiestudent im 1. Semester habe ich eine Vorlesung über das Kirchenjahr besucht, die den Titel «Heiligung der Zeit» trug. Die Fastenzeit heiligt für mich mehr als alle anderen Zeiten des Kirchenjahres meine Lebenszeit. Sie führt mich immer wieder zurück zu den zentralen Punkten des Daseins: Tod und Leben, Trauer und Freude, zu Tode betrübt und Himmelhoch jauchzend, Niederlage und Sieg, Alleinsein und in der Gemeinschaft mit der Natur und den Menschen sein.

Wie gestalten Sie die Fastenzeit?
Einerseits verzichte ich auf das Trinken von Alkohol. Der Messwein im Gottesdienst stellt da eine Ausnahme dar, die für mich als Priester nicht zu umgehen ist; da ich aber gar kein Freund des Weines bin, ist das auch fast schon wieder eine asketische Übung. Das Feierabendbier fällt zugunsten eines Tees weg. Dieser Alkoholverzicht lässt mich jedes Jahr auch wieder sicher sein, dass ich ohne Probleme auf den Alkohol verzichten kann.
Wichtig ist für mich in der Fastenzeit nicht nur der Sonntagsgottesdienst, sondern auch jeweils am Mittwochvormittag mit ein paar Gemeindegliedern eine Werktagsmesse zu feiern. Dadurch wird mir die Heiligung der Vorbereitungszeit auf Ostern ganz besonders bewusst.
Neben den Bolderntexten, die meine Frau und ich das ganze Jahr über am Morgen beim Frühstück lesen und beten, kommt in der Werktagsmesse in der Fastenzeit noch das Meditationsheftchen der Fastenkampagne anstelle einer Predigt dazu, in diesem Jahr betitelt «Mit weitem Blick».

Warum gestalten Sie diese so?
Weil ich durch diese Praxis fast automatisch auf das Ziel und den Höhepunkt der Fastenzeit hingeführt werde: auf die Heilige Woche.

Welche Erfahrung haben Sie mit dieser Fastenpraxis gemacht?
Sie führt mich zu einem sehr bewussten Leben und Erleben der Zeit und ihres unermüdlichen, aber auch unerbittlichen Weiterschreitens. Sie führt mich dazu, diese Zeit zu füllen, von Gott füllen zu lassen, damit sie nicht einfach so verplempert wird.

Wo haben Sie diese Praxis erlernt?
Die Praxis der Werktagsmesse habe ich einerseits in Solothurn übernommen, aber auch früher schon gekannt. Extrem war es in der Zeit der Grundausbildung als Soldat, wo wir auf Scheiben schiessen mussten, auf denen feindliche Soldaten abgebildet waren. Hätte ich nicht jeden Abend nach Dienstschluss die Abendmesse besuchen können und danach in einer italienischen Eisdiele eine grosse Glace mit Rahm und einen Cappuccino konsumiert, hätte ich diese Zeit wohl nicht heil überstanden. Da habe ich – wie auch heute noch – die innere, heilende Kraft der Messliturgie ganz deutlich gespürt.

Wann haben Sie damit begonnen?
Wann ich damit begonnen habe, in der Fastenzeit auf Alkohol zu verzichten, weiss ich nicht mehr. Ich mache dies aber seit mindestens 15 Jahren so. Zur Werktagsmesse siehe oben.

Klaus Wloemer ist Pfarrer In Solothurn und Präsident des Verbandes Christkatholischer Kirchenchöre der Schweiz.

 

 
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