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Ökumenische Podiumsdiskussion zum Thema: «Brauchen alle Kirchen Re-Formation?»

 «500 Jahre Reformation: Fluch oder Segen?» Mit dieser zugespitzten Frage wandte sich der Moderator und reformierte Theologe Peter Dettwiler an die Teilnehmer der ökumenischen Podiumsdiskussion der «Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Kanton Zürich» am 28. März im Centrum 66 in Zürich.

Mehr Geschwisterlichkeit unter den Kirchen

«Ein Fluch ist die Reformation, wenn man sie nicht kennt», antwortete Andrej Cilerdzic, Bischof der Serbisch-orthodoxen Kirche der Schweiz und Österreichs. Die Reformation lehre, innerhalb der Ökumene Vertrauen aufzubauen. Zum Erneuerungsbedarf seiner Kirche erklärte er, am ersten orthodoxen Konzil der Neuzeit vom Sommer 2016 in Kreta hätten sich die Teilnehmer mehrheitlich für eine Anerkennung der nicht-orthodoxen Kirchen ausgesprochen. Diese Wiederentdeckung der Brüderlichkeit will er fördern, denn «was du nicht kennst, das liebst du nicht», so Cilerdzic, der sich derzeit mit der Laientheologie von Bruder Klaus befasst.

Das Reformationsjahr regt zur kritischen Besinnung an

Die Kirchen müssten sich offensiver verbünden, um gemeinsam die brennenden Fragen anzugehen, sagte auch die christkatholische Priesterin Angela Berlis. Sie lerne persönlich von der katholischen Loyalität, der reformierten Disputierfreude und der ortho-doxen Gastfreundschaft. Als Jahr der kritischen Besinnung, der Reflexion kann die Theologin das Gedenkjahr der Reformierten gutheissen. Für die Professorin an der Theologischen Fakultät Bern, die 1996 als eine der ersten beiden Frauen in der Altkatholischen Kirche Deutschlands die Priesterweihe empfing, stellt sich die Grundsatzfrage nach wirkungsvollen Reformen als Bewegungen, die zum Ursprung zurückfliessen könnten. Die Christkatholische Kirche hatte sich im Jahr 1870 als Reform-bewegung von der Römischen Kirche losgesagt, versteht sich aber weiter-hin als katholisch.

Reformen erneuern die Kirche

Von Klöstern seien viele Erneuerungsbewegungen ausgegangen, bekräftigte die römisch-katholische Theologin Regula Grünenfelder. Der hohe Preis für die Überwindung der mittelalterlichen Missstände liege in der Kirchenspaltung, denn «das Gemeinsame ist doch wichtiger als das Trennende». Mit Menschen anderer Glaubensrichtungen zu feiern, sei wie in anderen Familien zu essen, sagte Grünenfelder, die etwa für gegenseitige eucharistische Gastfreundschaft plädiert. Als Leiterin der Fachstelle Feministische Theologie der FrauenKirche Zentralschweiz bezeichnet sie es als «Sünde der Katholischen Kirche», Frauen nicht zur Priesternomination zuzulassen.

Andere Standpunkte zulassen und davon profitieren

Die Thematik der Frauenordination regle bei den Baptisten jede Ortsgemeinde selber, sagte Stefan Gisi-ger, Pfarrer der Baptisten-Gemeinde Thalwil und Mitglied der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft. Diese Vielfalt versöhnlich zu leben, sei für die Baptisten-Gemeinden eine grosse Herausforderung. Dabei erachtet er es als zentral, die Liebe nach dem Grundsatz «Wie Gott mir, so ich dir» auch Andersdenkenden zuzugestehen. Gisiger betonte die Notwendigkeit prophetischer Personen in den eigenen Reihen, die herausforderten, gemeinsam eigene Standpunkte zu überdenken.

In der Frage, wie schnell Neuerungen in einer Kirche umgesetzt werden sollen, waren die Podiumsgäste unterschiedlicher Ansicht: Sind die Anliegen der Menschen in der heutigen Zeit massgebend oder ist Vorsicht geboten im Blick auf Spaltungen? Bevor sich die Diskussion für Fragen des zahlreich anwesenden Publikums öffnete, benannten die Teilnehmenden zahlreiche Impulse, die jede Kirche aus dem ökumenischen Dialog mit den Schwesterkirchen als Geschenk mitnehmen kann.

Madeleine Stäubli-Roduner/red

 

 
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