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In Dornach diskutierten Vertreter der Landeskirchen und der Politik über die Zukunft der Ökumene. Eingeladen hatte die Reformierte Kirche Kanton Solothurn. Regierungsrat Remo Ankli forderte, sich dem Konflikt der Kirchenspaltung zu stellen, statt Nettigkeiten auszutauschen.

 

Die Ökumene ist in der Gesellschaft angekommen. Das Zusammenleben zwischen Reformierten und Katholiken ist heute selbstverständlich. Dies zeigte der Anlass im Timotheus Zentrum in Dornach, welcher von Michael Bangert, christkatholischer Pfarrer in Basel, moderiert wurde. Vielen hätten die Kirchen und die Theologie nichts mehr zu sagen und die konfessionellen Unterschiede kennen sie nicht, erklärte Bangert. «Die klassischen Streitpunkte haben für sie keine Bedeutung.» Das Podium zeigte jedoch auch, dass gerade bei den Kirchenvertretern die Grenzen der Ökumene sehr eng sind.

Im Eingangsvotum erzählte Regierungsrat Remo Ankli, wie er in der Nähe des Klosters Beinwil aufgewachsen sei. Nach dem Wiederaufbau des abgebrannten Klosters zog dort eine ökumenische Gemeinschaft ein. Die Gottesdienste im Kloster waren für Ankli eine schöne Erfahrung. Später studierte er, selbst römisch-katholisch, an der reformierten Fakultät in Basel.

Der Kirchengeschichtler Martin Wallraff wuchs in Bayern auf. Den Lutheraner störte das römisch-katholische Umfeld nicht, im Gegenteil, später studierte Wallraff  in Rom. 

Und Edith Rey Kühntopf, Regionalverantwortliche des Bischofsvikariats St. Verena, wuchs im römisch-katholisch geprägten Freiamt auf. Als Kind habe sie das Beichten so sehr belastet, dass sie reformiert werden wollte. Auch später schaute sie über die konfessionellen Grenzen. Gerade als römisch-katholische Frau überlege man sich den Wechsel, um als reformierte Pfarrerin oder christkatholische Priesterin arbeiten zu können. Doch Rey Kühntopf spürte, tief im Innern sei sie zu sehr römisch-katholisch. 

Die Ökumene hat trotz der christlichen Geschwisterlichkeit Grenzen

Ist das Zusammenwachsen der Kirchen nur noch eine Frage der Zeit? Nein. Je länger die Diskussion dauerte, desto stärker zeigten sich die Grenzen der Ökumene. Im konkreten Fall sind die dogmatischen Differenzen unüberwindbar: Edith Rey Kühntopf würde an keinem Abendmahl teilnehmen. «Selbst wenn Papst Franziskus dies heute dem Gewissen des Einzelnen überlässt?», hakte Michael Bangert nach. «Ja, auch dann», so Rey Kühntopf.

Die Basler Theologin Esther Kobel hingegen fühlt sich bei der Trauung von gemischtkonfessionellen Paaren von der römisch-katholischen Tradition nicht ernst genommen. Und der christkatholische Bischof Harald Rein lehnt einen unfehlbaren katholischen Papst als Oberhaupt aller Christen ab. Er könne sich Papst Franziskus nur als «Ehrenbischof oder Liebesvorsitz» in der Synode der Bischöfe vorstellen.

Bringt der Spardruck die Kirchen einander näher?

Verena Enzler, Synodalratspräsidentin der Reformierten Kirche Kanton Solothurn, verwies auf die Charta Oecumenica, in der sich die Schweizer Kirchen zur Zusammenarbeit verpflichten. Die Kirchen seien heute auch aus finanziellen Gründen gezwungen, stärker zusammenzuarbeiten, im Kanton Solothurn etwa bei der Spital- und Gefängnisseelsorge und der Palliative Care. Dem widersprach Esther Kobel: «Die Sparmassnahmen bringen die Kirchen eher dazu, sich aus den ökumenischen Projekten zurückzuziehen. Die Ökonomie führt nicht zu mehr Ökumene, sondern zu mehr Aufsplitterung, wie das Beispiel der vielen kleinen Kirchen in den USA zeigt.»

Martin Wallraff warnte davor, dass die Kirchen die gesellschaftliche Entwicklung unterschätzen: «Die Kirchenmitglieder verstehen kaum noch, warum die verschiedenen christlichen Konfessionen auf ihren Positionen verharren.» Es gehe letztlich um die Glaubwürdigkeit der Kirchen. Deshalb stünden sie vor der Herausforderung, sich und ihre Strukturen in Frage zu stellen. Auch Regierungsrat Ankli glaubt nicht, dass die Nettigkeiten zwischen den Konfessionen weiterführen. «Die Kirchen müssen sich endlich dem Konflikt der Spaltung stellen und die Differenzen in aller Schärfe angehen.»

Tillmann Zuber

 

 
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