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Wozu braucht es die Kirche noch? Diese Frage stellte am 29. März die Weggemeinschaft der Landes- und Freikirchen Solothurn (WeGeSo) mit Unterstützung der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Christ und Welt zur Diskussion. Die Kirchen ernteten vom Podium anregende Kritik und wohltuendes Lob.

 

Podium anlässlich 500 Jahren Reformation im Alten Spital in Solothurn

Wozu braucht es die Kirche noch? Diese Frage stellte am 29. März die Weggemeinschaft der Landes- und Freikirchen Solothurn (WeGeSo) mit Unterstützung der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Christ und Welt zur Diskussion. Die Kirchen ernteten vom Podium anregende Kritik und wohltuendes Lob.

In seinem Statement, das die Podiumsdiskussion einleitete, betonte Pfarrer Koen de Bruycker von der Reformierten Kirche wichtige Errungenschaften der Reformation: Luthers Bibelübersetzung ins moderne Deutsch, dann die Gewissensfreiheit des Einzelnen, aber auch die Verantwortung aller in Politik und Gesellschaft. Auf der anderen Seite betonte er, dass die Kirchen unbestreitbar kleiner würden und in der Gesellschaft weniger Einfluss haben werden. Nur ein kritisches Hinterfragen der «Nabelschau» der Kirchen, die sich zu viele Sorgen machten um ihre eigene Existenz, und die Fokussierung auf den Jesuanischen Auftrag – für Friede, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung in Liebe einzustehen – gäben der Kirche auch in Zukunft ihre Existenzberechtigung.

Im Podium griffen Nationalrat Phi­lipp Hadorn, Mitglied einer Freikirche, Dr. Wolfgang Bürgstein, Generalsekretär der römisch-katholischen Schweizerischen Nationalkommission Justitia et Pax, Domenika Senti, Leiterin Soziale Dienste der Stadt Solothurn, und Valentin Abgottspon, Vizepräsident der Freidenker-Vereinigung Schweiz, moderiert von Hans-Ruedi Huber, Kommunikationsbeauftragter Bistum Basel, die Bälle auf, die de Bruycker aufgeworfen hatte.

Die Kirche in der Kritik

Wolfgang Bürgstein räumte ein, dass manche Kritik an der Kirche als Institution berechtigt sei, dass diese aber immer noch für viele Menschen Orientierung und Heimat bedeute. Die Forderung von Abgottspon, dass Kirche und Staat strikte zu trennen seien, konterte er mit dem Hinweis darauf, dass dies absurd sei in einer Zeit, in der das Thema Religion tagtäglich in unseren Medien auftauche.

Abgottspon griff mit deutlichen Worten vor allem die Römisch-katholische Kirche an, während er der Christkatholischen Kirche eine wohltuend liberale Grundeinstellung bescheinigte. In der Römisch-katholischen Kirche würden in inakzeptabler Weise die Frauen diskriminiert, sexuelle Übergriffe vertuscht und die Finanzflüsse seien intransparent.

Philipp Hadorn gestand ein, dass die Kirche eine Gemeinschaft von fehlbaren Menschen sei, dass in ihr aber viele Leute mit grossem Engagement unterwegs seien.

Solidarität der Kirchen gelobt

Domenika Senti konnte hier anknüpfen und betonte, dass sie in der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Stadt Solothurn gerade das soziale Engagement der Kirchen sehr schätze. Hierbei gehe der Einsatz von Freiwilligen aus den Kirchen signifikant über die Gewährung praktischer Hilfe hinaus, indem den hilfsbedürftigen Menschen auch Halt und seelische Unterstützung angeboten würden.

Wertemonopol umstritten

Wozu braucht es die Kirche sonst noch? Wolfgang Bürgstein stellte klar, dass von der Kirche Werte gelebt und gepredigt würden, die einerseits der Staat selbst nicht generieren könne, und die andererseits den sinnentleerenden Maximen von Geld, Macht, Erfolg, Karriere, Fitness und Jugendlichkeit entgegenstünden. Valentin Abgottspon hielt dem entgegen, dass die Kirche Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit usw. nicht gepachtet hätte. Diese könnten auch ohne die Kirche gelebt werden, zum Beispiel in der Freidenker-Vereinigung.

In der letzten halben Stunde griff das Publikum engagiert in die Diskussion ein, wobei sich vor allem freidenkerische und freikirchliche Positionen profilierten.

Pfr. Klaus Wloemer

 

 
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