KI in der Kirche I

«Die Christkatholische Kirche ist besonders ansprechend für Menschen, die Wert auf katholische Traditionen legen und gleichzeitig offen für Reformen sind», schreibt ChatGPT – also jene auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Plauderplattform im Internet, die aktuell in aller Munde ist. Mit einer Unmenge von Texten wurde das Modell darauf trainiert, menschenähnliche Gespräche zu führen. «Die Christkatholische Kirche legt grossen Wert auf eine feierliche Liturgie, einschliesslich der Verwendung von Weihrauch, Kerzen und liturgischen Gewändern», erklärt mir die künstliche Intelligenz und wirbt dann wortreich (darum hier gekürzt) weiter: Die Christkatholische Kirche stehe für ökumenische Offenheit und fördere die Gleichstellung aller Menschen (Frauenordination). Zudem setze sie sich für soziale Gerechtigkeit und Frieden ein. Das klingt doch ziemlich überzeugend, nicht?

Als Texterin und Dozentin für Kommunikation beschäftige ich mich seit einiger Zeit intensiv mit der Frage, wie künstliche Intelligenz meine Arbeit verändern wird. Im Moment schreibe ich noch packender; meine Sätze sind prägnanter und die Wortwahl bunter. In den meisten Fällen erkenne ich als Dozentin bisher, wenn Studierende künstliche Intelligenz beiziehen. Aber ich bin überzeugt: Das wird sich ändern.

In meinen Randbemerkungen will ich reflektieren, was die rasant wachsenden Fähigkeiten künstlicher Intelligenz für Glaubensgemeinschaften, für uns als Christkatholische Kirche bedeuten. Meine erste Erkenntnis: Es braucht heute noch Menschen, die Inhalte für eine Kolumne schleifen, kürzen und verdichten. Aber innert Sekunden zentrale Aspekte eines Themas in Worte fassen? Das kann die Maschine beeindruckend gut.

Anna Chudozilov