Mundpropaganda

Ich bin ein Buchfan. Schon als Kind habe ich gerne gelesen, im Erwachsenenalter eine Buchhandlung gegründet, Bücher herausgegeben. Und seit Kurzem schreibe ich selbst Bücher. Das Buch begleitet mich durchs Leben. Auch die Bibel.

Mit dieser bekunde ich indes in einem Punkt etwas Mühe. Zumindest teilweise. Immer dann, wenn im Zusammenhang mit dem Christentum von einer Buchreligion gesprochen wird. Ist das Christentum wirklich eine Buchreligion?

Von Jesus Christus gibt es kein einziges schriftliches Wort. Er hat alle seine Intensionen mündlich weitergegeben. Und nach Ostern wurde sein Auftrag von jenen, die ihn noch gekannt haben, mündlich weitergegeben.

Wenn in diesen ersten Tagen ein Buch für ihr Tun Bedeutung hatte, dann war es die hebräische Bibel, der «Tanach». Was in unserer Bibel geschrieben steht, wurde bekanntlich erst 70 bis 100 Jahre später von Christen aufgezeichnet, die Jesus nur «vom Hörensagen» her kannten. Es war ihr Versuch, das «Erbe» der Nachwelt zu erhalten.

Für mich ist das Christentum keine wirkliche Buchreligion. Alles, was es braucht, konnte Jesus seinen Jüngern mündlich vermitteln – weil Gottes Wort Fleisch geworden ist. Gerade das fasziniert mich am Christentum: Dass sein Auftrag so «einfach» ist, dass er nicht aufgeschrieben werden muss(te) und von jedem Menschen verstanden werden kann. Denn: Beste Werbung ist bekanntlich die Mund-zu-Mund-
propaganda. Das wusste schon der Herr und schickte seinen Sohn.