Der Dachschaden ist behoben!

Feierlicher Wiedereinzug in die neu renovierte Bieler Epiphanie-Kirche

Die Epiphanie-Kirche in Biel konnte nach einem langjährigen Prozess im Zweithalbjahr 2019 schliesslich doch renoviert werden. Am Samstag, 1.  Februar 2020, dem Vorabend von Lichtmess, zog die Gemeinde in einem feierlichen Gottesdienst wieder in die Kirche ein.

Kirchgemeindepräsident Peter Derendinger

«Haben Sie die Kirche wiedererkannt?» Aus der Frage des Bieler Kirchgemeindepräsidenten Peter Derendinger in seiner Begrüssungsansprache ist der Stolz über die Renovation der Epiphanie-Kirche deutlich herauszuhören. Und dieser Stolz ist auch berechtigt: Die Kirche mit ihrer schönen neuen Holzdecke, der modernen Beleuchtung und dem neuen Holzaltar beindruckt durch ihre Schlichtheit, wirkt hell und einladend. «Ein Bijou» – entfährt es so manchen der sehr zahlreichen Mitfeiernden aus Biel und der ganzen Schweiz.

Dass die Kirche in neuem Glanz erstrahlt, ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Die Bieler Pfarrerin Liza Zellmeyer sagte es in ihren Begrüs­sungsworten so: «Ich bin einfach froh und dankbar, dass wir heute überhaupt hier sein und zusammen feiern können. Wir haben damit rechnen müssen, unsere Kirche zu verlieren.» Der Weg zur neu renovierten Epiphanie-Kirche war ein langer und steiniger. Peter Derendinger schilderte diesen mühseligen Weg. Lange hatte es nicht gut ausgesehen, unter anderem der Einsatz von ­Asbest bei einer früheren Sanierung drohte die Renovationskosten in astronomische Höhen zu treiben. Das Renovationsprojekt – und damit das Weiterbestehen des Bieler Gotteshauses an sich – stand lange auf der Kippe. Schliesslich konnte die Kirche dennoch renoviert werden. Dies dank Menschen aus der Kirchgemeinde, die an das Projekt glaubten und alles unternahmen, um die Kosten auf über die Hälfte der zuerst veranschlagten zu reduzieren, und selbst an allen Orten anpackten. Dies aber auch dank der grosszügigen Solidarität von christkatholischen Kirchgemeinden aus der ganzen Schweiz, Einzelspenderinnen und Einzelspendern und der Unterstützung durch diverse Stiftungen und den Bieler Denkmalschutz.

«Ä Dachschade hei die!»

Auf den langwierigen Renovationsprozess ging auch der Theologe und Slampoet Andreas Kessler in seiner spritzigen Festpredigt ein. Es stelle sich doch die Frage, ob nicht nur das Kirchengebäude oder nicht etwa auch die Verantwortlichen der Gemeinde einen Dachschaden hätten angesichts der ausgeschütteten 1,1 Millionen Franken für das Gebetshaus einer so kleinen Kirchgemeinde. Allerdings, so der Prediger weiter: Wer so rede, habe Gemeinschaft nicht verstanden und erst recht nicht die Bedeutung von Liturgie. Der Weg zum neuen Dach und der neu renovierten Kirche sei für die Gemeinde aber schon hart gewesen. Trotz intensivem Beten habe kein Sturm den Kirchturm auf die Kirche fallen lassen, so dass dann immerhin die Gebäudeversicherung gezahlt hätte. Dafür sei dann aber die Gemeinde aufgestanden und habe sich mit grossem Einsatz in das Projekt gestürzt. So sei nun der Dachschaden behoben und die Kirche wieder abgedichtet, eingerichtet und hergerichtet. So dass in ihr die kirchliche Gemeinschaft wieder die Kraft zum Aufstehen und Aufgerichtet-Werden miteinander teilen könne. Denn genau das sei der eigentliche «christliche Dachschaden», dass die Christen nicht «abgedichtet» an denen vorbeigehen können, die nicht mehr selbst aufstehen können.

Ökumenische Verbundenheit und musikalischer Reichtum

Der festliche Gottesdienst stand auch ganz im Zeichen der ökumenischen Verbundenheit. So las die reformierte Pfarrerin an der Stadtkirche Biel, Kathrin Rehmat, die Epistel-Lesung und Vater Augustin Sokolovski von der russisch-orthodoxen Kirche sang die Fürbitten. Auch ihre gute Akustik konnte die Kirche in diesem Wiedereinzugs-Gottesdienst unter Beweis stellen. Musikalisch bereichert wurde der Gottesdienst durch Alexandre Dubach (Violine), Anton Kudryatsev (Gitarre) und Daniel Andres (Orgel) sowie vom Chor der Kirchgemeinde Allschwil-Schönenbuch unter der Leitung von Matthias Krüger.

Ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft

Nach der gelungenen Renovation und dem feierlichen Gottesdienst zum Wiedereinzug kann die Christkatholische Kirchgemeinde Biel mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Es ist der Gemeinde zu wünschen, dass die schön renovierte Epiphanie-Kirche ein Ort lebendigen Gemeindelebens sein kann. Ein Ort des Gebetes und der Gemeinschaft, der auch in die Stadt Biel hinauszustrahlen vermag. Oder um es mit den Worten des Festpredigers Andreas Kessler zu sagen: «Wüu das Huus isch ja nit würklech üs, nei, es isch ä Hülle, wo mir mit Läbe wei fülle.»

Thomas Zellmeyer

 

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