Reifes und noch Unreifes

Synodalratspräsidentin Manuela Petraglio stand an der Präsidientagung mit den Mitgliedern des Rates Red und Antwort. Foto: zVg

Tagung für Präsidien und Finanzverantwortliche

Synodalrat und Bischof informierten über wichtige laufende Geschäfte wie die Erhebung des Zentralbeitrags, die Debatte zur «Ehe für alle» und die Revision des Reglements bezüglich Ausbildung von Geistlichen und deren Mitgliedschaft in unserer Kirche.

Synodalratspräsidentin Manuela Petraglio und Bischof Dr. H. Rein begrüssten am 26. Januar die zahlreich erschienenen Präsidentinnen und Präsidenten sowie Finanzverantwortliche der Kirchgemeinden im Saal der Christkatholischen Kirchgemeinde Olten. Gemäss einem Vorschlag aus der Teilnehmerschaft, den der Synodalrat gerne aufgenommen hatte, war die Vormittagssitzung, im Sinne eines Versuchs, für die Finanzverantwortlichen vorgesehen, während das Programm am Nachmittag nach dem gemeinsamen Mittagessen für alle auf die Präsidentinnen und Präsidenten zugeschnitten war. Erfreulicherweise wurde von vielen die ganze Tagung besucht.

Zentralbeitragsberechnung ist nun  transparent

Viel zu diskutieren gab in der jüngeren Vergangenheit die Berechnung des Zentralbeitrags der Kirchgemeinden an die Gesamtkirche. In den letzten Monaten hatte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Finanzverwalterin Anne Loch die Darstellung der Berechnung stark verbessert. Diese Darstellung ist nunmehr so transparent und nachvollziehbar, dass sich weitere Fragen nach der Präsentation erübrigten.

Die Nationalsynode und weitere Gremien werden sich weiterhin beschäftigen mit der Zukunftswerkstatt, die an der Session von 2018 eröffnet wurde. Die Synodalratspräsidentin stellte das Ergebnis erster Auswertungen durch die zuständige Arbeitsgruppe und durch Bischof und Synodalrat vor. Dabei haben sich Schwerpunkte herausgebildet, welche für die weitere Arbeit massgebend sein werden.

Zum Thema «Gleichgeschlechtliche Partnerschaften in der Kirche» hat die Nationalsynode an ihrer Session von 2018 auf Veranlassung der Christkatholischen Jugend der Schweiz einen Antrag überwiesen, welcher auf mehr Gerechtigkeit und auf die Abschaffung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften abzielt. Der Bischof orientierte darüber, dass auch andere altkatholische Kirchen und die Internationale Altkatholische Bischofskonferenz sich mit der Thematik befassen und dass nach konsensfähigen Lösungen gesucht wird. Somit wird die Synode an ihrer Session von 2019 noch keine konkreten Beschlüsse ­fassen können, wohl aber sind detaillierte Informationen zur Entwicklung in dieser Angelegenheit zu erwarten.

Bezüglich Ausbildung von Geistlichen und deren Mitgliedschaft in der Geistlichkeit der Christkatholischen Kirche der Schweiz stellte der Bischof ein neues Reglement in Aussicht, das der Synode vorgelegt wird. Dieses neue Reglement ist notwendig, weil sich mit dem ab 2020 geltenden Landeskirchengesetz im Kanton Bern die rechtlichen Verhältnisse im genannten Bereich ändern werden, so dass die Kirche über ein eigenes Entscheidungsorgan verfügen muss für die Beurteilung von Kandidatinnen und Kandidaten für den Kirchendienst.

Bistum auf Sparkurs

Zum Thema «Finanzielle Perspektive des Bistumshaushalts» wurden erste Anregungen von Bischof und Synodalrat zu Einsparungen, Effizienzsteigerung und Nutzung von Synergien (in der Zusammenarbeit der Verwaltung von Kirchgemeinden und des Bistums) vorgelegt. Es wurde festgestellt, dass die Kosten im Zusammenhang mit der Nationalsynode in den letzten Jahren stark zugenommen haben, dass aber in diesem Bereich Sparpotenzial auszumachen ist. Einzelne Massnahmen können ohne grössere Probleme kurzfristig umgesetzt werden. So begrüssten die Anwesenden weitgehend den Vorschlag, die umfangreichen Synode-Dokumente nicht mehr in Papierform, sondern per E-Mail zu versenden. Auch im Hinblick auf längerfristige Massnahmen, die eine Revision der Kirchenverfassung mit einem Zeitbedarf von mindestens vier Jahren erfordern würden, wurde engagiert diskutiert. In diesen Bereich würde etwa eine Abkehr von der jährlich stattfindenden zweitägigen Session fallen. Obwohl jährliche eintägige Versammlungen oder alle zwei Jahre stattfindende zweitägige Sessionen willkommene Einsparungen bringen würden, wurde mehrfach der Vorteil der «Netzwerkmöglichkeiten», d. h. der Möglichkeiten zur Pflege persönlicher Kontakte in der bisherigen Praxis, angesprochen.

Weitere Informationen betrafen die Realisation eines neuen Erscheinungsbildes der Kirche, insbesondere eines neuen in der ganzen Kirche verwendbaren Logos, im Hinblick auf die bevorstehenden Jubiläen ab 2022 und die Handhabung von öffentlichen Vernehmlassungen und Stellungnahmen von Bischof und Synodalrat, welche sachliche Prioritäten berücksichtigt und vor allem die Eigenverantwortlichkeit der Kirchenmitglieder respektiert.

Etliche Kirchgemeinden sind gegenwärtig daran, ihr Organisationsreglement oder ihre Kirchgemeindeordnung zu revidieren. Sie werden gebeten, revidierte Ordnungen im Entwurfsstadium dem Synodalrat zur Überprüfung der Vereinbarkeit mit der gesamtkirchlichen Gesetzgebung vorzulegen und dann, in der endgültigen und von der Kirchgemeinde genehmigten Fassung, zur definitiven Genehmigung.

Die Synodalratspräsidentin schloss die Tagung mit dem Dank an die Teilnehmenden für die engagierte Mitarbeit und an die Kirchgemeinde Olten für die Gastfreundschaft und kündigte die nächste Tagung Anfang 2020 in Magden an.

Pfarrer emeritus Rolf Reimann, Sekretär des Synodalrats