Beten mit Leib und Seele: Meine Hände

Die neun Gebetsweisen des heiligen Dominikus. Bibliotheca Vaticana (Codex Rossianus 3).

Wie wunderbar
meine Hände sind.
Geschaffen und geschenkt,
um die Welt zu berühren.
Zart oder fest.
Menschen und Dinge, Pflanzen und Tiere.
Blüten und Haut, Steine und Gras.
Meine Seele spiegelt sich in den Händen.

Offen für alles,
zeigen die Handflächen
die Suche und Sehnsucht meines Herzens
nach Begegnung und Fülle und Glück.
Die offene Hand und das schauende Auge
wenden sich nicht ab vom Leiden,
vom Kreuz des Geschundenen,
vom Kummer der anderen.

Gefaltete Hände sammeln
den Willen, den Geist und die Kraft,
sammeln und führen nach innen,
hin zum Grund allen Seins.
Zur Gegenwart Gottes in mir.
Zum Zentrum der Welt,
wo Lieb und Leid, Zeit und Ewigkeit
gesammelt sind im göttlichen Sein.

In meinen Händen
Les` ich das Buch meines Lebens.
Den tiefen Blicken zeigen sich
Staunen, Freude, Erschütterung.
Im Beten öffnen sich Abgründe.
Das Helle, die Schatten
schaue ich in meinen Händen.
Leben, Vergehen und Tod.

Im Beten offenbart sich zugleich
der göttliche Wille zum Leben.
Unbezwingbar, liebevoll, stark.
Das Leben lebt unüberwindlich
durch Christus in mir.

Pfarrer PD Dr. Michael Bangert