Ein neuer Blick

«Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und Morgen: der sechste Tag.» (Genesis 1, 31)

«Und siehe, es war sehr gut». Dieser Vers ist der Leitsatz der diesjährigen Schöpfungszeit, die sich dem Sinn des Sehens widmet. Gott hat nach den jeweiligen Schöpfungen der Pflanzen, der Gestirne und der Tiere sein Gefallen an seinem Werk ausgedrückt mit den Worten: «Gott sah, dass es gut war.» Dies gipfelte am Ende der ganzen Schöpfung in unserem Vers. Gott betrachtete sein Werk, und siehe, es war sehr gut.


Wenn wir heute die Erde anschauen, fällt unser Blick oft zuerst auf all das, was nicht so ist, wie es sein sollte: die durch den Menschen verursachten Veränderungen in der Umwelt mit all ihren negativen Folgen wie dem dahinschmelzenden ewigen Eis, der schwindenden Anzahl an Pflanzen- und Tierarten, den zunehmenden Umweltkatastrophen. Alles Zustände, die in uns alles andere als ein «sehr gut» hervorrufen. Ein Blick, der in uns Angst und Sorge gross werden lässt. Schlechte Ratgeber, die eher Ohnmacht als tatkräftiges Handeln wecken.


Die diesjährige Schöpfungszeit will uns ermutigen, einen neuen Blick auf die Schöpfung zu werfen: Auf die Blumen im Garten und auf dem Feld mit ihrem verzaubernden Duft und Farbenspiel, die Libelle, die ausgewachsen höchstens wenige Monate alt wird und doch ein Facettenauge aus bis zu 28.000 Einzelaugen besitzt, der Wald, der uns durchatmen und neue Energie tanken lässt. Ein Blick, der in uns Staunen und Wunder hervorruft. Und damit die Motivation, Gottes Schöpfung in all ihrer Schönheit zu bewahren, damit sich auch unsere Kinder und Grosskinder noch an der Erde mit all ihrem Guten erfreuen dürfen.

Sarah Böhm-Aebersold