Emmausjünger

«Als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, dankte, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn.» Lk 23,30f.

Am dritten Tag nach der Kreuzigung sind zwei Jünger auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Ein Dritter gesellt sich dazu. Die zwei reden über ihre traumatischen Erlebnisse, der dritte gibt sich ahnungslos. Verwunderung: «Hast du denn nicht gehört, was sich ereignet hat?» «Was denn?» Und sie beginnen zu erzählen. Irgendeinmal beginnt dann der Unbekannte selbst zu erklären. Aber der Groschen fällt erst, als dieser das Brot nimmt, es segnet und bricht. «Es ist der Herr!» 

Weder Aussehen noch Stimme lassen offenbar auf ihn schliessen. Und seine Ausführungen darüber, wie sein Schicksal in den Schriften des alten Bundes bereits angedeutet sei, könnten von irgendeinem Gelehrten stammen. Was aber bei Tisch geschieht, ist quasi ganzheitliches Erleben. Die beiden Jünger spüren: Jesus teilt nicht nur das Brot, er teilt sein Leben mit ihnen. Er hat gelitten, er wurde zu Tode gebracht. Was er war, wurde zerschlagen. Und damit hat er sich in Gemeinschaft mit uns eingelassen. Vielfältiges Leiden ist wohl kaum einem Menschen ganz fremd. Jedes menschliche Leben kann zerbrechen, Vertrautes kann wegsterben und Leere hinterlassen. Aber Jesus ist schliesslich auferstanden. Und in die Auferstehung will er uns alle mitnehmen. Am Ende der Finsternis kann neues Licht aufleuchten. Früher oder später. Damit ist Jesus wohl weniger für uns, als eher mit uns gestorben. Denn erfülltes Leben ist kaum ohne die Erfahrung des Leidens denkbar. Aber begleitet von der Verheissung einer Auferstehung, in die er uns vorangegangen ist.                                     

Pfarrer emeritus Niklaus Reinhart