Kapelle St. Fridolin in Möhlin-Riburg

Beitragsreihe „Kapellen in der Schweiz“

Am 19. Oktober 2019 feiern wir das Jubiläum eines kleinen, aber besonderen Gotteshauses: Die St.-Fridolins-Kapelle in Möhlin-Riburg wird 300 Jahre alt. Für dieses Jubiläum hat das Chäppeli einen neuen Anstrich bekommen, kleine Schäden wurden ausgebessert und die Orgel aufgrund des Schimmelbefalls gereinigt und revidiert. Im Schlussstein über dem Türbogen der Fridolinskapelle kann man das Jahr 1719 lesen, das Jahr nämlich, in dem die Kapelle fertiggestellt wurde. Ihr Stifter, «der Ehrsamme Jahann Adam Kühm (Kym) und Anna Ruefflin seine Frau», kam später, nämlich im Jahre1750, bei einem Hausbrand mit vier Dienstboten ums Leben. Grund für dieses tragische Unglück war entweder eine nicht gelöschte Lampe oder eine im Schlaf heruntergefallene Tabakpfeife. So kann man es zumindest im «Liber parochialis» nachlesen, das davon berichtet, was «man erzählt» hat.

Zu Ehren des Stifters, seiner Familie und der erwähnten Dienstboten wurde eine eiserne Grabinschrift in Form eines kleinen Schreins gefertigt, der nun anlässlich des 300-jährigen Jubiläum seinen Ehrenplatz im Chäppeli erhält und künftig von den Besucherinnen und Besuchern des renovierten Gotteshauses besichtigt werden kann. Dieser Schrein ist übrigens der einzige historische Hinweis auf den Stifter und Erbauer der Kapelle, denn alle so genannten Stiftungs- und Jahrzeitbücher, wie sie in den Pfarrämtern geführt wurden, sind im Laufe der Geschichte leider verlorengegangen. Damals wurden solche Bücher, wie übrigens auch die Zivilstandsbücher für Taufen, Trauungen und Beerdigungen, nicht von der Einwohnergemeinde, sondern von den Pfarrämtern geführt. Wie die Gottesdienstpraxis in der Kapelle war, ist im Detail nicht sicher zusagen. Man kann aber vermuten, dass dort zu Ehren des damals in dieser Region sehr beliebten und verehrten heiligen Fridolin an dessen Gedenktag eine heilige Messe gefeiert wurde. Ebenso kann man davon ausgehen, dass die Jahrzeiten für diejenigen Verstorbenen gehalten wurden, die durch eine so genannte «Jahrzeitenstiftung» zum Unterhalt des Pfarrers beitrugen und damit das Anrecht erworben hatten, dass man ihrer und ihrer Angehörigen in der hl. Messe zur Jahrzeit gedenkt.

In der «Geschichte des Dorfes Möhlin» von 1959 zitiert Karl Schib dazu: «Jacob Kym der Elter, Müller, stiftete für sich, seine Hausfrau, Verena Rebmennin, und ihre Tochter, Dorothea selig, eine Jahrzeit; die Stiftungssumme von 70 Pfund wurde gegen einen jährlichen Zins von drei Pfund und zehn Schilling Fritz Müller geliehen, der eine Reihe von Grundstücken als Pfänder einsetzte; vom Zins erhielten das Gotteshaus und der Pfarrer alljährlich je ein Pfund und zehn Schilling und der Sigrist zehn Schilling» (S. 181). Diese Praxis war –zumindest für die, die es sich leisten konnten – keine Seltenheit und kann auch für die Fridolinskapelle angenommen werden. Das Chäppeli St. Fridolin hatte jedenfalls von Anfang an seinen festen Platz im Dorfleben und ist bis heute das einzige Gotteshaus im Ortsteil Riburg. Die «Rübrger» nennen es darum auch liebevoll ihr «Rübrger Münschter», das nicht aus dem Dorfbild wegzudenken ist. So ist es bis heute Teil einer besonderen Geschichte.

Christian Edringer