Kleine biblische Zoologie, Folge VII

Der Löwe – der König der Tiere

Der Löwe ist das in der Bibel meist genannte Wildtier. Löwen kamen in Palästina bis ins 13.  Jahrhundert n. Chr. vor und wurden dann ausgerottet. Die meisten Menschen erliegen der Faszination dieser grossen, in Familienverbänden lebenden Raubkatze. Der Löwe wird wegen seiner majestätischen Erscheinung bewundert (Spr 30,30), im Volksmund gilt er als ­«König der Tiere». Gefürchtet wird er wegen seinem bedrohlichen Gebrüll (Am 3,8). Wie heute auch waren die Menschen im alten Bund durch Löwen nicht eigentlich gefährdet. Hingegen wurde sein Speisezettel sicher durch den Verzehr von Nutztieren berei­chert, waren diese doch leichter zu überwältigen als etwa wildlebende Gazellen.

Hirten wird der Löwe durchaus begegnet sein, ihn notfalls zu bekämpfen ihre Aufgabe. Als Hirte hat David den Löwen schon erlegt, was ihn im Vertrauen auf Gott auch furchtlos gegen Goliath antreten liess (1.Sam 17,31-36). Der Löwenjagd wimdete sich nur der König als Repräsentant der Götter, weil Löwen nach der Vorstellung der Menschen damaliger Zeit nur von Göttern besiegt werden konnten. So war Salomos Thron mit 14 Löwen geschmückt (1.Kön 10,19.20). Gott selbst vergleicht sich im Zorn über die Untreue des Volkes mit einem reissenden Löwen (Hos 5,14).

Erwähnenswert ist auch die Geschichte von Daniel in der Löwengrube. Daniel überlebte die Nacht bei den Löwen unversehrt. Seine Neider, welche den König dazu veranlasst hatten, Daniel so zu strafen, wurden ihrerseits zu den Löwen gesetzt. Keiner überlebte (Da 6,2-29). Die Geschichte will uns zweierlei zeigen: 1) Man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen; 2) Man soll Gott auch in auswegloser Situation vertrauen.

Im Neuen Testament wird der Teufel mit einem brüllenden Löwen verglichen (1.Petr 5,8) und auch Jesus Christus wird als mächtiger Löwe dargestellt (Offbg 5,5). Wie also der Löwe die menschliche Fantasie durch die Jahrtausende hindurch bis heute anregt, so wird er auch in der Heiligen Schrift in verschiedenen Facetten dargestellt.

Jürg Meier