ChriSoLa – Mörlialp forever!

Es ist jedes Jahr dasselbe Prozedere. Im Mai, wenn das Schuljahr auf Hochtouren dem Ende zusteuert, rüge ich mich, wieder der Leitung des Christkatholischen Sommerlagers zugesagt zu haben. Als hätte ich, als Lehrerin, nicht täglich bereits genug Kinder um die Ohren und doch ein bisschen Ferien nötig.

Im Juli, wenn das Postauto nach 99 (oder 101?) Kurven vorfährt und alte Lagerhasen und unsichere Neuteilnehmende aussteigen, ich den Geruch des Jugendhauses augenblicklich aufnehme, die Kuhglocken wohltuend läuten, graue Regenwolken sich über den eben noch sonnigen Himmel schieben, Wanderschuhe und Pingpong-Schläger im Keller deponiert werden… spätestens dann, hat mich die Mörliwelt in ihrem Bann und ich werde nach 13 Tagen Lagerleben sagen, dies war das beste Lager seit eh und je!

Das ChriSoLa – eine Konstante
Das ChriSoLa auf der Mörlialp ist die Konstante in meinem Leben. Mein Geburtstag liegt im Juli, daher nicht feierbar, weil alle immer in den Sommerferien sind. Es sei denn, man ist dann im ChriSoLa. Heuer bin ich 50 geworden und kann, beinah nahtlos, 40 Mörlialp-Sommer feiern. Im ChriSoLa sein bedeutet in einer eigenen Welt sein. Hier wachsen die Einzelnen zu einem Ganzen zusammen, fern ab vom Alltag, weit weg von Routine, Sorgen, Rollen und Eingeschliffenem. Hier häutet man sich, öffnet seine Sinne, wird reich an Erlebnissen, wird getröstet wenn das Heimweh plagt, lernt dieses überwinden, wächst, wandert seine längste Wanderung, möchte lieber in den Boden versinken, als in der Disco mit seinem Schwarm tanzen und stellt fest, dass das Essen, was man doch nicht mag, mega gut schmeckt.

Hier findet man alte und neue Freundschaften, die so stark sein können, dass sie ein Leben lang halten, oder man sich ein Jahr lang danach verzerrt, wie auch nach dem Mörligeist, der hartnäckig bleibt, trotzdem man nicht an ihn glaubt, das Wetter so gar keine Rolle spielt, weil die Natur jeden Tag immer prächtig ist und Lust weckt im Wald zu rennen und über Kuhwiesen zu stolpern, ob es nass ist, man von oben bis unten verschlammt wird, oder nicht. Hier reist man in die Vergangenheit, um die Welt oder in die Zukunft, schlüpft in andere Rollen, lässt alle glauben, was erzählt und gespielt wird und ist Teil einer unerschöpflichen Kreativität und einer Verbundenheit, gewachsen aus dem Teilhaben und Teilnehmen des Erlebten – eine unvergessliche Bereicherung, für immer.

Ich bedanke mich bei allen ChriSoLa-Kindern, es ist das Schönste eure Freude zu sehen und zu spüren. Ich bedanke mich bei allen Eltern, die mutig loslassen und ihren Kindern ermöglichen, das Lagerleben zu erleben. Ich bedanke mich bei allen JungleiterInnen, die sich mit Feuer und Flamme auf dieses Abenteuer einlassen und fortsetzen, was mir so viel bedeutet. Ich bedanke mich bei allen Freunden, die mit mir alle Jahre wieder den Karren schmeissen, sei es in der Küche oder im Leitungsteam, und ich bedanke mich bei Alois Schmelzer, den ich diesen Sommer so sehr vermisst habe.

Mörlialp forever!

Nathalie Rebetez


Impressionen aus dem ChriSoLa 2


Leserbrief zum Artikel ChriSoLa I 2020

Mit Freude, Rührung, Anteilnahme und etwas Wehmut habe ich die Berichte von James und Michaël über ihre Lagererlebnisse gelesen. Bin ich vielleicht sogar etwas neidisch geworden? Nur ganz, ganz wenig, durfte ich doch in meinem Leben selbst viele schöne, ereignisreiche und prägende ChriSoLas erleben. Als Kind, als Hilfsleiterin oder als Köchin.

Wir können wirklich sehr dankbar sein, dass es immer wieder junge (oder manchmal auch weniger junge) Leute gibt, die sich als Leitungspersonen einspannen lassen. Für all das Schöne, Lustige und Lehrreiche, das sie und die teilnehmenden Kinder erleben können, müssen sie in ihrer Freizeit viel Energie, Fantasie und Arbeit aufwenden.

Auch den Eltern können wir danke sagen: Es fällt nicht allen leicht, ihre Kinder oft ganz unbekannten Personen anzuvertrauen. Ich hoffe, die engagierten und positiven Berichte (und die lustigen Fotos) ermutigen viele Familien aus der ganzen Schweiz, nächstes Jahr ihre Kinder ins ChriSoLa zu schicken. Und hoffentlich wird es auch weiterhin Menschen geben, welche sich als Leitungspersonen für diese gute Sache zur Verfügung stellen.

Seit ein paar Jahren gehe ich das «Lagerleben» etwas ruhiger an. Lustig und vergnügt ist es dennoch – in der Berghüsli-Ferienwoche! Statt um den Pingpong-Tisch herumzu«speeden», sitzen wir dort z.B. um den Jassteppich. Statt Disco gibt’s Live-Volksmusik. Diese Woche zusammen mit meinem Mann zu organisieren und für unsere Gäste zu kochen, freut mich jeweils sehr.

Jetzt habe ich noch einen grossen Wunsch: Michaël, Glenn, Mélodie, Livia, Léonie, Colin und ihr andern: Würdet ihr dann bitte so in ca. 20 Jahren die Organisation der Berghüsli-Ferienwoche übernehmen? (Gerne auch mit anderem Musikstil). Das wäre super. Ich würde mich dazu jetzt schon gerne anmelden. Einverstanden?

Martina Felchlin, Buchs