Der Schatz, der aus dem Archiv kam

Neues Buch beleuchtet die Geschichte des Rheinfelder Chorherrenstifts

Vor 150 Jahren ist das Chorherrenstift zu St. Martin in Rheinfelden aufgelöst worden. Ein neues Buch von Chris Leemann und einem Autorenteam befasst sich mit dem Ende des Stifts – und dem Danach.

Rheinfelden. Über Jahrhunderte war das Chorherrenstift St. Martin das geistige und geistliche Zentrum von Rheinfelden. Dann, am 25. November 1870, hat der Grosse Rat des Kantons Aargau die Aufhebung des Stifts beschlossen. «Damit schliesst ein Kapitel der über 600-jährigen Kulturgeschichte kirchlicher Traditionen, der höheren städtisch-kirchlichen Lateinschulen, des Ausflugs der juristischen Fakultät der Universität Basel nach Rheinfelden, der Streitereien zwischen städtischer Bürgerschaft und kirchlicher Chorherren über die Pfründe in den umfangreichen Ländereien, der speziellen Präferenzen und der Regentschaft eigenwilliger Pröbste, der Pflege der Musik und der Förderung der Kunst und Baukultur», hält Chris Leemann fest. Der Vizepräsident der christkatholischen Kirchgemeinde Rheinfelden-Kaiseraugst ist der Initiator des Buches «Das Chorherrenstift St. Martin, sein Ende und das Danach», das anfangs Dezember erschienen ist.

Erster christkatholischer Bischof in Rheinfelden geweiht
«Die Idee dazu entstand bei der Aufarbeitung des Archivs. Wir hatten das Glück, drei Archivarinnen und Archivare zu finden, die mit Begeisterung die vielen Unterlagen sortierten. So sind wir darauf gestossen, dass vor 150 Jahren das Chorherrenstift aufgelöst wurde. Dieses Jubiläum haben wir zum Anlass für dieses Buch genommen», schildert Leemann. Die Arbeit dazu begann Anfang des Jahres. Das Werk mit seinen über 220 Seiten vereint sehr unterschiedliche Texte. Das historische Fundament legt ein Auszug aus einem Beitrag von Guy P. Marchals, der die Geschichte des Stifts von seiner Gründung, vermutlich im 12. Jahrhundert, bis zu seiner Auflösung schildert.

Ein anderes Kapitel schlägt Chris Leemann auf. In einem Kurzroman, der im Buch enthalten ist, schildert er eine Zeit des Umbruchs und ihre Folgen für das Städtchen Rheinfelden: Am 18. Juni 1870 erklärte das vatikanische Konzil unter Papst Pius IX die Unfehlbarkeit des Papstes. Dagegen formierte sich Widerstand, aus dem schliesslich die altkatholische respektive christkatholische Kirche entstand. Am 2. November 1873 fassten die Rheinfelder Katholiken einen Protestbeschluss, mit hundert zu einer Stimme sagten sie sich los von Rom. Am 18. September 1876 wurde in der Rheinfelder Stadtkirche St. Martin der erste christkatholische Bischof der Schweiz, Eduard Herzog, geweiht. Die Reaktion aus Rom liess nicht lange auf sich warten: Der neue Bischof wurde am 6. Dezember 1876 vom Papst exkommuniziert und verbannt. Leemann lässt in seiner Geschichte bekannte Rheinfelder Persönlichkeiten auftreten und zu Wort kommen, unter anderem Pfarrer Carl Schröter, Zeichenlehrer Gustav Kalenbach oder Emil Baumer, Stadtrat, Verleger der «Volksstimme aus dem Fricktal» und Bezirksamtmann. «Ich will mit meinem Text das damalige Milieu schildern und lasse deswegen Personen auftreten, die in Rheinfelden etwas zu sagen hatten. Denn es geschah etwas nicht Alltägliches», so Leemann.

Wächterinnen des Paramentenschatzes
Nicht primär mit der Vergangenheit, sondern mit der Gegenwart befasst sich der Text von Edi Strub unter dem Titel «Vier Frauen wachen über den Paramentenschatz». Darin wird beschrieben, wie sich Jolanda Capomolla, Hanny Holer, Karin Persy und Regina Manger mit viel Hingabe um die textilen Kostbarkeiten der Stadtkirche kümmern.

Das Buch «Das Chorherrenstift St. Martin, sein Ende und das Danach» ist in einer Auflage von 800 Exemplaren erschienen und kostet Sfr. 30.– (inkl. Versand). Mail-Bestellung: chorherrenstift(at)christkatholisch.ch
Valentin Zumsteg (NFZ)