Ein Lager, das allen «auf den Geist ging»

An den vergangenen zwei Nationalsynoden wurde viel über die Zukunft der Kirche debattiert, dies in sogenannten Zukunftswerkstätten. Wenn eine Zukunftswerkstatt diesen Namen seit vielen Jahren verdient und ihrem Namen entspricht, dann ist es das ChriSoLa – in diesem Jahr mit einem «geistreichen» Unterhaltungsprogramm und hohem Besuch.

Am Abend des 1. August 1291 kam eine berittene Botin des Standes Nidwalden mit der Mitteilung nach Sarnen, dass eben auf dem Rütli drei Eidgenossen einen Schwur geleistet hätten, die den Urnern, Schwyzern und den Waldstättern Freiheit, Recht und Gleichheit bringen soll. Da dieser Bund Verstärkung benötigte, um seine Anliegen durchzusetzen, beauftragte der Sarner Schultheiss den Jungbürger Heinrich von Glaubenbiehl nach Sörenberg ennet dem Pass zu eilen, um dieses Gesuch nach dem befreundeten Luzern weiterzuleiten. Heinrich machte sich gleich auf und stieg zur Mörlialp hoch. Diese wurde vor langer Zeit schon aufgegeben, denn das Schmelz- und Regenwasser sammelte sich in der Kuhle des Waldes und breitete sich derart aus, dass die Alphütten bald im Wasser standen. Es war schon dunkel, als Heinrich die verlassene Alp erreichte. Heinrich kannte einen sicheren Übergang, aber in der Finsternis verirrte er sich trotzdem und geriet ins Moor, wo er versank.

Als man gewahr wurde, dass keine Botschaft ankam, stieg einer zur Alp hoch, fand aber keinerlei Zeichen von Heinrich. Unverrichteter Dinge kehrte er um und es dauerte mehr als eine Woche bis die Luzerner auf anderem Weg zu dem Gesuch der Eidgenossen kamen. Heinrich jedoch blieb für
immer verschollen. 

Eine Alp hofft auf Erlösung

Seit alters her erzählt man sich, dass Heinrich oben auf der Alp umgeht und mit allen Mitteln versucht, Leute von diesem Ort fernzuhalten, damit ihnen nicht das gleiche Schicksal wie ihm widerfährt und so spukt der Mörligeist bis heute. Man sagt aber auch, dass Heinrich einen Ring getragen habe, den er vor seinem Ertrinken an einen dünnen Ast, der aus dem Moor ragte, gesteckt habe. Wer diesen Ring findet (heute wohl im längst verlandeten Teil des Moors) kann Heinrich und die Alp erlösen. Heinrich war mit Elisabeth Schnyder verheiratet, welche in diesem Jahr ihr viertes Kind erwartete. Auch sie liess nach dem verschollenen Gatten suchen, man fand aber nur ein Amulett, welches Elisabeth als ihrem Mann gehörend identifizierte. Ein Mönch aus dem Kloster Sarnen erinnerte sich, dass er am Abend, als Heinrich verschwand, einen Mann am Seeende getroffen habe und mit diesem zusammen ein Hähnchen verspiesen habe. Dazu hätten sie einen Becher Wein getrunken. Der Mann (Heinrich?) habe ihm dann den Becher überlassen. Der Klosterbruder berichtete ausserdem, dass der Mann eine Ledertasche bei sich hatte. 

Als Elisabeth ihr Kind gebar – es war ein Knabe – liess sie es auf den Namen Heinrich taufen. Der Familienzweig der Schnyders ist noch heute in der Gegend ansässig.  Ein Kruzifix, welches Heinrich gehört haben soll, ist im Besitz der Schnyders.

Auch die Sörenberger suchten nochmals mit einem Floss nach dem vermissten Boten. Sie berichteten danach, ein helles Glöckchen im Moor gehört zu haben. Vor Schreck verloren sie den Boots-Stachel. 

Zur 700-Jahre-Feier der Eidgenossenschaft erinnerte man sich wieder der Geschichte aus der Sarner Chronik. Prof. Dr. Rudolf Hinz-Kunz blätterte jedoch vergebens in dem altehrwürdigen Buch – die Seiten waren nicht mehr da! Der Professor unternahm mit Suchgeräten und einem Spürhund die Suche nach dem herumgeisternden Heinrich von Glaubenbiehl. Dabei kam er ins Jugendhaus, denn von dort war zu hören, dass ein Geist umgehe. Er blieb über Nacht, mass aber dem Klavierspiel, welches um Mitternacht zu hören war, keinerlei Bedeutung zu. Hätte er das Klavier untersucht, wären ihm die seltsamen Fingerabdrücke nicht entgangen. Auch als sein Hund auf dem Rückweg einen Pouletknochen fand, schlug er nicht die geistige Brücke zum damaligen Abendessen von Heinrich und dem Mönch und so blieb seine Exkursion ohne Ergebnis …

Weiter auf Erlösung warten

Dieses Jahr gelang es dem Chrisola die Geheimnisse des sagenumwobenen Mörligeistes aufzuklären. Auch erwarben wir mit Einsatz, Grips und viel Geschick sensationelle Fundstücke. 

Nach dem Besuch des – von unseren Fähigkeiten beeindruckten – Historikers Professor Hinz-Kunz (Bild) aus Sarnen, führten Jael und Mathys folgendes Interview mit Amélie, Conzalo und Till:

Seit wann ist die Mörlialp verwunschen?

A: Seit 1291. C+T: Ich glaube, seit etwa 600 Jahren, oder seit 1291.

Warum ist sie verwunschen?

A: Weil ein Mensch im Moor versunken ist. C+T: Weil vor all diesen Jahren Heinrich von Glaubenbiehl im Moor verschwunden/versunken ist.

Wer ist der Mörligeist und weshalb treibt er seinen Spuk? 

A: Heinrich von Glaubenbiehl – und er will die Kinder vom Moor fernhalten. C+T: Heinrich von Glaubenbiehl ist der Mörligeist. Und er will alle Leute von der Mörlialp vertreiben, damit niemand ins Moor fällt.

Wie kann man sie erlösen?

A: Man muss den Ring finden. C+T: Die Mörlialp kann man erlösen, wenn man diese Gegenstände findet: einen Becher, eine Glocke, ein Amulett, ein Kreuz, eine Ledertasche, ein Stück Holz vom Floss, eine Schriftenrolle, Fingerabdrücke, einen Boots-Stachel und einen Pouletknochen.

Wer kann sie erlösen?

A: Die Kinder. C+T: Nur die coolen Kinder.

Wann und unter welchen Bedingungen kann man sie befreien?

A: Am 2. August und wenn der Blutmond scheint (was sehr selten ist). C+T: Nur am 2. August 2018 und wenn man alle Gegenstände – und Heinrichs Ring – gefunden hat.

Wie viele Hinweise habt ihr schon gefunden?

A: Wir haben eigentlich alle Hinweise für die Befreiung gefunden. C+T: Alle.

Wisst ihr was diese Hinweise bedeuten?

A: Ja. C+T: Wenn man alle Hinweise gefunden hat, ist der Mörligeist befreit.

Hat er euch schon Streiche gespielt?

A: Ja, in diesem Lager sogar mehrere. C+T: Ja, in diesem Lager und auch bereits vor vier Jahren.

Welche?

A: Zum Beispiel in der Nacht alle Schuhe vom Schuhraum rausgestellt. C+T: Er hat die Kleider aus dem Kasten genommen, er hat Koffer falsch gepackt, Matratzen aufgestellt, die Küche verwüstet, den ganzen Frühstücksraum durcheinander gebracht und uns Notizen hinterlegt.

Glaubst du an die Befreiung des Mörligeistes?

A: Nein, wir haben es ja auch nicht geschafft. Der Ring verschwand wieder! C+T: Sicher nicht.

Nun, wie gewonnen, so zerronnen – eigentlich sind wir uns einig. Nachdem wir der Erlösung so nah waren, wollen wir das Erreichte fortsetzen und im nächsten Chrisola 2019 den Mörligeist endlich befreien, der sich scheinbar nicht befreien lassen will? 

Jael und Mathys