«Feuriger» Appell für «Einheit in Vielfalt»

Aram I, Katholikos der Armenisch-Apostolischen Kirche von Kilikien, überreicht Harald Rein (r.), Bischof der Christkatholischen Kirche der Schweiz, ein kunstvolles Kreuz. Fotos: Lenz Kirchhofer

Aram I sprach sich bei seinem Besuch in Bern in der Kirche St. Peter und Paul in einer engagierten Rede für die Einheit der Kirchen in Vielfalt aus. Der Kathedralvesper wohnten viele Christinnen und Christen aus verschiedenen Konfessionen bei. Aram I weilte auf Einladung der Christkatholischen Kirche in der Schweiz und überreichte Bischof Harald Rein ein prächtiges Kreuz als Gastgeschenk.

Die christkatholische Kirche St. Peter und Paul war voll wie schon lange nicht mehr. Der Freundschaftsbesuch Arams I, Katholikos von Kilikien, lockte nicht nur Christkatholiken und Christkatholikinnen aus der ganzen Schweiz nach Bern, sondern vor allem viele Mitglieder der Armenisch-Apostolischen Kirche. Ferner nahmen am 27. Oktober auch Gäste aus anderen Berner Kirchen an der Kathedralvesper teil, zu der die Christkatholische Kirche der Schweiz eingeladen hatte.

Stimmungsvoller Rahmen

Das Abendgebet feierte diese ökumenische Gemeinde in der stimmungsvoll erleuchteten Kirche, während sich draussen die Nacht über die Berner Altstadt legte. Was eine Vesper mit ihrer Lichtsymbolik an sich schon an spannungsvollem, aber vereintem Kontrast ausmacht, steigerte sich an diesem Samstagabend um ein vielfaches: links im Altarraum die Armenisch-Apostolische Delegation in dunklen Gewändern, mit Kapuze, einheitlich bärtig; rechts in Alben und goldenem Rauchmantel, die Christkatholischen Gastgeber/innen: ein Bischof, ein Priester, eine Priesterin und zwei Ministrantinnen. Unten im Querschiff die christkatholische Bistumschorgruppe, die mehr- und einstimmige Gesänge abendländischer Tradition sangen; oben auf der Orgelempore die armenische Opernsängerin Hasmik Papyan, die zusammen mit dem Organisten Sandor Bajnai Hymnen und Gebete aus der armenischen Tradition sang. Die Evangelienlesung von den assistierenden Priestern gesungen, zuerst auf Armenisch, danach auf Deutsch.

Ein Rahmen, der ganz nach dem Geschmack des hochrangigen Gastes Aram I war und sein erklärtes Ansinnen, die verschiedenen christlichen Kirchen zusammenzuführen, besonders anschaulich und erfahrbar machte. Fast 50 Jahre hat Aram I Erfahrung mit der Ökumene. In seiner Kirche und unter anderem im Ökumenischen Rat der Kirchen hatte er verschiedene Ökumene-Ämter inne. Die Armenisch-Apostolische Kirche besteht heute aus zwei Katholikaten und zwei Patriarchaten mit insgesamt 30 Bistümern. Sie zählt rund 9 Millionen Mitglieder. Der 71-Jährige steht dem Katholikat von Kilikien seit 1995 vor.

Trennung von Menschenhand

Im Anschluss an die Vesper trug der Katholikos vor, welchen Zweck die Ökumene habe. In einem leicht verständlichen Englisch machte er sich stark für eine starke Ökumene. «Die Ökumene ist das Wirken des Heiligen Geistes», donnerte er, «für die Einheit der Kirche Jesu Christi.» Sie sei der Ruf Jesu Christi an die verschiedenen Kirchen, aus ihrer Isolation herauszukommen, um gemeinsam zu beten und wenn nötig auch gemeinsam zu leiden. «Gott will die Einheit der Kirche, die Trennungen sind von den Menschen gemacht,» forderte Aram I die Anwesenden zur Einheit in Verschiedenheit auf, «wir alle sind die Kirche Christi und brauchen einander trotz aller Verschiedenheit.» Mit solchen leidenschaftlichen Sätzen begeisterte er die Anwesenden für die Ökumene. «Feurig», nannte ein Besucher die Rede des Patriarchen, «mitreissend» eine andere und «engagiert» eine dritte.

Ökumene vorantreiben

Der Appell des Katholikos richtete sich an alle Christinnen und Christen, besonders aber auch an die Mitglieder der christkatholischen Kirche. Nicht nur als Gründungsmitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen setzte sie sich in der Vergangenheit für die ökumenische Bewegung ein. Gerade jetzt, wo sie sich mit ihrem 150-jährigen Bestehen auseinandersetzt, könnte der Einsatz für die Ökumene einen Handlungsschwerpunkt bilden, der über eine einfache Darstellung der christkatholischen Identität, christkatholischer Werte oder der christkatholischen Geschichte hinausgeht.

Pfarrer Lenz Kirchhofer