Unterwegs – aus der Vergangenheit in die Zukunft

Von 2021 bis 2026 stehen in der christkatholischen Kirche Jubiläen an

Christkatholische Kirchengebäude. Collage: Franz Osswald

In den Jahren 1871 bis 1876 hat sich in einem mehrjährigen Prozess die Christkatholische Kirche der Schweiz gebildet. Zum 150-Jahr-Jubiläum soll aber nicht der Blick in die Geschichte im Zentrum stehen, sondern die Frage: Was können wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen?

Ausgangspunkt der Entstehung der christkatholischen Kirche als eigenständige Kirche ist das Erste Vatikanische Konzil von 1870 – doch ist dies ein Grund zum Feiern? Die liberalen Katholikinnen und Katholiken des 19. Jahrhunderts haben die Konzilsdogmen zur Rolle und universalen Macht des Papstes als Tiefpunkt empfunden und dagegen protestiert. Grund zum Feiern ist nicht 1870, sondern die folgenden Jahre: Aus dem (zunächst vor allem politischen) Protest erwuchs eine Bewegung, die eine eigene Kirchlichkeit leben wollte und diese in den folgenden Jahren Schritt für Schritt verwirklichte.

Unterwegs
Politisch motivierte Proteste 1871; eine Besinnung auf kirchliche Fragen 1872 mit dem Oltner Tag; Gründung christkatholischer Gemeinden ab 1873; Arbeit an einer Kirchenverfassung 1874; erste Session der Nationalsynode 1875; und schliesslich 1876 die Wahl und Weihe von Bischof Eduard Herzog: Die christkatholische Kirche entstand nicht durch einen einzelnen Gründungsakt, sondern in einem mehrjährigen Prozess.

Die Kirche schöpft aus der Vergangenheit und ist unterwegs in die Zukunft. Die Fachstelle Bildung hat deswegen ein Jubiläumsprojekt entworfen, das nicht einfach die hehre Geschichte hochleben lässt, sondern sich mit der Gegenwart und Zukunft beschäftigt. «Tradition & Erneuerung», «Verbindlichkeit & Freiheit», «Individuum & Gemeinschaft» und «Auseinandersetzung & Konsens» sind Themen, die damals wie heute zu einer Antwort herausfordern. Wie lautete die Antwort in den christkatholischen «Gründerjahren» – und wie lautet sie im 21. Jahrhundert? Die Jubiläen sollen Anlass sein, sich damit auseinanderzusetzen.

Eine Wanderausstellung
Von 2021 bis 2016 soll eine Wanderausstellung durch das Bistum reisen. Sie präsentiert in allgemeinverständlicher Sprache und in ansprechender Form wichtige Facetten der christkatholischen Geschichte für die Gestaltung der christkatholischen Gegenwart und Zukunft. Damit regt sie die Menschen und die kirchlichen Institutionen zur Reflexion über die christkatholische Identität einst, jetzt und in Zukunft an. Durch das Wandern von Ort zu Ort stärkt sie den Zusammenhalt der Christkatholikinnen und Christkatholiken im Bistum. Und nicht zuletzt unterstützt und ergänzt die Wanderausstellung eigene Jubiliäumsaktivitäten der Kirchgemeinden und Regionen.

Die Wanderausstellung soll keine Nabelschau sein: Eine Aussenwirkung ist erwünscht. Gleichzeitig ist sie keine Werbekampagne, die nur die christkatholischen Schokoladenseiten präsentiert. Die ehrliche Auseinandersetzung und das Ringen um Antworten auf komplexe Fragen sind eines der Kennzeichen der christkatholischen Kirche – mehr noch: Sie sind ein christkatholisches Qualitätsmerkmal, das gerade beim Jubiläum betont werden soll.

Interaktion
Selbstverständlich ist die Ausstellung zweisprachig Deutsch und Französisch konzipiert. Neben den Informationstafeln wird es auch einige leere Tafeln geben, die von den Besucherinnen und Besucher für weiterführende Gedanken genutzt werden können. Dem gleichen Ziel gilt auch ein Zukunftsbuch, das die Ausstellung begleitet. Ergänzt werden die Informationstafeln durch Audiosequenzen, welche die Besucherinnen und Besucher mit dem Smartphone abrufen können, und Videos, in denen sich Menschen von inner- und ausserhalb der Kirche zu Tradition & Erneuerung und den anderen Themen der Ausstellung äussern. Ein Rätselparcours für Klein und Gross rundet das Erlebnis ab.

Begleitend zur Ausstellung wird eine eigene Webseite aufgeschaltet. So kann die Botschaft auch über die Gemeindegrenzen getragen werden. Über Präsenz in den sozialen Medien – Facebook, Instagram – wird zusätzlich ein junges und jungegebliebenes Publikum angesprochen. Dem gleichen Ziel dient auch ein Comic über die Entstehungsjahre der christkatholischen Kirche. Dieser Comic wird auch als Lehrmittel in den christkatholischen Unterricht einfliessen. Die Projektorganisation liegt bei Pfr. Adrian Suter (Synodalrat und Fachstelle Bildung), Priester Patrick Zihlmann (Mitarbeiter Fachstelle Bildung) und Ruedi Rey (Inhaber und Agenturleiter Supersonix). Wenn die Situation es erlaubt, startet die Wanderausstellung Ende März 2021 in Luzern. Der Luzerner Strafhauspfarrer Johann Baptist Egli war der erste, der wegen seiner Weigerung, die vatikanischen Dogmen zu verkünden, exkommuniziert wurde. Die Schützenhausversammlung vom 31. März 1871 solidarisierte sich mit ihm und war so ein wichtiger Meilenstein auf dem langen Weg zur Christkatholischen Kirche der Schweiz. Der Weg geht weiter – wir bleiben unterwegs.

Adrian Suter