Campus Galli und Wettingen

Campus Galli, ein Projekt, das vor 1200 Jahren begann…

Handwerker arbeiten seit fast 5 Jahren daran, ein mittelalterliches Kloster zu bauen, wie es Mönche im 9. Jahrhundert auf der Insel Reichenau gezeichnet und beschrieben haben: ein grosse Abteikirche, Wohnräume, Werkstätten, Stallungen und Gärten. Auf der Mittelalterbaustelle „Campus Galli“ bei Messkirch (D) soll im Laufe der kommenden Jahre eine ganze Stadt im Wald entstehen!

Doch wie baute man vor 1200 Jahren? Wie spaltete man Schindeln, schmiedete eine Axt oder färbte die Wolle? Welche Getreide wuchsen auf den Äckern und welche Heilkräuter in den Gärten? Die Mittelalterbaustelle ist gleichermassen ein Forschungsprojekt wie ein Freilichtmuseum, die Besucher tauchen in eine Welt ein, in der es keine Maschinen gibt, jeder Arbeitsschritt von Hand gemacht werden muss, mühsam, bei Wind und Wetter.
Bäume werden gefällt und mit der Axt zu Balken behauen, Gewänder genäht, der Acker bestellt. Beim Schreiner riecht es nach frischem Holz und die Glut der Schmiedewerkstatt pulsiert hell im Takt der Blasebälge, während der Schäfer die Tiere zur Weide führt. Der Besucher erlebt bei „Campus Galli“ all die Dinge, die auch den Alltag der Menschen im Mittelalter bestimmten. Jeder Tag ein wenig anders, je nach Jahreszeit, je nach Baufortschritt. Seit fünf Jahren wird nun an Campus Galli gearbeitet. Es wurden zahlreiche Werkstätten errichtet und eine Kirche aus Holz gebaut.

Ab 2018 wird intensiv an einer grossen Scheune gebaut, in der die Mönche früher ihre Garben eingelagert und das Korn gedroschen hätten. Daneben wird an einem Obst- und einem Gemüsegarten gearbeitet, dessen Zaun und Mauer die Hühner und Ziegen aussperren soll. Die grossen Klöster wie St.Gallen und Reichenau aber dann auch rund 250 Jahre später das Kloster Wettingen wurden in derselben Weise gebaut, und entstanden durch die Hand von Steinmetzen, Zimmermännern, Schmieden und vielen weiteren Handwerkern.

Die Klöster waren Orte des Wissens und des Glaubens und damit wichtige Pfeiler, auf denen die mittelalterliche Gesellschaft ruhte.

Nur wenige Schläge mit dem Feuerstahl und schon knistert es leise, als der Schmied sein Feuer entzündet. Die Blasebälge hauchen dem Feuer Leben ein, und der Arbeitstag in der Klosterstadt „Campus Galli“ beginnt. Am anderen Ende des Geländes greift der Zimmermann zu seiner Axt, deren Stiel sich vertraut in seine Hand schmiegt.
Tag für Tag geht es ein Stück voran, um mit dem Werkzeug und den Materialien des Frühmittelalters ein Kloster zu bauen, wie es die Mönche der Insel Reichenau vor 1200 Jahren im „St.Galler Klosterplan“ gezeichnet haben. „Campus Galli“ ist ein einzigartiges Projekt, um die Zeit Karls des Grossen sichtbar und erlebbar zu machen!

„Campus Galli“ ist gleichermassen ein Freilichtmuseum, wie auch ein Forschungsprojekt. Denn die tägliche, handwerkliche Auseinandersetzung mit dem Mittelalter wirft ständig neue Fragen auf: Wie sah eine frühmittelalterliche Scheune aus, wie spaltete man Schindeln und wie mischte man den Mörtel? Wie viel Holz braucht ein mittelalterlicher Töpferofen und welche Gemüsesorten gab es bei uns bereits? Jeder Tag birgt neue Herausforderungen, jeder Tag ist ein wenig anders in der Klosterstadt „Campus Galli“ bei Messkirch, der einzigartigen Mittelalterbaustelle zwischen Donau und Bodensee.

Nach mehr als fünf Jahren ist das Mittelalter für die Handwerker Alltag geworden. In diesem Jahr werden für den Bau einer grossen Scheune viele lange Balken gebraucht, ein jeder davon entsteht in Handarbeit aus einem Eichen- oder Fichtenstamm. Es soll das bislang grösste Gebäude auf der Mittelalterbaustelle werden.
Hinter dem Marktplatz erhebt sich die Holzkirche mit ihrem Kreuzgang und den wunderschönen Chorschranken im Innern. Daneben, im hölzernen Glockenturm, hängt eine vor Ort gegossene Bronzeglocke, die täglich zum Mittagessen läutet. Wenn Töpfer und Schreiner, Gärtnerin und Schneiderin und zahlreiche andere Handwerker dann eine Verschnaufpause einlegen, kann sich der Besucher bei Linseneintopf, Dennetle (einer Art Flammkuchen) oder einer Wurst stärken.

Besucher können die Mittelalterbaustelle „Campus Galli“ täglich vom 02. April bis 03. November 2019 von Di-So besuchen, geöffnet von 10-18 Uhr.

Campus Galli
Hackenberg 92
D-88605 Meßkirch
Tel. +49 (0) 7575 20647
booking@campus-galli.de
www.campus-galli.de