Herbstspaziergang

Der Oktober und November sind nicht nur geprägt von einer nach der Ernte sich zur Winterruhe begebenden Natur. Sie sind auch geprägt im kirchlichen Leben vom Fest des Erntedanks und des Kirchweihsonntags. Der November, sagt uns durch das Fest Allerhei-ligen und dem Totengedächtnis an Allersee-len bzw. am Ewigkeitssonntag, dass alles, was wir Menschen tun endlich ist, aber trotz-dem in den guten Händen Gottes geborgen.

Blätter
(Rainer Maria Rilke, 1875 – 1926)
Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Spaziergang
(Gustav Renner 1866-1945)
Im Winde knarren
Die alten Föhren
Und schütteln des Regens letzte Tropfen
Auf unser Haupt;
Kein Laut zu hören,
Nur unserer Herzen leises Klopfen.

Noch einmal bricht
Aus schweren Wolken
Die Sonne hervor mit stillem Leuchten,
Im Abendlicht
Aufblüht der See
Und Stämme und Gräser, die regenfeuchten.

Dein Antlitz glüht
In Jugendröte,
In Jugendglück wie in alten Tagen.
Mir ists, als müsste
Wie damals wieder
Ich heisse, tiefe Worte dir sagen.

Die Sonne sinkt,
Und es verblassen
Auf deinem Gesicht des Abends Flammen,
Und ich denke der Jahre,
Der schweren Jahre,
Die Hand in Hand wir trugen zusammen.

Wie lange noch,
Und einer sieht
Den andern im stillen Dunkel schwinden,
Da wir, getrennt,
Uns immer suchen
Und nimmer, nimmer wiederfinden