Online Predigt vom 1. Sonntag nach Ostern 2020

Liebe Leser dieser Mail,

da Aufgrund der aktuellen Situation keine Gottesdienste gehalten werden dürfen, möchte ich Ihnen, von denen wir eine Mailadresse besitzen ein paar Gedanken zum vergangenen Sonntag,
dem 1. Sonntag nach Ostern zukommen lassen.

Ihr Pfarrer Wolfgang Kunicki

Er steht unter dem Thema des Johannesevangeliums und dem so genannten „ungläubigen Thomas“
Johannesevangelium 20,19-31

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.
Wir haben auch wenn wir es dieses Jahr nicht miteinander feiern konnten trotzdem Ostern gefeiert. Für uns Christen ist trotz des Verbotes von Gottesdiensten das Osterfest und damit die Auferstehung Jesu Wirklichkeit. Unter den orthodoxen Christen ist es üblich, sich in der Osterzeit nicht mit „Guten Tag“ oder „Grüezi“ zu begrüssen, sondern mit „Christus ist auferstanden!“, worauf der Begrüsste antwortet: „Er ist wahrhaft auferstanden!“ Dies kommt auch in der christkatholischen Osterliturgie vor.

Aber, ist er es wirklich? Wer garantiert das? Gibt es dafür Beweise? Genau in diesen Fragen kommt uns Thomas zu Hilfe, der Apostel, der heute im Evangelium diese kritischen Fragen stellt. Er will wissen, nicht nur glauben. Er möchte handfeste Beweise, nicht schwärmerische Behauptungen. Er ist bereit zu glauben, aber er will keinen blinden Glauben. Er will das, was er glaubt, auch spüren, berühren. Er will erfahren, dass es wirklich so ist. Es ist üblich geworden, diesen Apostel als den „ungläubigen Thomas“ zu bezeichnen. Aber ist es nicht ganz berechtigt, dass er für seinen Glauben auch eine vernünftige Grundlage haben möchte? Ist es im Glauben nicht ganz ähnlich wie in der Liebe? Wer liebt, schenkt Vertrauen. Aber dieses Vertrauen braucht auch sichere Zeichen, dass es zu Recht geschenkt wird. Es ist nicht ein Mangel an Liebe, wenn Liebende darauf warten, dass die Liebe dem anderen auch spürbar gezeigt wird.

Als Jesus acht Tage nach Ostern wieder den Jüngern erscheint, spricht er gleich Thomas an. Er erlaubt ihm, mit seinen Fingern die noch sichtbaren Wundmale seiner Hände zu berühren. Mehr noch: „Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite“, in die nicht mehr blutende Seitenwunde, die vom Lanzenstich des römischen Soldaten offengeblieben ist. Thomas durfte den Auferstandenen berühren, und diese Berührung weckt in ihm das grosse Glaubensbekenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“

Thomas hat Glück gehabt. Wie steht es mit uns, den Spätgeborenen, die Jesus nicht berühren können? „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, sagt Jesus an unsere Adresse. Also doch blinder Glaube? Keine Beweise? Kein sicherer Halt, um nicht ins Leere hinein zu glauben? Als der alte Apostel Johannes sein Evangelium niederschrieb, dachte er an all die späteren Generationen, die nicht mehr Augenzeugen Jesu sind. Für sie, also für uns, hat Johannes einige Zeichen aufgeschrieben, die deutlich machen, „dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes“. Sie sollen uns helfen, das zu glauben, „damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen“.

Thomas hat also nicht Unrecht, klare Zeichen zu fordern, um glauben zu können. Genügen uns die „Beweise“, die vor 2000 Jahren geschehen sind und die sehr glaubwürdig in den Evangelien berichtet werden? Der Evangelist Johannes gibt einen wichtigen Hinweis: Jesus habe noch viele andere Zeichen gewirkt, die man gar nicht alle im einem Buch aufschreiben könnte. Ich verstehe das so: Jesus wirkt bis heute viele Zeichen, die zeigen, dass er lebt und bei uns ist. Gewiss, beweisen wird man das nicht können. Aber an ihn und seine Auferstehung zu glauben, das hat wirklich Hand und Fuss. Für uns wird dies im schönen Lied von Bruder Klaus, dem Schweizer Nationalheiligen deutlich: