Online Predigt zum 7. Sonntag nach Pfingsten

Gedanken zum 7. Sonntag nach Pfingsten…

Eine Firma bekommt einen neuen Chef, der für seine Härte bekannt ist. Er duldet keinen der nicht 120 % bei der Arbeit gibt, und ist bekannt dafür, Arbeiter die nicht alles geben sofort zu feuern. Also wird er am ersten Tag durch die Büros geführt und der Chef sieht wie ein Mann sich gegen die Wand im Flur lehnt. Alle Mitarbeiter können ihn sehen und der Chef denkt, hier hat er eine gute Gelegenheit den Mitarbeitern zu zeigen, dass er Faulheit nicht dulden wird. Er geht zu dem Mann hin und fragt ganz laut: „Wie viel verdienen sie in der Woche?“ Ein bisschen überrascht antwortet der Mann: „800 Franken die Woche, wieso?“ Der Chef holt seine Geldbörse heraus, gibt ihm 1600 Franken und schreit ihn an mit den Worten: „Ok, hier ist dein Lohn für 2 Wochen, nun hau ab und komme nie wieder hierher!“ Der Chef fühlt sich toll, dass er allen gezeigt hat, dass Faulheit nicht mehr geduldet wird und fragt die anderen Mitarbeiter: „Kann mir jemand sagen was dieser faule Sack hier gemacht hat?“ Mit einem Lächeln im Gesicht sagt einer der Mitarbeiter: „Pizza geliefert!“

Eine Pizza bestellt man sich dann, wenn man keine Zeit oder Lust hat zu kochen, oder wenn man am Wochenende in den Kühlschrank schaut und feststellen muss, dass das vorhandene Essen nicht mehr für alle reicht. Das kann daran liegen, dass der Kühlschrank leer ist, oder zu viele „Mägen auf Beinen“ auf etwas Essbares warten…

Erfahrungsgemäss ist die Stimmung ganz schnell im Keller, wenn man Hunger hat und man weiss, dass es so schnell auch nichts geben wird. Die Jünger kamen mit Jesus einmal in so eine Situation. Sie waren mit ihm und vielen, vielen Menschen beisammen und hatten sich eigentlich auch darauf gefreut Zeit nur mit Jesus zu verbringen, aber es kam alles anders. Aber es war immer so, sobald die Leute Jesus entdeckten, strömten sie in Scharen herbei.

Das Evangelium nach Markus (Mk 8,1-9)

Jesus macht viertausend Menschen satt 1 Damals waren wieder einmal viele Menschen bei Jesus versammelt, und sie hatten nichts zu essen. Da rief Jesus die Jünger zu sich und sagte: 2 »Die Leute tun mir leid. Seit drei Tagen sind sie hier bei mir und haben nichts zu essen. 3 Wenn ich sie jetzt hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen; denn sie sind zum Teil von weit her gekommen.« 4 Die Jünger gaben zu bedenken: »Wo soll jemand hier in dieser unbewohnten Gegend das Brot hernehmen, um all diese Menschen satt zu machen?« 5 »Wie viele Brote habt ihr?«, fragte Jesus, und sie sagten: »Sieben!« 6 Da forderte er die Leute auf, sich auf die Erde zu setzen. Dann nahm er die sieben Brote, sprach darüber das Dankgebet, brach sie in Stücke und gab sie seinen Jüngern zum Austeilen. Die Jünger verteilten sie an die Menge. 7 Ausserdem hatten sie ein paar kleine Fische. Jesus segnete sie und ließ sie ebenfalls austeilen. 8 Die Leute assen und wurden satt und füllten sogar noch sieben Körbe mit dem Brot, das übrig blieb. 9 Es waren etwa viertausend Menschen. Dann schickte Jesus sie nach Hause.

Ein Gottesdienst mit Jesus. Was Lukas ist hier beschreibt ist ein Gottesdienst mit Jesus. Er verläuft etwas anders als unsere Gottesdienste. Erstens fand er im Freien statt. Zweitens Sollte er eigentlich gar nicht stattfinden. Für diesen Gottesdienst gab es also keine Ankündigung, keine Werbung, er stand nicht im Gemeindebrief oder in der Zeitung. Es war auch nicht Sonntag oder Sabbat. Trotzdem kamen die Leute. Sie hatten mitgekriegt, dass man bei Jesus Dinge mitkriegt, die sonst nirgends zu kriegen sind aber enorm wichtig sind. Ob das heute nicht mehr so ist? Hat Jesus heute nicht mehr so viel zu geben oder sein Bodenpersonal nichts mehr weiterzugeben? Wir kommen nochmal drauf. Jedenfalls kamen die Menschen zu Tausenden, es waren so viele, dass man nur die Männer gezählt hat – 4000, wenn man alle gezählt hätte, wäre man sicher auf 12.000 oder 20.000 oder noch mehr gekommen. Wenn man bei uns nur die Männer zählen würden …? O.k., der Gottesdienst geht los und Jesus predigt: Nicht wie ein Christkatholischer- oder römisch-katholischer Pfarrer – da sind nur 10 – 15 Minuten erlaubt. Nicht wie ein reformierter Pfarrer – da sind immerhin 20 Minuten erlaubt. Auch nicht wie ein freikirchlicher Prediger, – da ist sogar 1 Stunde erlaubt. Nein, Jesus ist so frei, dass er stundenlang predigt, bis zum Abend -und: die Leute hören zu! Im Stehen! (Vielleicht sassen sie auch auf der Wiese.) Worüber redet er denn so spannend? Nicht über Politik oder Probleme oder Mitmenschlichkeit, nicht über Wirtschaft oder Sport oder fromme Philosophie. Sondern über das Reich Gottes: Wie regiert Gott? Wie ist bei IHM alles aufgebaut? Wie wird Seine Macht und Sein Wille wirksam? Wie kann man Ihn erfahren? Wie kann man zum Reich Gottes gehören, wie darin leben? Wie handelt man den Gesetzmässigkeiten Gottes entsprechend und wie kommt Gottes Liebe und Gottes Kraft in unser Leben? Darüber redet Jesus stundenlang, und ER redet nicht nur darüber, ER demonstriert das praktisch, indem ER Menschen heilt. (Die Geschichte steht im Kapitel vorher) Wo Gott da ist, handelt und regiert, werden Menschen heil und das geht bis ins Körperliche hinein. Das gehört zu Gottes Herrschaft, zu Gottes Reich. Gottesdienst mit Jesus: Gott ist da. Davon redet Jesus. Darin lebt Jesus. Daraus handelt Jesus.

Und die Leute wollen gar nicht wieder gehen. Nicht wie bei uns, wo man nach einer Stunde ängstlich auf die Uhr guckt und unruhig am Hintern wird, als wäre die Kirchenbank eine Herdplatte, … und dann wird es noch Abend und den Jüngern von Jesus kommt die Erleuchtung, Jesus, es ist doch längst Feierabend, und die Leute hatten gar kein Mittagessen, wenn die jetzt nicht zu einem ordentlichen Abendbrot kommen, kippen die aus den Latschen! Es ist doch schon schwierig, eigentlich gar nicht durchführbar, jetzt für 4000 Leute genug zum Essen aufzutreiben Die Jünger damals, die waren genauso schlau und hilflos wie wir heute! Sie erkennen das Problem oder die Probleme. Die Lösung dieses Problems könnten wir uns in etwa, wie die Jünger auch so vorstellen: Nämlich mit einem ungeheuren Aufwand an Zeit, Kraft, Geld, und Organisation versuchen, die Forderung von Jesus zu erfüllen. Die Jünger sagen: Wo soll man denn in dieser Gegend für alle diese Leute Essen kaufen. Und so versuchen wir oft mit ganz viel Anstrengung und Aufwand etwas von dem zu tun, wir tun unser Menschenmöglichstes und doch sind die Forderungen von Jesus eigentlich immer eine Überforderung. Warum? Weil es im Reich Gottes nicht nur um Menschenmögliches geht! Da geht es um Gottmögliches. Und Gott möchte uns schwache, arme Menschen mit einbeziehen in das, was bei IHM möglich ist! Und wir sind dabei nicht überfordert! Hier sollen die Jünger von Jesus dafür sorgen, dass sich die Leute übersichtlich hinsetzen. Das liess sich organisieren, sogar ohne Computer, jedenfalls damals.

Und dann nimmt Jesus die 7 Brote und ein paar Fische. Hilfe!!!- 12 000 Menschen haben Riesenhunger, und das Bisschen, was wir haben dürfen wir nicht mal selber essen oder ganz selbstlos unserem Nachbarn geben, sondern das soll zuerst Jesus bekommen? JA! Genauso funktioniert es im Reich Gottes! Jesus verlangt niemals mehr als wir haben und können, aber alles, was wir können und haben, und wenn’s ganz wenig ist – das reicht bei Gott. Was Jesus sagt, was uns durch Jesus klar wird: tun – z.B. die Leute sich setzen lassen, das organisieren. Und das, was wir haben, zuerst Jesus geben, und wenn’s 7 Fladenbrote und ein paar Forellen sind. Das ist keine Überforderung! Das klingt wie ein Umweg: zuerst Jesus geben, aber es ist der Segensweg. Was Jesus von uns hat, damit handelt ER göttlich. Was wir selber haben und festhalten, damit können wir nur menschlich handeln. Hören und Hingabe – das ist das Geheimnis! Von Jesus hören und Jesus alles geben, das ist Gottesdienst mit Jesus! Gottesdienst, in dem Gott handelt. Und alle bekommen etwas, bekommen genug, bekommen sogar Überfluss. Die Jünger gaben alles, was sie hatten und bekamen viel mehr zurück: – Sieben Körbe voll! Gottesdienst mit Jesus – den können wir auch haben, sogar jeden Tag, wenn wir dies beides wirklich tun:

Hören und Hingabe. Von Jesus hören und Jesus alles geben. Und das ist sogar noch spannend.

Ein Gebet… Ich lasse mich Dir, Herr, und bitte Dich: Mach ein Ende aller Unrast. Meinen Willen lasse ich Dir. Ich glaube nicht mehr, dass ich selbst verantworten kann, was ich tue und was durch mich geschieht. Führe Du mich und zeige mir Deinen Willen.

Meine Gedanken lasse ich Dir. Ich glaube nicht mehr, dass ich so klug bin, mich selbst zu verstehen, dieses ganze Leben oder die Menschen. Lehre mich Deine Gedanken denken.

Meine Pläne lasse ich Dir. Ich glaube nicht mehr, dass mein Leben seinen Sinn findet in dem, was ich erreiche von meinen Plänen. Ich vertraue mich Deinem Plan an, denn Du kennst mich.

Meine Sorgen lasse ich Dir. Ich glaube nicht mehr, dass ich mit meinen Sorgen irgendetwas bessere. Das liegt allein bei Dir. Wozu soll ich mich sorgen?

Meine Gaben lasse ich Dir. Ich glaube nicht mehr, dass sie ausreichen, Deinen Willen zu tun. Aber in Deiner Hand verwandeln sie sich, und wenn Du sie mir zurückgibst, willst Du durch sie wirken, dort, wo Du mich hinstellst.

Meine Grenzen und Unfähigkeiten lasse ich Dir. Ich glaube nicht mehr, dass SIE es sind, die meinen Gehorsam oder Dein Wirken hindern könnten, denn Du bist größer und wichtiger. Und Du hast Neues für mich bereit.

Meine Schuld und mein Versagen lasse ich Dir. Ich glaube nicht mehr, dass ich selber alles gut und ungeschehen machen kann. Aber Deine Vergebung lässt mich leben und macht mich neu.

Ich lasse mich Dir. Ich gehöre Dir, Herr. Du hast mich in Deiner guten Hand. Ich danke Dir.

(z.T. nach Jörg Zink, Wie wir beten können, S. 207)